Viele Mieter sind ernüchtert. Im letzten Sommer senkten die Banken die Hypothekarzinssätze. Vor einigen Wochen doppelten sie nach und kündigten für kommenden Februar die nächste Zinsrunde an. «Sinkende Hypozinsen gleich sinkender Mietzins», dachten sich da viele Mieter und freuten sich über einen finanziellen Zustupf. Doch was ist bisher geschehen? Fast nichts. Nur jeder zwölfte Mieter kam bis Ende September in den Genuss einer Mietzinsreduktion. Dies besagt eine Studie der «Neuen Zürcher Zeitung».

Das Gesetz lässt eigentlich wenig Spielraum: Die Vermieter müssen sinkende Hypothekarzinsen an die Mieter weitergeben; sie können nur einen Teil der Teuerung sowie höhere Betriebskosten, etwa Versicherungsprämien, davon abziehen. Unter dem Strich können die Mieter heute bei einer Zinssenkung von einem Viertelprozent mit einer Reduktion des Mietzinses um 1,5 Prozent rechnen.

Der Mieterinnen- und Mieterverband (MV) ärgert sich über das Zögern der Vermieter. «Es ist stets das Gleiche», sagt Geschäftsführerin Regula Mühlebach. «Zinserhöhungen geben die Vermieter schnurstracks weiter, Senkungen hingegen nicht.» Sie empfiehlt deshalb den Mietern, die Reduktion bei der Hausverwaltung einzufordern, denn automatisch passiere gar nichts.

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Beim Hauseigentümerverband dagegen will man die Vorwürfe nicht pauschal gelten lassen. «Man muss den Einzelfall betrachten», heisst es dort.

Das Zögern der Vermieter ist für den MV jedoch nur das eine Problem, das andere sind die Banken. Diese würden die Sätze für variable Hypotheken, die für die Mieten relevant sind, zu langsam nach unten korrigieren. «Mit jedem Tag, den sie die Zinssenkung hinauszögern, verdienen die Banken Geld auf dem Buckel der Mieter», sagt Mühlebach.

MV-Präsident Rudolf Strahm ist überzeugt: «Die Banken spielen auf Zeit.» Sie hätten Luft für weitere Zinssenkungen, denn Geld sei zurzeit sehr billig. Strahm erhofft sich für das nächste Jahr Hypozinssätze von 3 bis 3,5 Prozent bisher haben die meisten Banken aber erst 4 Prozent angekündigt. Stimmt jedoch Strahms Prognose, lohnt sich das für die Mieter: Wer etwa eine 2000-Franken-Wohnung bewohnt, kann bei einem Zinssatz von 3 statt der jetzt üblichen 4,5 Prozent mit rund 200 Franken Monatsmiete weniger rechnen.

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Die Geldinstitute selbst bestreiten den Vorwurf, die Zinsen zu langsam zu reduzieren. Unabhängige Beobachter stellen sich jedoch auf die Seite der Mieter. So sagt Rudolf Lanz vom Büro des Preisüberwachers: «Wir mussten die Banken schon verschiedentlich auffordern, die Hypozinsen rasch und ausreichend zu senken gerade wieder bei der letzten Runde.» Und nach wie vor bestehe Spielraum nach unten.

Auch Lorenz Heim vom VZ Vermögenszentrum ist überzeugt, dass die Banken zurzeit gut am Hypothekengeschäft verdienen. Doch er relativiert die Vorwürfe: Die Banken hätten vor allem ein Interesse an stabilen Hypozinssätzen. «Deshalb sind sie vorsichtig mit Senkungen. Denn jedes Mal, wenn sie die Zinsen erhöhen, geht ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit.» Die Banken hätten in Hochzinsphasen teilweise auf Zinserhöhungen verzichtet und Geld draufgelegt.

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Heim fordert allerdings ganz entschieden mehr Transparenz: Es sei unklar, auf welcher Basis die Banken Zinsveränderungen beschliessen würden.

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