Noch heute ärgert sich Marcel Ochsner (Namen aller Betroffenen geändert) masslos darüber, wie dreist er hereingelegt wurde. «Das ist eine Schweinerei. Diese feinen Leute haben mein Haus besetzt fast zehn Monate lang!» Er habe sich durch das gewandte Auftreten der Familie Hauser täuschen lassen «das ist mir peinlich». Marcel Ochsner hatte sein «prächtiges Haus mit grosszügigem Umschwung» im Internet zum Verkauf ausgeschrieben für 1 080 000 Franken.

Die üble Geschichte spielte in einer Gegend, die von den Einheimischen «die Mulde» genannt wird eine sanfte Bündner Berglandschaft mit saftigen Wiesen und hübschen kleinen Dörfern.

Hausbesetzer in der Bergidylle? Wer an besprayte, heruntergekommene Häuser denkt, liegt tatsächlich falsch: Luxus-Hausbesetzertum, wie es die Familie Hauser betreibt, findet bevorzugt in der mondänen Welt herausgeputzter Alpendörfer statt, wo weisse Bergspitzen, viel Sonne und exklusive Skipisten viele Gäste anlocken. So auch die Hausers.

Vater Hauser arbeitet mehrheitlich im Ausland, wo er auch seinen offiziellen Wohnsitz hat. Er ist Sportwagenfahrer in einem internationalen Motorsportteam und fährt privat einen Lamborghini. Mutter Hauser arbeitet nicht, sie sorgt für Tochter und Sohn sowie für vier Katzen und zwei Hunde.

Die Familie tritt selbstsicher, offen und weltgewandt auf. Der schicke Sportwagen macht Eindruck bei den Besichtigungsterminen in luxuriösen Villen.

Familie Hauser wohnte von Juli 2002 bis März dieses Jahres gratis in Ochsners grosszügigem Haus. Der Schaden beläuft sich auf knapp 40 000 Franken für entgangene Monatsmieten sowie Strom- und Wasserrechnungen.

Wie ist solches Luxus-Hausbesetzertum möglich? Laut Ochsner legte die Familie überzeugend dar, dass sich ihr Geld auf einer renommierten Bank im Ausland befinde, allein das Transferieren der Summe dauere noch ein wenig. Ob sie nicht trotzdem schon einziehen dürfe? Die Geldformalitäten würden sich sicherlich bald erledigen lassen.

Anzeige

Aus «ethischen Gründen» ausgezogen

Ein Kaufvertrag wurde unterzeichnet, und Familie Hauser zog samt Sohn und Haustieren ein. «Ich war viel zu gutgläubig», gibt Ochsner im Nachhinein zu. Er habe den Beteuerungen der Familie geglaubt, dass das Geld unterwegs sei. Familie Hauser machte es sich derweil in seinem Haus gemütlich, strich die Haustür, kaufte neue Möbel und liess es sich gut gehen.

Als nach vier Monaten noch immer kein Geld bei Ochsner eingetroffen war, wurde er misstrauisch. Er schaltete einen Anwalt ein, und nach monatelangem Hin und Her wurde die Familie per Gerichtsentscheid aus seiner Villa hinausspediert. Das Haus steht immer noch zum Verkauf, allerdings betreut nun ein professionelles Immobilientreuhandbüro das Geschäft.

Laut Frau Hauser trug sich alles ganz anders zu: Ochsner habe ihnen einen «strafbaren» Zahlungsmodus vorschreiben wollen, sagt sie, ohne die Umstände näher zu definieren. Dies habe die Familie aus ethischen Gründen abgelehnt und deshalb das Haus verlassen. Den Gerichtsentscheid hätte es gar nicht gebraucht.

Der 71-jährige Ochsner ist nicht der Erste, der auf die Masche der Familie Hauser hereinfiel. Auch der vermögende Rentner Bruno Ganser wollte sein Chalet im Nobelquartier eines bekannten Skiorts verkaufen; Verhandlungsbasis für das grosse Fünfeinhalb-Zimmer-Haus war gut eine Million Franken.

«Wie konnte ich so blauäugig sein?»

Familie Hauser zog im Jahr 1994 ein und zahlte anderthalb Jahre lang die Miete von 5000 Franken pro Monat. Dann plötzlich sistierte sie die Zahlungen mit der Begründung, sie wolle das komfortable Chalet samt Umschwung kaufen. Doch einer Ausrede folgte die nächste: Zuerst hiess es, das Geld sei auf einer Bank in Guatemala, dann, die Summe liege in einem Institut in Montenegro. Immer wieder wurden neue Verträge aufgesetzt aber nie eingehalten.

Auch Ganser schaltete einen Rechtsanwalt ein. Dieser betrieb die Familie, doch ohne Erfolg, da Herrn Hausers Wohnsitz im Ausland liegt und Frau Hauser offiziell als mittellos gilt. Tatsächlich sind Hausers im Betreibungsregister mit zahlreichen Pfand- und Verlustscheinen aufgeführt. Ihre Bonität gilt als «sehr tief».

Nach mehrjährigem Ringen musste Familie Hauser letztes Jahr Gansers Chalet verlassen. Gut fünf Jahre lang hatten sie dort gratis gewohnt. Ganser hat einen Verlust von knapp 400 000 Franken hinzunehmen: «Wie konnte ich nur so blauäugig sein?», ärgert sich der 86-Jährige und hofft weiterhin auf sein Geld.

Frau Hauser bestreitet auch diesen Sachverhalt: Bruno Ganser sei ein ausgesprochen geiziger Mann, der dauernd die Miete erhöht und den Kaufpreis hoch geschraubt habe. Dies in einem Mass, das schliesslich nicht mehr tolerierbar gewesen sei. Drei Monate nach dem Auszug aus Gansers Chalet nistete sich die Familie bei Marcel Ochsner ein.

Für Ochsner ist die Sache noch nicht abgeschlossen. Er warnt in seitenlangen Leserbriefen an die Regionalpresse vor «den skrupellosen Mietern»: «Ist die bewusste Nutzniessung einer Liegenschaft oder einer Wohnung ohne Gegenwertleistung nicht verwerflicher einzustufen als Zechprellerei?» Familie Hauser müsse dringend das Handwerk gelegt werden, sonst würde sie sich mit der gleichen Masche sicherlich bald wieder eine Wohnung oder ein Haus unter den Nagel reissen.

Damit hat er Recht. Zurzeit bewohnt Familie Hauser ein Einfamilienhaus im sonnigsten Quartier von Chur bisher hat sie allerdings die Miete bezahlt. Doch die Familie ist erneut auf «Hausschau». Diesmal interessiert sie sich für ein Haus des Bündner Architekten Rudolf Olgiati am Dorfrand eines trendigen Snowboardparadieses. Das Haus allein kostet über 1,25 Millionen Franken, mit den 4000 Quadratmetern Land dazu kommt es auf über drei Millionen Franken zu stehen. Sportwagenfahrer Hauser erklärte dem Verkäufer Gieri Campell, das Land ums Haus brauche er für eine unterirdische Garage, in der er einen Wagenpark einrichten wolle. Woher die Familie das Geld dafür nehmen will, steht in den Sternen.

Warnung vor «Schwindlerpärchen»

Diesmal scheinen Hausers allerdings auf Granit zu beissen: Der Verkäufer wurde von Marcel Ochsner gewarnt. Campell hält Herrn und Frau Hauser für ein «Schwindlerpärchen», denen er sein Haus sicher nicht verkaufen werde.

Derweil stapelt die Familie weiterhin hoch. Kürzlich wollte Vater Hauser seinem Sohn zur Volljährigkeit ein Auto schenken. Bei einer Verkaufsgarage zeigte er Interesse an einem Chevrolet, Typ Corvette Katalogpreis: 101300 Franken.

Hauser unternahm eine Probefahrt, wollte allerdings lieber ein dunkelblaues Modell statt des getesteten roten. Der Garagist klärte daraufhin Hausers Bonität ab: Das prüfende Kreditinstitut riet ihm dringend von einem Verkauf ab.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.