Täglich rollt Ruth Schmidhauser im Rollstuhl auf den Balkon ihrer Pflegewohnung im Zentrum ­Bären in Nürensdorf ZH, um eine Zigarette zu rauchen. Dumm nur, dass der Zugang zum Balkon keineswegs so rollstuhlgängig ist, wie es die Broschüre der Betreiberfirma verspricht. Zwischen der 87-Jährigen und ihrem ­«letzten Pläsierchen», wie sie das ­Rauchen nennt, steht ein steiler Schwellenkeil – nur mit Schwung zu bezwingen. Das ist ihr schon mehrmals zum Verhängnis geworden: Wenn sie die Stelle zu forsch nimmt, bleibt sie hängen und stürzt aus dem Rollstuhl.

Nachdem das im September wieder passiert war, bat ihr Sohn Reto Schmidhauser das zuständige KZU Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit, die Schwellen doch bitte flacher zu machen. Die Problematik sei ­bekannt, man werde sich darum kümmern, schrieb man zurück. Doch es änderte sich nichts.

«Was ist daran so schwierig?»

Nach einer erneuten Anfrage im Oktober hiess es: «Unser technischer Dienst sucht nach einer ­geeigneten Lösung.» Anfang Dezember meldete die Leitung, verschiedene Fachplaner seien vor Ort, um die komplexe Situation zu beurteilen. An den Schwellen aber änderte sich bis heute nichts.

«Ich verstehe nicht, was an einem flacheren Schwellenkeil so komplex ist», ärgert sich Reto Schmidhauser. «Ich habe dem Zentrum 250'000 Franken für die Pflege meiner Mutter bezahlt. Grosszügig berechnet sind die Kosten für neue, flachere Schwellenkeile bei allen vier Balkonen der Wohnungen knapp 6000 Franken. Da muss ein wenig mehr Sicherheit für meine Mutter doch drinliegen.»

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Schmidhauser wandte sich an Roland Bick, Bauberater der Behindertenkonferenz des Kantons Zürich. Dieser stellte fest: «Die Schwellenhöhe der Balkontüren ist deutlich zu hoch und überschreitet sogar die zugelassene Norm für den normalen Wohnungsbau.» Er forderte die Betreiber schriftlich auf, das Pro­blem umgehend zu lösen. Und erhielt eine gewohnt nette, aber auch nichtssagende Antwort: Man nehme das Problem ernst und kümmere sich darum.

«Lösungsansätze in Prüfung»

Auch gegenüber dem Beobachter sagt Marlies Petrig, Mitglied der Geschäftsleitung, es seien verschiedene Lösungsansätze in Prüfung. Man wolle sich weiter für die Behebung dieses Hindernisses einsetzen.

Erschwerend wirkt, dass das Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit nur bedingt zuständig ist. Die Liegenschaft gehört der Gemeinde Nürensdorf. Dort heisst es, die Bearbeitung des Anliegens sei schon sehr weit fortgeschritten.

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Quelle: titelbild.ch