Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Beobachters stellt den Schweizer Anwälten grundsätzlich gute Noten aus. Kritisiert werden vor allem die Honorare. «Anwälte sind zu teuer. Sie verrechnen zu viel für das, was sie wirklich leisten.» Mit dieser Aussage erklärten sich die 700 befragten Schweizerinnen und Schweizer überwiegend einverstanden, als sie im Juli vom Meinungsforschungsinstitut Konso im Auftrag des Beobachters befragt wurden. Und dabei gibt man noch einen obendrauf: «Anwälte nehmen auch Fälle an, die völlig aussichtslos sind, nur um daran zu verdienen.» Auch dieser Aussage stimmten die Befragten im Durchschnitt eher zu (siehe unten).

«Ähnliche Resultate erhalten wir bei Umfragen zu Politikern oder Managern», so Konso-Chef Hans-Ruedi Hertig. «Die Leute drücken das heutige Misstrauen gegenüber Mächtigen aus. Der Unmut konzentriert sich häufig aufs Geld.» Zugleich bestätigt dieses Resultat, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis im Anwaltsmarkt undurchschaubar ist. Anwälte werden gemäss Umfrage zu zwei Dritteln über Bekannte und Verwandte gesucht. Leistungen und Preise werden in der Regel nicht verglichen. Nur ein Sechstel fand einen Anwalt über Beratungsstellen und bloss ein Zehntel übers Telefonbuch.

Die fachliche Qualität der Anwälte wird eher positiv beurteilt. Zwar glaubt mehr als ein Fünftel der befragten Personen nicht, dass die Rechtsvertreter sich ans Anwaltsgeheimnis halten. Doch das spontane Gesamturteil über den Anwaltsstand fällt bei gut 25 Prozent überwiegend positiv aus, bloss 15 Prozent äussern sich negativ. Über die Hälfte konnte kein Spontanurteil abgeben. Dieses eher positive Image wird noch klarer, wenn man jene Leute befragt, die schon einmal mit einem Anwalt zu tun hatten: Vier Fünftel waren mit der Arbeit des Rechtsvertreters zufrieden.

Marktforscher Hertig relativiert aber auch dies. Bei fast allen Umfragen zu vergleichbaren Dienstleistern, sei es die Polizei, die Bahn oder Banken, erhalte man ähnlich hohe Zufriedenheitsraten. Die Erklärung: «Darunter sind viele Leute, die sich positiv äussern, weil sie keine Wahl hatten, ein anderes Angebot anzunehmen. Weil es nur eines gibt.»

Das halten die Schweizer von Anwälten

700 Personen bewerteten die folgenden positiven und negativen Aussagen von 1 («gar nicht einverstanden») bis 4 («sehr einverstanden») – hier die durchschnittliche Einschätzung:

Rechtsanwälte versuchen für ihre Klienten jeweils das Beste zu erreichen.3,2
Anwälte sind im Allgemeinen zuverlässig und qualitätsbewusst. Es gibt aber zu viele schwarze Schafe.2,9
Anwälte behandeln ungeachtet des Status oder der Herkunft jeden Klienten gleich.2,4
Anwälte sind zu teuer. Sie verrechnen zu viel für das, was sie wirklich leisten.3,1
Anwälte nehmen auch Fälle an, die völlig aussichtslos sind, nur um daran zu verdienen.2,9
Nicht die Gerechtigkeit setzt sich vor Gericht durch, sondern die Macht in Form eines teuren Anwalts.2,6
Anwälte sind verfilzt mit ihren Berufskollegen. Die Interessen des Klienten sind zweitrangig.2,5
Quelle: repräsentative Konso-Umfrage, Juli 2005