Die Landschaft ist prächtig, die Natur weitgehend unversehrt. Doch ausgerechnet hier im bündnerischen Klosters, im Kindergarten Bündelti, stellten die Behörden eine deutliche Überschreitung des Radongrenzwerts fest. Die heile Bergwelt wurde jäh erschüttert. Die Meldung vom «giftigen Gas» im Kindergarten löste bei den Eltern der Kinder einige Unruhe aus.

Je mehr Radon wir einatmen, umso grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Jahre oder Jahrzehnte später an Lungenkrebs erkranken. Hochrechnungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zufolge sterben in der Schweiz jedes Jahr 200 bis 300 Menschen an Lungenkrebserkrankungen, die direkt auf Radon zurückzuführen sind. «Gemäss den neusten internationalen Untersuchungen liegt die Zahl der Todesfälle wahrscheinlich sogar noch höher», befürchtet Georges Piller, Radonverantwortlicher im BAG.

Böse Langzeitwirkungen


Radon ist ein natürliches Gas, das sich überall im Boden befinden kann. Weil Radonatome nicht stabil sind, zerfallen sie und setzen Strahlung frei. Die menschlichen Sinne nehmen Radon nicht wahr. Es ist weder sicht- noch riechbar und entsprechend heimtückisch. Durch undichte Stellen gelangt es unbemerkt aus dem Erdreich in Gebäude und über die Atemluft in die Lungen der Menschen.

«Für uns ist die Radonproblematik relativ neu», räumt Robert Venzin vom Bauamt der Gemeinde Klosters ein. Der Kindergarten ist 1942 erstellt worden – ohne Betonboden und ohne Unterkellerung. Entsprechend ungehindert gelangte Radon ins Gebäude. Abhilfe schuf erst ein aufwändiges Lüftungssystem. Dank dem Gebläse konnte die Gefahr für die Gesundheit der Kinder gebannt werden.

Die Höchstgrenzen sind festgelegt: Die Strahlung wird in Becquerel pro Kubikmeter gemessen, wobei in Wohn- und Aufenthaltsräumen der Wert von 1000 nicht überschritten werden darf. Als Richtwert setzten die Behörden 400 Becquerel fest. In der Schweiz sind über 100000 Menschen einer Strahlenbelastung ausgesetzt, die über dem Richtwert liegt. Die Strahlenschützer haben in einzelnen Gebäuden mehrere zehntausend Becquerel gemessen – im Freien ist die Radonkonzentration im Allgemeinen aber unbedenklich. In der Literatur finden sich Studien, die bereits bei Werten von 150 ein signifikant höheres Lungenkrebsrisiko nachweisen. Daher gilt: Eine untere Grenze, die als unbedenklich einzustufen ist, gibt es nicht.

Wer sich über die Radongefährdung an seinem Wohnort ein Bild machen will, erkundigt sich am besten bei der zuständigen kantonalen Stelle oder beim BAG. Radonkarten unterteilen sämtliche Schweizer Gemeinden in mehr oder weniger stark gefährdete Gebiete. Die grösste Gefahr droht in den Kantonen Jura, Graubünden und Tessin, wo aufgrund der Geologie besonders hohe Radonkonzentrationen vorkommen. Georges Piller warnt aber davor, sich in Sicherheit zu wiegen: «Kein Gebäude und kein Standort ist wie der andere. Grenzwertüberschreitungen messen wir überall, auch im Mittelland.»

Regelmässige Messungen beruhigen


Aber wie hoch ist die Belastung im eigenen Haus? Wer auf Nummer Sicher gehen will, muss bei sich zu Hause messen. Das BAG publiziert eine Liste von anerkannten privaten Messstellen: Bei ihnen sind die so genannten Radondosimeter erhältlich.

«Man sollte die Belastung in mehreren Räumen und über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten messen», empfiehlt Georges Piller. Ein Dosimeter inklusive Auswertung durch die Messstelle kostet etwa 50 bis 60 Franken. Weil die Belastung während der Heizperiode in Wohnhäusern ansteigt, sollte man die Dosimeter während dreier Monate im Winter aufstellen und danach zur Auswertung an die Messstelle schicken.

Für den Kindergarten Bündelti in Klosters konnten die Behörden inzwischen Entwarnung geben: Die kontinuierliche Überwachung zeigt, dass die Belastung von ursprünglich 3360 Becquerel nach der Sanierung auf Werte zwischen 200 und 500 gesunken ist.

Internet


Eine Adressliste von Messstellen, eine schweizerische Radonkarte, die Klassifizierung der Gemeinden und weitere Informationen auf der Radon-Homepage des BAG, www.ch-radon.ch


Buchtipp


Beatrix Mühlethaler, Stefan Haas: «Natürlich wohnen und bauen»; Beobachter-Buchverlag, 2004, 144 Seiten, 24 Franken (für Abonnenten 21 Franken); Telefon 043 444 53 07, Fax 043 444 53 09