Für Reinhardt Klippel war 2003 ein schlechtes Geschäftsjahr. Er besitzt seit zehn Jahren eine Informatikfirma, die er vor fünf Jahren in eine AG umgewandelt hat. Einziger Angestellter ist er selber. In der Not hat er sich mehrere Monatslöhne nicht ausbezahlt. «So konnte ich unter Verzicht meine Firma retten», sagt der Familienvater.

Der Verlust schlägt doppelt zu Buche. Weil Klippel weniger verdient hat, bezahlt ihm der Kanton Zug auch fast 40 Prozent weniger Kinderzulagen. Mit seiner Einsprache ist Klippel abgeblitzt, sowohl bei der Ausgleichskasse Zug als auch vor Verwaltungsgericht.

Grund: Ausgleichskasse und Verwaltungsgericht betrachten Klippel als Arbeitnehmer, der nur Teilzeit gearbeitet hat. Diese Praxis hat keine gesetzliche Grundlage. Sie stützt sich einzig auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik. Ein Geschäftsführer in der Informatikbranche sollte demnach mindestens 60000 Franken pro Jahr verdienen. Wer weniger verdient, wird als Teilzeitler betrachtet und hat daher nur Anspruch auf Teilzulagen.

Marco Reichmuth, Leiter des Rechtsdienstes der Ausgleichskasse: «Es gibt eben auch diejenigen, die ihre Abgaben optimieren wollen und nur deshalb weniger Lohn angeben.» Diese AGs sind aber nicht von jenen zu unterscheiden, die sich abstrampeln, um über die Runden zu kommen. «Wir behandeln alle gleich», betont Reichmuth.

Eine harte Praxis – gerade im Kanton Zug. Die Ausgleichskasse hat für Kinderzulagen 60 Millionen Franken in Reserve – fast so viel, wie sie pro Jahr dafür ausgibt.

Quelle: Simone Broder