Das Kräftemessen um Oltens sündige Meile bewegt sich rechtlich auf dünnem Eis. Seit 1942 ist die freiwillige Prostitution erlaubt, seit 1992 sind auch Kuppelei und Zuhälterei nicht mehr strafbar. Das heisst: Dirnen dürfen grundsätzlich genauso von der Wirtschafts- und Niederlassungsfreiheit profitieren wie jede andere Person auch. Flächendeckende Prostitutionsverbote sind daher unzulässig. Die Kantone haben aber die Befugnis, gegen störende Auswüchse des Sexgewerbes vorzugehen. So können Städte Orte definieren, wo Prostitution untersagt ist, und im Gegenzug Strichpläne erlassen, wo sie erlaubt ist (meist ausserhalb der Wohnzone). Wird das Milieu auch dort eingeschränkt, besteht die Gefahr der Willkür; mehrere kantonale Gerichte und auch das Bundesgericht haben in solchen Fällen eher zugunsten der Prostituierten entschieden. Dirnen, die für ihre Arbeit öffentlichen Grund ausserhalb sensibler Zonen benutzen, haben grundsätzlich das Recht dazu.

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