Eintreten ins Reich der Physiker mit dunkelsten Vorahnungen: Junge Männer, voll beschäftigt mit dem Studium – da muss es Staub, verkrustete Teller und angefaulte Früchte geben und nach verschwitzten Pyjamas riechen. Nicht so bei Christoph, 26, Fabian, 23, und Pascal, 24. Es sieht hier aussergewöhnlich sauber aus für eine Studentenbude.

Die drei Männer haben halt noch eine gutschweizerische Erziehung genossen und wissen auch ohne Mamis Anweisung, was ein Staubsauger ist und wie man ihn bedient. Aber kein Preis ohne Schweiss. Organisation ist das A und O – und dafür ist massgeblich Fabian verantwortlich. «Er ist Mama und Papa in einem, wir sind die Gofen», witzeln Christoph und Pascal. Stimmt das? «Na ja, kommt hin», meint Fabian, der seit kurzem frischgebackener Physiker und auf dem Sprung ins Ausland ist, um seine Masterarbeit zu schreiben. Fabian ist punkto Hygiene am empfindlichsten. Das kommt nicht von ungefähr. Er ist traumatisiert von seiner früheren WG. Das war eine Bude mit acht Leuten, die alle unterschiedliche Vorstellungen von einem anständigen Haushalt hatten. «Eine Traumabsteige war das», meint der 23-Jährige lakonisch.

Anders bei Christoph. «Er kam direkt vom Mami hierher», erzählt Fabian. Und hier pfeift ein rauer Wind. Eiserne Regeln, festgehalten im Putzplan. Der ist gut sichtbar aufgehängt in der Küche. Es gilt das geschriebene Wort. Der Plan wird jede Woche neu ausgedruckt, und damit das mit dem Einhalten klappt, hat Fabian ein scharfes Auge auf die Mitbewohner. Bad, Küche, Wohnzimmer: Alles wird einmal die Woche gereinigt.

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Beim Essen gilt ebenfalls Disziplin: «La famiglia wird beim gemeinsamen Abendessen gepflegt», erklärt Fabian. Auch Speis und Trank am Holztisch in der Stube wird hauptsächlich von ihm gemanagt. «Er kocht am meisten und am besten», sagen Christoph und Pascal. Was denn? «Tagliatelle verdure», antwortet Fabian, ganz der Chefkoch. Manchmal hilft Pascals Freundin Nadja beim Kochen. Aber eigentlich kriegen das die drei auch ohne Frau ganz gut hin. «Wir sind selbständige junge Männer», stellen die Physiker klar. Und selbständige junge Männer im Jahr 2009 wissen auch, dass Energie gespart werden soll. «Wir sind eine grüne WG», hält Fabian fest. «Da wird der Abfall getrennt und beim Verlassen des Raums das Licht gelöscht, gell Pasci!» Gelächter. Ja, Mami. Oder Papi.