Wer zum Umziehen ein fremdes Auto benötigt, sieht sich mit einer Besonderheit des schweizerischen Versicherungssystems konfrontiert: Es ist einfacher, sich vom Nachbarn den Pick-up zu leihen, als einen Wagen zu mieten. Denn bei der Ausleihe deckt die Privathaftpflicht alle Schäden am Auto – sofern man den Zusatz für «Schäden an benützten fremden Motorwagen bis 3500 kg» abgeschlossen hat. Dieser Zusatz kostet etwa bei der Zürich-Versicherung 105 Franken im Jahr.

Doch die meisten Umzugswilligen müssen einen Umzugswagen mieten. So auch Christoph Moser aus Meilen, der im Frühjahr bei Europcar einen Hochraum-Kastenwagen VW LT 35 für einen Tag übernahm. Moser dachte nichts Böses, als man ihn darauf hinwies, dass Schäden am Dach des hohen Wagens erst ab 3000 Franken versichert seien.

Beim Wegfahren touchierte er aber das Schild einer Bushaltestelle. «Es gab einen Kratzer und zwei, drei Dellen an der Dachseite», erinnert er sich. Aus allen Wolken fiel er, als Europcar die Rechnung präsentierte: 1913 Franken musste Moser für die Reparatur berappen. «Dafür hätte ich eine Zügelmannschaft anheuern können», ärgert sich Christoph Moser noch heute.

Dachschäden sind (wie andere Schäden auch) bei professionellen Vermietern in der Regel mit hohen Selbstbehalten behaftet. Einzig Garagen, die die Vermietung als Nebengeschäft betreiben, bilden hier manchmal eine Ausnahme. Ansonsten sind die Preise und Leistungen der Autovermieter nur schwer zu vergleichen. So kennt Avis neben der Miete und der Kaskoversicherung eine Gebühr für Winterausrüstung, für Lenker unter 25 Jahren und für Zusatzfahrer. Der Selbstbehalt der Kaskoversicherung lässt sich von 1000 auf 300 Franken reduzieren – mit einer weiteren Gebühr von 14 Franken pro Halbtag. «Preisbrecher» Sixt andererseits verrechnet eine «Strassenbenützungsgebühr».

Oft gelten am Samstag deutlich höhere Tarife als unter der Woche – und manche Anbieter verlangen wegen der grösseren Nachfrage mehr: An gefragten Daten kostet bei Avis der Laster plötzlich 317 statt 245 Franken für vier Stunden. Andere Firmen preisen ihre Autos im Internet günstig an – und weisen im Kleingedruckten darauf hin, die Mehrwertsteuer werde hinzugeschlagen, was laut Preisbekanntgabeverordnung nicht zulässig ist.

In der Branche ist der Tarifdschungel ein unbeliebtes Thema. Laut Christian Pitschen, Geschäftsführer von Unirent und Vorstandsmitglied im Autovermieterverband, diskutiert man gemeinsame Standards, doch könne jede Firma ihre Konditionen frei gestalten. Er weiss, «dass die Kunden heute sehr preisbewusst sind», empfiehlt aber, «neben dem Preis auch die Leistungen genau anzuschauen».

Auch aus eigenem Interesse. Denn seine Unirent zählt zu den wenigen Vermietern, die eine Reduktion des Selbstbehalts auf null anbieten. «Kleine Schäden kommen häufig vor, und ein neuer Aussenspiegel kostet schnell 400 Franken», gibt Pitschen zu bedenken. «Wir ersparen uns und den Kunden damit viel Ärger.» Nur: Bei Unirent sind Dachschäden bis 2000 Franken ebenfalls nicht versichert.

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