Strom aus Wasserkraft steht ökologisch in der Kritik. Das trifft Kleinkraftwerke härter als die grossen Stromerzeuger. Hanspeter Leutwiler, Geschäftsleiter beim Interessenverband schweizerischer Kleinkraftwerk-Besitzer (ISKB), sieht schwarz für seine Klientel: «Jahr für Jahr gehen einige Kleinkraftwerke ein.» Noch sind es rund 700 – von einst 7000. Die Minianlagen trieben früher Mühlen, Sägereien und Schmieden an und versorgten abgelegene Siedlungen mit Elektrizität. Heute liefern sie 0,4 Prozent der Schweizer Stromproduktion.

Ohne Marktmacht sind die Stromwinzlinge dem Gegenwind stärker ausgesetzt, der seit einiger Zeit allen Wasserkraftwerken entgegenbläst. Verschärft wird der Druck durch die kürzlich vom Schweizerischen Fischereiverband (SFV) lancierte eidgenössische Volksinitiative für «Lebendiges Wasser». Die Fischer fordern höhere Restwassermengen und weniger Barrieren in den Flüssen und Bächen. Laut SFV-Zentralpräsident Werner Widmer «geht es unseren Fischen immer mieser». Lediglich ein Fünftel der 53 einheimischen Fischarten sei nicht bedroht.

Die Initiative der Petrijünger ist nicht selbstlos, wollen sie doch in erster Linie viel Fisch an der Angel. Doch dass die Wasserkraftproduktion in Ökosysteme eingreift, ist unbestritten. Negative Folgen sind Flüsse und Bäche, die zu Rinnsalen verkommen oder zeitweise ganz austrocknen. Stress für Fauna und Flora verursachen die oft mehrmals pro Tag wechselnden Wasserstände: Wird viel Strom nachgefragt, strömt viel Wasser durch die Turbinen und erzeugt Hochwasser. Ist die Nachfrage klein, wird das Wasser zurückgehalten. Hinter Staumauern verschlammt die Gewässersohle. Dort können Fische nicht laichen und viele Kleinlebewesen nicht existieren.

Doch kein Gebirgskanton hat bisher eine Sanierungsverfügung erlassen. Niemand wunderts, denn der Bund hat die Fristen zur Sanierung von 15 auf 20 Jahre verlängert. Selbst bei neuen Wasserkraftkonzessionen werden beim Restwasser meist nur gerade die Alarmwerte erfüllt. Die Hauptkritik der Fischer und Naturschützer richtet sich zwar gegen die grossen Kraftwerke, Bund und Kantone. Aber die meist privaten Kleinkraftwerke triffts härter. Sie haben keine starke Lobby. Und ohne öffentliche Gelder sind nur wenige in der Lage, ihre Werke nach ökologischen Kriterien zu sanieren.

Kommt dazu, dass jedes Kleinkraftwerk von der Anlage her, dem Gewässer, den Besitzverhältnissen und je nach Kanton ein «Unikat und damit ein einmaliger Fall» sei, wie ISKB-Geschäftsleiter Leutwiler anmerkt. Das mache seine Sache auch so schwierig: Es gebe viele «Einzelabreibungen». Gemeinsam sei all diesen Fällen aber die «Ohnmacht gegenüber einem mächtigen Staat».

Der Kampf kostet viel Zeit und Kraft

Wie im Fall Zgraggen in Buochs NW. Oder beim Kleinkraftwerk Zrydbrücke an der Kander bei Frutigen BE. Dort wollten die Initianten Ende der neunziger Jahre eine stillgelegte Anlage reaktivieren. Nach gründlicher Vorbereitung: Das kantonale Fischereinspektorat wie auch das Berner Wasser- und Energiewirtschaftsamt erteilten die notwendigen Bewilligungen und Konzessionen. Dagegen rekurrierte die Fischereipachtvereinigung und erhielt schliesslich vom Verwaltungsgericht Recht. Wie in Buochs kam man zum Schluss, dass die geringe Stromproduktion den Eingriff in die Flussnatur nicht rechtfertige. Trotz vorgesehenen Fischaufstiegshilfen.

Wer seine alten Wasserrechte behalten will, muss sich oft energisch dafür wehren. So auch der Simmentaler Bergbauer Hansueli Eggen, der mit einem Minikraftwerk seit vielen Jahren den Strom für seinen Hof produziert. Dass er dafür ein neues Konzessionsgesuch beim Kanton einreichen sollte, sah er nicht ein. Er wagte den juristischen Hosenlupf und setzte sich durch. Richtig freuen kann er sich nicht: «Der Kanton musste zwar 11000 Franken Anwaltskosten bezahlen, aber die Sache hat mich viel Zeit und Nerven gekostet.»