Es war schon spät, als Sven Spalinger (Name geändert) von einer Geschäftsreise in sein Haus im Zürcher Weinland zurückkehrte. «Als ich meine Tasche ins Büro stellte, fiel mir auf, dass alle Schubladen des Pults offen standen. Noch ahnte ich nichts Schlimmes.» Doch dann realisierte er, dass der Fax verschwunden war. Als im Wohnzimmer auch das Videogerät fehlte, wurde ihm klar, dass jemand eingebrochen hatte. «Mein Puls schnellte in die Höhe. Ich fragte mich, ob die Typen noch im Haus sind, bewaffnete mich mit dem Staubsaugerrohr und machte einen Kontrollgang durchs Haus.»

Alle neun Minuten wird in der Schweiz ein Einbruch verübt – rund 60'000 Mal pro Jahr. Im Durchschnitt dauern Einbrüche in Privathäusern nicht länger als zehn Minuten. Die Einbrecher gehen zu 60 Prozent tagsüber ans Werk – wenn die Bewohner bei der Arbeit oder beim Einkaufen sind. Meist sind sie nur mit einem Schraubenzieher bewaffnet. Bevorzugt steigen sie an schwer einsehbaren Orten ein: Beliebt sind etwa Lichtschächte, Kellertüren oder Sitzplatztüren an der Rückseite des Hauses.

Alarmanlagen nur zur Ergänzung

Profis brauchten für das Knacken einer Sitzplatztür nur 30 Sekunden, sagt Rolf Marghitola, Leiter der Beratungsstelle der Stadtpolizei Zürich. Er und seine Mitarbeiter beraten kostenlos angehende Eigenheimbesitzer und Bewohner von Altbauten, die ihre Sicherheit verbessern wollen. Diesen Service bieten alle Kantone an – nicht überall aber ist die Beratung gratis.

Anzeige

Um einen Einbruch zu verhindern, seien mechanische Sicherheitsmassnahmen am wichtigsten, erklärt Marghitola. Wer Fenster und Türen mit verstärkten Beschlägen und Mehrpunktverriegelung versieht und die Lichtschachtgitter verschliesst, macht es Einbrechern schwerer. Am zweitwichtigsten sind elektronische Massnahmen wie Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhren, die die Innen- und Aussenbeleuchtung steuern. Zur Ergänzung könne eine Alarmanlage sinnvoll sein, so Marghitola – allerdings nur, wenn die Anlage mit einer Zentrale verbunden ist.

Auch Sven und Mina Spalinger hatten Sicherheitsfenster und -türen in ihr neues Haus eingebaut. Doch die Einbrecher suchten sich einen einfacheren Weg: Sie stiegen via Lichtschacht durch ein gekipptes Kellerfenster ein. «Ein gekipptes Fenster ist für den Einbrecher ein offenes Fenster», sagt Marghitola. Abschliessbare Fenstergriffe sollten immer verriegelt und die Schlüssel abgezogen werden. «Sicherheit ist nicht bequem», bringt es der Experte auf den Punkt.

Anzeige

Doch welche Vorkehrungen man auch trifft, «einen hundertprozentigen Schutz vor Einbrüchen hat man nie», warnt Marghitola. Doch Abschreckung minimiert die Gefahr: Je mehr Zeit ein Einbrecher braucht, um ein Fenster aufzubrechen, und je mehr Lärm er dabei verursacht, desto eher wird er den Einbruchsversuch abbrechen.

Einen Einbruch ins eigene Heim erleben viele als schwere Verletzung ihrer Intimsphäre. Diese Verletzung ist meist schlimmer als der materielle Schaden. Sven und Mina Spalinger waren noch Wochen nach dem Einbruch verunsichert. Sie prüften jeweils zweimal, ob abgeschlossen war. «Oft standen wir nachts wegen Geräuschen auf, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist.» Bis sie sich in ihren eigenen vier Wänden wieder einigermassen wohl fühlten, vergingen Monate.

«Wohnqualität hat viel mit Sicherheit zu tun», sagt Sicherheitsexperte Marghitola. Und diese Sicherheit kostet etwas. Der Leiter der Zürcher Beratungsstelle schätzt die Mehrkosten für Sicherheitsmassnahmen bei Neubauten auf ein bis zwei Prozent der ganzen Bausumme. Bei der Sicherung bestehender Bauten variieren die Kosten je nach Qualität und Alter der Fenster oder Türen, die nachgerüstet werden müssen.

Anzeige

Das Ehepaar Spalinger hat heute keine Angst mehr. «Wir waren erleichtert, als wir ein Jahr später hörten, dass man unsere Sachen gefunden und die Einbrecherbande geschnappt hatte», sagt Sven Spalinger. «Seither fühlen wir uns zu Hause wieder wohl.»

Broschüre

Den kostenlosen Leitfaden «Einbruch – nicht bei mir!» können Sie bei der Schweizerischen Kriminalprävention herunterladen: www.verbrechenspraevention.ch

BereichSicherheitsmassnahmeNutzen

Fenster und Fenstertüren
  • Sicherheitsfenster mit Mehrpunktverriegelung   
  • Verbundsicherheitsglas
  • abschliessbare Fenstergriffe (Mehrpreis zu Standardfenstern: rund 40 Prozent)







gross

Türen
(Eingangs-, Keller-
und Garagentüren)

  • Material: Stabiles Türblatt und speziell befestigte Türrahmen










gross

  • Schlösser: Mehrpunktverriegelung, stabiles Schloss mit geschütztem Zylinder (Mehrpreis zu Standardtüren: rund 50 Prozent)

Anzeige
 LichtschächteGitterroste über mehrere Gitterstäbe sichern


gross

Eigenes Verhalten/ Nachbarschaftshilfe
  • Nachbarn über Abwesenheit informieren



gross
  • Briefkasten leeren lassen
  • Schlüssel nicht hinterlegen

Eingangstüren
  • Kastenbügelschloss


mittel

  • Weitwinkeltürspion

Aussen-
beleuchtung
Schockbeleuchtung mittels Bewegungsmelder


mittel

Innen-
beleuchtung
Bei Abwesenheit das Licht per Zeitschaltuhr unregelmässig einschalten



mittel

RolllädenGegen Hochschieben sichern oder einbruchsichere Rollläden einbauen



klein

FensterlädenFesthaltevorrichtung
montieren


klein

BewegungsmelderÜberwachung von Räumen mit Bewegungsmeldern (Preis: 5000 bis 10'000 Franken)



klein

Alarmanlage-AttrappenGut sichtbare Kamera oder Drehlicht


klein