Beobachter: Herr Kollegger, war Donat Freiherr von Vaz ein guter Mensch?
Thomas Kollegger: Schwer zu sagen. Auf jeden Fall war er ein Freiheitskämpfer. Er hat sich mit Obrigkeiten angelegt, hatte keine Angst, gegen den Bischof aufzustehen. Weil er keine männlichen Nachkommen hatte, wurde seine Herrschaft nach seinem Tod im 14. Jahrhundert aufgeteilt.

Beobachter: Nun suchen Sie per Inserat den «Fürsten von Belfort» - den neuen Donat von Vaz.
Kollegger: Ja, wir leben nur eine kurze Zeit, und in dieser Zeit ist vieles gegeben. Aber nicht alles ist gottgegeben. Man muss sich Gedanken machen dürfen darüber, wie es wäre, wenn zum Beispiel der Donat Nachkommen gehabt hätte und wir heute noch in der Herrschaft von Vaz lebten.

Beobachter: Ein Fürst im urdemokratischen Umfeld - das ist doch ein Witz. Oder ein PR-Gag.
Kollegger: Natürlich gibt es den PR-Aspekt. Wir machen die Aktion mit dem Hotel Belfort, das seit 30 Jahren erfolgreich wirtschaftet - im Albulatal keine Selbstverständlichkeit. Wir haben in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze verloren und setzen auf den Tourismus, da ist ein Hotel ein wichtiges Standbein. Für den Fürsten wird das beste Zimmer hergerichtet, das Fürstenzimmer.

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Beobachter: Wer hat sich denn gemeldet für den Job?
Kollegger: Wir haben sieben Bewerber. Leute aus der Wirtschaft, jemand aus der Kunstszene, Querdenker. Der jüngste ist 40, der älteste 73. Wir haben alle eingeladen, es hat spannende Denkansätze in den Bewerbungen.

Beobachter: Ist auch ein Blaublüter dabei?
Kollegger: Nein. Es gab Adlige, die mit uns Kontakt aufgenommen haben. Aber nach dem Erstkontakt haben wir nichts mehr gehört. Schade. Das wäre interessant gewesen.

Beobachter: Wie werten Sie die Bewerbungen aus? Geht es um Exekutiv- und Repräsentativerfahrungen oder vor allem um Netzwerke?
Kollegger: Am besten wäre von allem ein bisschen. Zum einen könnte der Fürst eine Identifikationsfigur für das Dorf werden, ein guter Repräsentant. Dadurch, dass es ein neues Fürstentum ist, könnte er ihm ein starkes Profil geben. Er soll aber auch Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen können.

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Beobachter: Warum residiert er nicht in der Ruine Belfort, in Donats ehemaliger Hauptburg?
Kollegger: Wir wollen dem Fürsten eine zeitgemässe Übernachtungsmöglichkeit bieten. Das ist in der Ruine leider nicht mehr möglich.

Beobachter: Gibt es Pläne, die Burg wieder aufzubauen?
Kollegger: Nein. Die Ruine wurde in den letzten Jahren für 2,8 Millionen Franken konserviert. Wir sprechen von riesigen Investitionen, wenn es darum ginge, die Burg wieder in Betrieb zu nehmen. Das muss nicht sein.

Beobachter: Sie versprechen dem künftigen Fürsten im Inserat «umfassende Exekutivkompetenzen». Was muss man sich darunter vorstellen?
Kollegger: Wenn er initiativ ist und gute Ideen hat, kann er seine Impulse direkt im Gemeindevorstand anbringen. Aber das Inserat hat die Fundaziun Prinzipadi Belfort geschaltet. Perimeter des Fürsten ist die Stiftung, dort hat er die Geschäftsführung.

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Beobachter: Welche Impulse erhoffen Sie sich für die Gemeinde- und Regionalpolitik?
Kollegger: In Alvaneu Bad fehlt etwa ein Kur- und Badehotel. Daran arbeiten wir seit Jahren. Wir finden Betreiber, aber keine Investoren. Ein Fürst kann unsere Region aufwerten. Natur und Landschaft sind ja da.

Beobachter: Wer wäre Ihr Wunschkandidat?
Kollegger: Ich habe schon Namen im Kopf. Klar, wenn ein Kofi Annan gesagt hätte, das ist mein nächster Posten, dann wäre das PR-mässig ein grosses Plus gewesen. Ob es aber für die Entwicklungsimpulse die richtige Lösung gewesen wäre, ist fraglich.

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