5'000 Franken sind kein Pappenstiel, auch für Peter und Nina Kellenberger (Namen geändert) nicht. Das Paar wartet seit acht Monaten darauf, dass ihr ehemaliger Vermieter das zurückbehaltene Mietzinsdepot herausrückt: «Bis jetzt hat er uns mit der Ausrede vertröstet, er müsse noch Handwerkerrechnungen abwarten.»

Sinn und Zweck von Mietzinskautionen ist es, dem Hauseigentümer eine Sicherheit für vom Mieter verursachte Schäden und für ausstehende Mieten in die Hand zu geben. Der Vermieter ist verpflichtet, das Geld entweder auf einem Sparkonto oder in einem Wertschriftendepot einer Bank anzulegen. Bei Wohnungen darf ein Mietzinsdepot laut Gesetz höchstens drei Monatsmieten betragen.

Zeitspiel funktioniert nicht

Rechtlich gehört die Kaution dem Mieter, und sie ist auch dann vor einem Zugriff sicher, wenn der Vermieter Konkurs anmeldet. Sofern die Kaution nach dem Auszug ihren Zweck erfüllt hat, muss sie der Vermieter innerhalb eines Monats zurückzahlen. Der Mieter kann diese sofortige Zurückerstattung verlangen, sofern keine Mieterschäden behoben werden müssen und weder Mietzins- noch Nebenkostenrechnungen offen sind.

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Auch wenn der Vermieter dem Mieter gewisse Kosten aufbrummen will oder wenn sich die Parteien in diesem Punkt in den Haaren liegen, kann der Vermieter die Auszahlung nicht beliebig auf die lange Bank schieben. Sofern der Vermieter nicht innerhalb eines Jahres seit Beendigung des Mietverhältnisses eine gerichtliche Klage einreicht oder die Forderung durch Betreibung geltend macht, muss die Bank das Depot inklusive Zinsen zurückerstatten. Wenn Vermieter zu Unrecht Forderungen stellen und sich die Mieter nicht ein Jahr lang in Geduld üben wollen, so müssen sie an die Schlichtungsbehörde gelangen.

Als Alternative zu den Bareinzahlungen bieten verschiedene Firmen Versicherungen oder Bürgschaften an. Bei der Versicherungsvariante steht der Anbieter für ausstehende Mieten (Kaution) und für die Deckung von Mieterschäden (Haftpflicht) gerade. Die Firma Alba beispielsweise versichert Mieterschäden bis zu einer Million Franken und ausstehende Mieten bis zu drei Monatsmieten (höchstens 12000 Franken). Die Kautionsversicherung kostet drei Prozent des versicherten Betrags, hinzu kommen 75 Franken für die Haftpflicht.

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Eine Bürgschaft hingegen, wie sie unter anderem die «Société de Cautionnement Bürgschaftsgesellschaft» anbietet, kostet eine Eintrittsgebühr von 200 Franken im ersten Jahr und danach jedes Jahr vier Prozent der verbürgten Summe. Doch Vorsicht: Versichert respektive verbürgt ist bei beiden Varianten in erster Linie das Risiko des Hausbesitzers, dass er gewisse Forderungen nicht umgehend durchsetzen kann. Für ausstehende Zahlungen und Mieterschäden nimmt die Bürgschaftsgesellschaft Rückgriff auf die Mieter. Auch die Versicherung belangt Mieter für ausstehende Zinsen lediglich Mieterschäden deckt sie im Sinn einer Versicherung ab.

Die Vereinbarung einer Mieterversicherung ist nur über die Liegenschaftsverwaltung möglich, während der Abschluss der Bürgschaft auch direkt durch den Mieter getätigt werden kann vorausgesetzt, der Vermieter ist bereit, die Bürgschaft zu akzeptieren. Einige grosse Liegenschaftsverwaltungen verweigern hier allerdings ihre Zustimmung, weil sie eine Kaution in bar vorziehen.

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Mieterverband rät ab

Hinzu kommt das Problem der Doppelversicherung: Denn in der Privathaftpflichtversicherung, die die meisten Haushalte abgeschlossen haben, sind Mieterschäden gedeckt. Regula Mühlebach, Geschäftsleiterin des Mieterverbands Schweiz, sagt es klipp und klar: «Wir raten von Versicherungen und Bürgschaften ab, weil sie für die Mieterschaft zu teuer sind. Wer finanziell Mühe hat, das Mietzinsdepot aufzubringen, fährt mit einem Darlehen aus der Verwandtschaft oder dem Bekanntenkreis einiges günstiger.»

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