Nicht alle können oder wollen sich ein Einfamilienhaus leisten. Das Bauland ist knapp, die Bodenpreise sind entsprechend hoch. Immer beliebter werden hingegen Eigentumswohnungen: Wurde vor 20 Jahren nur rund ein Drittel der neuen Wohnungen verkauft, ist es heute gemäss Hochrechnungen des Zürcher Immobilienberatungsunternehmens Wüest & Partner bereits über die Hälfte.

Auch Personen mit schmalem Geldbeutel haben derzeit gute Chancen, Eigentümer einer schicken Wohnung an toller Lage zu werden. Denn die Hypothekarzinsen sind auf einem historischen Tief.

Doch trotz den attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten ist vor einem leichtfertigen Kauf zu warnen. «Wer sich für eine Eigentumswohnung interessiert, muss sich bewusst sein, dass das Verfügungsrecht und die Freiheit, sich zu verwirklichen, nicht so gross sind wie bei einem Einfamilienhaus», sagt Luzius Theiler, Vorstandsmitglied beim Hausverein Schweiz.

Konkret sind Stockwerkeigentümern durch Reglement, Nutzungsrechte und Hausordnung klare Grenzen gesetzt. Ausserdem werden die Käufer einer Eigentumswohnung automatisch Mitglied einer Gemeinschaft. Und diese fasst die Beschlüsse nach dem Mehrheitsprinzip: Der Einzelne muss damit leben können, dass die anderen Eigentümer den dekorativen Wandschmuck aus dem gemeinsamen Treppenhaus verbannen.

Nichts für überzeugte Individualisten


«Wer sich in eine bestehende Stockwerkeigentümergemeinschaft einkauft, muss sorgfältig prüfen, ob er zu den übrigen Bewohnern passt», rät Theiler. «Nur wenn Lebensstile, Bedürfnisse und Interessenlagen einigermassen ausgeglichen sind, ist ein konfliktfreies Zusammenleben möglich.» Aufschlussreich kann ein Blick in die letzten Protokolle der Eigentümerversammlungen sein: Relativ schnell erkennt der kritische Leser, welcher Geist in einer Gemeinschaft weht.

Die Streitereien beginnen in der Regel wegen Bagatellen. Begünstigt werden sie durch unklare Reglemente oder eine lückenhafte Hausordnung.

Beim Kauf neu erstellter Eigentumswohnungen kann man solchen Problemen von Anfang an einen Riegel schieben: Wer sich für eine neue Eigentumswohnung interessiert, sollte die vorgelegten Unterlagen genau studieren.

Besonderes Augenmerk ist dabei auf den Aufteilungsplan und vor allem auf das Reglement zu richten. Zusätzlich sollte man abklären, wer künftig die Verwaltung des Hauses übernimmt. Bei Unklarheiten muss man unbedingt nachhaken und Korrekturen in Reglement und Hausordnung verlangen.

Auf jeden Fall gilt: Wohnungseigentümern wird eine gehörige Portion Toleranz und Gemeinschaftsfähigkeit abverlangt. Für eingefleischte Individualisten bedeutet dies: Hände weg vom Stockwerkeigentum!


Buchtipp

  • Mathias Birrer: «Erwerb von Stockwerkeigentum»; Beobachter-Buchverlag, Fr. 16.80 (Nichtabonnenten Fr. 19.80). Erhältlich unter Telefon 043 444 53 07, Fax 043 444 53 09; www.beobachter.ch/buchshop
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