Grenzkrieg: 1865, Kanton Schwyz. Ein Bauer versetzt einen Grenzstein, weil es ihm zu mühsam wird, ihn auszumähen. 22 Jahre später bauen die Nachbarn gemeinsam eine Sennhütte – exakt auf die neue Grenze. Diese trennt auch zwei Gemeinden. 1901 nehmen vier Bundesrichter einen Augenschein. Sie entscheiden, wer die Liegenschaft wo zu versteuern hat. Bundesgericht, 1901

Vogelfreude: Wie unterhalten sich Papageien? Pfeifen sie? Kreischen sie? Ein Lauschtermin vor Ort brachte das Obergericht zum Schluss, dass Lautäusserungen dieser Art von Nachbarn nicht toleriert werden müssen. Ein Tierhalteverbot hingegen sei falsch. Cico und Lola dürfen sich danach werktags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr bei offenem Fenster unterhalten. Obergericht Zürich, Februar 1986

Liebesseufzer: Das Ehepaar Schmid bezog die Jugendstilvilla mit grosser Freude – und störte sich schon bald am Paarungsverhalten der Nachbarn: Stöhnen, lustvoll, langgezogen, regelmässig, nachts. Das Obergericht entschied: Immissionen dieser Art sind zu tolerieren; sie seien – so das richterliche Argument – in der Regel bloss von kurzer Dauer. Obergericht Solothurn, 1987

Jodelimmission: Ein Geburtstag, allerlei Ausgelassenheit und etwas frische Luft: In einer Sommernacht um 21.30 Uhr sang eine 79-jährige Brigerin auf ihrem Balkon drei Jodellieder. Die Zugabe folgte um 22.30 Uhr. Vier Jahre später entschied das Bundesgericht: Bei dem Vortrag habe es sich um «eine unnötig störende Immission» gehandelt. Bundesgericht, 1993

Testgebell: Auf höchstrichterliches Geheiss wurden im Toggenburg fünf belgische Schäfer zum Testbellen gebracht. Nach Meinung des Klägers hätte dies bereits die Vorinstanz tun müssen. Die Veranstaltung dauerte zwei Stunden. Das Resultat der Messung fiel zugunsten der Tiere aus – zumutbar für benachbarte Menschen. Bundesgericht, Januar 1993

Streithahn: Ein krähfreudiger Hahn aus Oberwinterthur wurde dazu verknurrt, seine Nächte zwischen 22 und 7 Uhr in einem abgeschlossenen Raum zu verbringen. Als das Urteil in Lausanne gesprochen war, war der Hahn verstummt. Er hatte längst das Zeitliche gesegnet. Bundesgericht, Februar 1996

Todesdrohung: «Wenn ich vor Gericht nicht Recht bekomme, gibt es Tote!», schrie ein Nachbar in Sarnen seinen Nachbarn an. Das Bundesgericht verpflichtete ihn zum schriftlichen Versprechen, die Drohung nicht wahr zu machen. Die Friedensbürgschaft von 2000 Franken kassiert im Schadensfall der Staat. Bundesgericht, Januar 2002

Büsifrieden: Ohne Gerichtskosten verlief eine Auseinandersetzung zweier Nachbarn in Münchenstein. Die Katze des einen hielt sich immer wieder im Haus des andern auf – zu lange, wie der Besitzer erklärte. Der Versuch einer Rückführung endete mit einer Schlägerei. Mit Hilfe der Polizei konnte ein allseits anerkanntes Besuchsrecht mit Zeitplan geschaffen werden. Gemeindepolizei Münchenstein, Februar 2001

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