Alkoholiker, Drogensüchtige, Verschuldete und Flüchtlinge: Sie haben es besonders schwer, eine Wohnung zu finden. Oft bezahlt darum die Sozialhilfe ihre Miete. In der Stadt Zürich 900 bis 1100 Franken pro Person. Bei Mietern, die nicht mit Geld umgehen können, bezahlt der Staat die Miete direkt aufs Konto des Vermieters. Pünktlich, Mahnung unnötig.

Einige Vermieter haben auf diesem zuverlässigen Zahler ihr Geschäftsmodell aufgebaut. Die verlangte Miete entspricht dann meist dem Beitrag der Sozialhilfe, vielleicht etwas mehr. Einige Vermieter machen aus Mehrzimmer- zudem Einzimmerwohnungen, was ihren Profit maximiert. Selbst wer sein Haus verlottern lässt, macht so immer noch ein gutes Geschäft. Denn die Mieter protestieren kaum. Sie haben keine Alternative.

Der Beobachter berichtete 2014 über solche Fälle, auch über Peter S., den König der Einzimmerwohnungen in der Stadt Zürich. Rund 200 Miniwohnungen gehören inzwischen dem Jetsetter aus Küsnacht.

Es ist richtig, dass die Polizei kommt

Die Zustände in einigen seiner Häuser sind unerträglich: kaputte sanitäre Installationen, verstopfte Abflüsse, Kakerlaken. Junkies übernachteten im Flur, in manchen Wohnungen dealten Drogenhändler. Polizisten und Sozialarbeiter beschweren sich schon länger über die desolaten Zustände. Doch die meisten Mieter verzichteten auf Klagen.

Jetzt ist der Bann gebrochen: Die Polizei hat Peter S. verhaftet und in einer aufsehenerregenden Aktion gegen 200 Mieter befragt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mietzinswucher, einzelne Mieter haben Anzeige erstattet. Sie haben nicht mehr viel zu verlieren, im Sommer wurde allen gekündigt.

Es ist richtig, dass die Justiz das Geschäft solcher Vermieter endlich durchleuchtet. Die politische Rückendeckung durch den Zürcher Stadtrat kommt nicht überraschend. Bereits im Mai hatte Sozialvorsteher Raphael Golta Anzeigen angekündigt. Damals sorgten überrissene Mieten für Flüchtlinge in heruntergekommenen Häusern für Schlagzeilen.

Die Landflüchtlinge waren schon immer da

Dass Gemeinden wie Zürich oder Schlieren nun gegen solche Exzesse vorgehen, ist auch eine Pflicht gegenüber ihren Bürgern, die die Zeche zahlen. Bloss: Mit Klagen allein wird das Problem nicht gelöst.

Solche Wohnungen würden Sozialhilfebezüger aus anderen Gemeinden anziehen, warnte der Zürcher SP-Stadtrat Golta kürzlich. Das ist nur die halbe Wahrheit. Randständige zieht es seit je in Städte und Agglomerationen. Nicht wegen billiger Wohnungen, sondern weil sie dort am sozialen Leben teilnehmen können, ohne sich ständig erklären zu müssen.

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Wenn sich die Städte nicht mit möglichst schlechten Bedingungen für Sozialhilfebezüger aus ihrer Mitverantwortung stehlen wollen, müssen sie auch ihre Wohnungspolitik überdenken. Lange hat etwa Zürich mit Aufwertungsprojekten dafür gesorgt, dass der Mittelstand wieder ansprechende Wohnungen in Problemquartieren findet. Nach der Auflösung der offenen Drogenszene und Exzessen im Rotlichtmilieu war das dringend nötig. Heute ist die Situation ganz anders: Die Problemquartiere boomen, Wohnungen für den oberen Mittelstand werden gebaut. Da muss die Stadt nicht nachhelfen. Auch Genossenschaften konzentrieren sich zunehmend auf den Mittelstand. Unter die Räder kommen immer mehr Schlechtverdiener und Randständige.

Dabei wäre es eine zentrale Aufgabe jeder Gemeinde, für ihre Bürger ganz unten würdige Wohnungen sicherzustellen. Wenn das auf dem privaten Wohnungsmarkt nicht möglich ist, müssen sie eigene Liegenschaften dafür nutzen. Und falls nötig, sollten sie Häuser kaufen, statt über subventionierte Gammelhäuser Luxusautos und Rennrössli zu finanzieren. Einige Städte – etwa Biel – investieren seit Jahrzehnten in eigene Liegenschaften. Langfristig ist das für die Steuerzahler billiger und für die Bewohner menschenwürdiger.