Der Arbeitsplatz ist der wichtigste Ort, wo Integration stattfindet. Zwei Beispiele aus Zürich zeigen, wie Betrieb und Beschäftigte gleichermassen davon profitieren.

Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) beschäftigt Arbeitskräfte aus 23 Ländern. Der Ausländeranteil beträgt 36 Prozent. Seit knapp drei Jahren bietet ERZ Deutschkurse an. Obwohl die Kurse freiwillig sind, werden sie von etwa jedem zweiten fremdsprachigen Mitarbeiter besucht. «Wichtig ist, dass sich die Leute am Arbeitsplatz und mit Kunden einigermassen verständigen können, und nicht, dass sie fehlerfreies Deutsch schreiben», sagt Walter Schmutz vom ERZ.

Die Hemmschwelle, deutsch zu sprechen, werde abgebaut und der Teamgeist gefördert, so Schmutz. Jedoch könnte man die Kurse mit dem Betrieb noch mehr verzahnen und das Anreizsystem optimieren, meint Marita Ebneter, Personalleiterin von ERZ. «Zwar können verbesserte Deutschkenntnisse Voraussetzung für eine Lohnerhöhung sein, doch das genügt offenbar nicht.»

Das Thema Integration betrifft aber auch die Schweizer Vorgesetzten. «Diese haben die Funktion von Coaches», erklärt Ebneter. «Sie üben Beratungsfunktionen aus, helfen etwa im Umgang mit Ämtern. Das ist Teil ihres Jobs.»

Die Kultur der ausländischen Mitarbeitenden fliesst bei den Betriebsfesten ein. Da kochen sie Gerichte aus ihrer Heimat für die Kolleginnen und Kollegen, Musik aus ihrer Heimat untermalt den kulturellen Teil.

Das Zürcher Erstklasshotel Schweizerhof beschäftigt zur Hälfte ausländische Arbeitskräfte aus 15 Nationen. Integration ist schlicht eine Notwendigkeit. «Letztlich geht es darum», sagt Personalleiter Martin Widmer, «die Qualität der Arbeit zu verbessern und die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu heben.»

Neueintretenden wird im «Schweizerhof» ein Götti auf der gleichen Funktionsstufe zugewiesen, der die gleiche Sprache spricht. Zudem gibt es für alle Neueintretenden ein persönliches Einzelgespräch mit einem Mitglied der Geschäftsleitung.

Die Umgangssprache ist für alle Mitarbeitenden Deutsch. Widmer hält seine Leute an, korrektes Deutsch zu sprechen. Die Integration, die in einem Leitbild festgeschrieben ist, findet auch über berufsbezogene Kurse statt, von denen alle Mitarbeitenden vier pro Jahr besuchen müssen.

Probleme leugnet Widmer nicht. So gab es schon Konflikte mit Männern aus dem arabischen Raum: «Diese haben oft Probleme, von einer Frau Weisungen entgegenzunehmen», sagt Widmer, doch Gespräche hätten geholfen. Er schätzt die positiven Effekte höher ein als die Schwierigkeiten. Als Beispiel erwähnt er eine Arabisch sprechende Zimmerfrau, die für einen Gast, der nur Arabisch konnte, übersetzte. «Noch immer wird das Potenzial vieler ausländischer Arbeitskräfte zu wenig genutzt», so Widmer. «Gerade unter den sich um Asyl Bewerbenden hat es etliche, die einen Hochschulabschluss haben und zu qualifizierten Arbeiten fähig wären.»

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