Elegante Villen, Land am See, Landeplätze für Helikopter, rasche Baubewilligungen und massgeschneiderte Umzonungen: All das vermitteln oder bieten Gemeinden an, um einen ausländischen Multimillionär anzulocken. Davon können gemeine Bürger nur träumen.

Im Beobachter-Test flatterten verlockende Angebote prompt in den Briefkasten des Anwalts. Eines der letzten freien Grundstücke am Vierwaldstättersee? Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Nidwalden hat es für den erfundenen reichen Zuzüger in Buochs NW ausfindig gemacht und bietet es entsprechend stolz an. Darauf bauen könnte der Multimillionär wohl auch optisch sehr eigenwillige Gebäude: «Sie finden in Nidwalden jegliche Architektur», lautet lakonisch die Antwort auf die Frage nach möglichen ästhetischen Vorbehalten der Baubehörden.

Croglio TI, ehemalige Wohngemeinde des Pioniers unter den deutschen Steuerflüchtlingen, Helmut Horten, würde eine wunderschöne Villa vermitteln. Croglio ist überall: Die meisten Gemeinden zählen Abklärungen für Steuerflüchtlinge offenbar zum Service public. «Selbstverständlich können wir Ihnen bei der Suche nach geeigneten Mietobjekten beziehungsweise Bauland behilflich sein», schreibt etwa die Stadt Zürich.

Einige Gemeinden treten auch gleich selber als Liegenschaftshändler auf – nicht immer uneigennützig. Die Gemeinde Möhlin AG will die Gelegenheit nutzen, das sanierungsbedürftige Herrengut

Villa Kym und damit ein dorniges lokalpolitisches Problem loszuwerden. Das ist schlau – aber insgesamt dennoch ein schlechtes Geschäft: Die Sanierung kostet zwei Millionen Franken, Möhlin würde mit seiner Steuerofferte jährlich aber auf Gemeindesteuern von fast 2,5 Millionen Franken verzichten.

Ob die Gemeinde Zermatt VS mit dem Verkauf einer Bauparzelle ein gutes Geschäft machen würde, muss offen bleiben. Sicher ist: Stiege der Zuzüger auf den Handel ein, wäre Entgegenkommen garantiert: «Die Baubewilligung wird durch die örtliche Behörde erteilt – ergo kann mit einem effizienten Verfahren gerechnet werden.» Viele Gemeinden stellen Verfahren von wenigen Wochen in Aussicht – während gewöhnliche Bürger oft monatelang auf die Bewilligung für banale Umbauten warten.

Sogar bei planerischen Knacknüssen, der oft umstrittenen Pferdehaltung in Wohnzonen etwa, sehen Gemeinden wie Salenstein TG «kein Problem».

Beim heiklen Punkt der Landungen von Helikoptern verweisen die meisten Gemeindeväter an das zuständige Bundesamt. Bedauernd muss das hoch gelegene Leukerbad VS mitteilen, das Amt gestatte nur Landungen bis zu einer Höhe von 1100 Metern über Meer – Arosa GR aber offeriert einen Gebirgslandeplatz auf 1600 Metern.

Die Gemeindeväter von Oberägeri ZG würden sogar die Dorfplanung auf den Steuerflüchtling ausrichten: «Wir stehen gerade in der Revision unserer Ortsplanung, was spezielle Möglichkeiten für die Bauzonen-Zuteilung bestimmter Grundstücke offen lässt. Der Zeitpunkt, um die Weichen für einen Umzug nach Oberägeri zu planen, könnte deshalb nicht besser gewählt sein.»

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