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MieterfangFrei erfundene freie Wohnung

Wohnungsnot: Wer in der Stadt Zürich eine günstige Wohnung angeboten bekommt, sollte sowieso misstrauisch werden. Bild: Roland Zumbühl, picswiss.ch

Vorsicht bei der Wohnungssuche: In letzter Zeit versuchen Betrüger, Mietinteressenten mit einem verlockenden Angebot zu ködern – und abzuzocken.

von Patrick Strub

Wenig fehlte, und Olivia Lehner (Name geändert) wäre in eine Falle dreister Abzocker getappt. Hätte ihre aufmerksame Mutter sich nicht im letzten Moment ans Beobachter-Beratungszentrum gewendet, wäre aus der eigenen Wohnung der 18-Jährigen erst mal nichts geworden – abgesehen von einem Loch im Portemonnaie.

Auf dem Immobilienportal ImmoScout24 hatte die angehende Jurastudentin eine 2-Zimmer-Wohnung mitten in Zürich für unglaublich günstige 900 Franken Miete gesehen. Als Eigentümer gab sich ein Daniel Richmond aus London aus. Um die Wohnung besichtigen zu können, hätte die junge Frau den ersten Monatsmietzins nach England überweisen sollen. Daraufhin – so die Versprechungen des vermeintlichen Vermieters – würde ihr ein Kurierdienstservice die Wohnung zeigen und den Mietvertrag mitbringen. Und keine Sorge: Sollte ihr Interesse dahinfallen, bekäme sie ihre Anzahlung zurück.

Die freie Wohnung ist allderings frei erfunden. Kein Einzelfall: So warnt die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt auf ihrer Homepage davor, Gelder zu überweisen, bevor ein Objekt besichtigt und der Vertrag unterzeichnet wurde. Bei der Immobilienplattform Homegate kennt man diese neue Spielform von Mieterfang ebenfalls. «Wir kontrollieren sämtliche Inserate, bevor wir sie aufschalten. In den letzten zwölf Monaten haben wir ungefähr ein Dutzend solcher Betrugsversuche entdeckt und ihre Aufschaltung verhindert», sagt Maja Gunterberg von Homegate.

Auch bei ImmoScout24, wo Olivia Lehner dem Betrug fast zum Opfer fiel, wird kontrolliert – allerdings erst nach Aufschaltung der Inserate, wie Bernhard Bürki erklärt. «In den letzten zwei Monaten haben wir knapp zehn solcher Betrugsinserate entdeckt, teilweise selber, teilweise dank der Meldung durch User.»

Mietinteressenten sollten also wachsam bleiben und die Warnung der baselstädtischen Staatsanwaltschaft beherzigen: nichts im Voraus zahlen.

Veröffentlicht am 2009 M03 30