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NeumieterSo haben Makler nichts zu mäkeln

Bei der Wohnungsbesichtigung ist der erste Eindruck entscheidend. Einige Tricks helfen dabei, zur Wunschwohnung zu kommen.

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Wer seine Traumwohnung endlich gefunden hat, ist noch lange nicht am Ziel. Denn je begehrter die Wohnung, desto grösser die Konkurrenz durch andere Bewerber. Doch wie lassen sich die Chancen steigern, wie eine drohende Absage vermeiden? Keine einfache Aufgabe, zumal eine Liegenschaftsverwaltung kaum je einmal stichhaltig erklärt, warum sie ausgerechnet diesem oder jenem Bewerber den Vorzug gibt.

Grosse Liegenschaftsverwaltungen bevorzugen Bewerber, die absolut der Norm entsprechen. Schräge Vögel haben es schwer: «Geordnete Familienverhältnisse, sichere Stelle, gutes Einkommen und keine Haustiere sind klare Pluspunkte», erklärt Ruedi Spöndlin vom Mieterinnen- und Mieterverband Deutschschweiz.

Notlügen sind erlaubt
Kaum eine Chance haben Bewerber mit einem nicht jungfräulichen Betreibungsregister. «Sind für eine Wohnung mehrere Bewerber vorhanden, erhalten diejenigen mit Einträgen im Betreibungsregister als Erste eine Absage», bestätigt Hans Barandun, Leiter Liegenschaftsverwaltung beim Hauseigentümerverband Zürich. Wurde man zu Unrecht betrieben, sollte man dem Vermieter schlüssig erklären können, warum man diese Forderung nicht beglichen hat. Wer allerdings bereits wegen ausstehender Mietzinse betrieben wurde, darf sich kaum noch Hoffnungen machen, berücksichtigt zu werden.

Grossen Wert legen alle angefragten Verwaltungen auf ein vollständig ausgefülltes Anmeldeformular. Teilweise verletzen die dort gestellten Fragen allerdings die Richtlinien der Eidgenössischen Datenschutzkommission. Gerade die heiklen Fragen sind aber gleichzeitig entscheidend bei der Wahl der neuen Mieterin oder des neuen Mieters. «Wie soll ein Vermieter entscheiden, ob der Mieter solvent ist, wenn sich dieser weigert, den Arbeitgeber zu nennen?», gibt Hans Barandun zu bedenken. Fragen, die gegen die Richtlinien der Eidgenössischen Datenschutzkommission verstossen, müssen die Bewerberinnen und Bewerber aber nicht korrekt beantworten. Eine spätere Kündigung wegen falscher Antworten auf solche Fragen wäre missbräuchlich.

Geschenke sind verpönt
Hat man die Bewerbungsunterlagen abgeschickt, sollte man die Verwaltung erst einmal in Ruhe arbeiten lassen. «Die zuständigen Bewirtschaftungsteams haben die Bewerbungen im Griff», weiss Dieter Beeler, Leiter Beratung und Marketing bei der Wincasa. «Hartnäckiges Nachfragen wird daher eher als negativ aufgefasst.» Die meisten Verwaltungen geben ohnehin Bescheid darüber, bis wann sie sich für eine Bewerbung entscheiden werden. Nichts einzuwenden gibt es gegen ein einmaliges freundliches Nachfragen, ob die Bewerbungsunterlagen angekommen und ob noch Fragen offen sind.

Bei begehrten Objekten wird häufig versucht, die eigenen Chancen durch Bestechungsgeschenke zu verbessern. «Die Bandbreite ist dabei sehr gross», sagt Dieter Beeler. «Mit Blumen, Schokolade bis hin zu Geldgeschenken wird versucht, den Entscheid zu beeinflussen.» Ein Vorgehen, das von allen angefragten Liegenschaftsverwaltungen klar abgelehnt wird. Mit dem Blumenstrauss sollten Sie also zuwarten, bis Sie die Zusage für die Traumwohnung tatsächlich erhalten haben.

Kommt schliesslich trotz allem eine Absage, braucht man sich gerade bei einer Wohnung in einem Ballungszentrum nicht den Kopf darüber zu zerbrechen. «In Gegenden mit grosser Wohnungsknappheit sind die Chancen von vornherein gering», sagt Spöndlin vom Mieterinnen- und Mieterverband. «In solchen Fällen ist es purer Zufall, wenn man berücksichtigt wird.»


Veröffentlicht am 21. Oktober 2004