Jürg Hammer, Intensivmediziner am Kinderspital Basel, machte an jenem Tag im November 2004 einen Luftsprung: Er hatte erfahren, dass das Europäische Patentamt in München der Firma Ino Therapeutics das Patent auf Stickstoffmonoxid aberkannt hatte (siehe Artikel zum Thema «Medizinalgas: Das Monopol fällt»). Das Gas rettet Neugeborenen mit Lungen- und Herzproblemen das Leben.

Die Tochterfirma des Linde-Konzerns wollte damit gross Kasse machen und hatte sich weltweit das Patent auf das Gas gesichert (siehe Artikel zum Thema «Medikament: Preistreiberei auf Kosten von Menschenleben»). Auch in der Schweiz brachte die Firma das Gas unter dem Namen Inomax als Medikament auf den Markt und verlangte dafür horrende Preise: Statt wie bisher 100 Franken mussten Spitäler nun rund 2'000 Franken hinblättern – pro Tag.

Der Beobachter machte den Skandal publik. «Wir könnten aus Preisgründen in Zukunft nicht garantieren, jedes Baby ausreichend mit dem Gas zu behandeln», warnte Hammer. Der Mediziner sprach bei Behörden und Politikern vor, um die Preistreiberei zu unterbinden. Ino Therapeutics setzte den Arzt unter Druck, er solle aufgeben. Andere Ärzte drohten damit, Inomax zu boykottieren. Bundesrat Couchepin liess die Ärzte mit ihrem Problem allein: Er könne das Zulassungsgesuch «aus rein wirtschaftlichen Gründen» nicht ablehnen.

Umso mehr befriedigt Hammer der Entscheid des Patentamts: «Jetzt dürfen auch andere Firmen das Gas bei Swissmedic zur Zulassung anmelden. Das lässt die Preise purzeln.» In kleinen Mengen und individueller Mischung können Firmen das Gas auch ohne aufwändige Medikamentenzulassung an Spitäler verkaufen. Kosten: rund 300 Franken pro Tag.

Quelle: Archiv