Der Vater des 16-Jährigen irrt sich: Nach dem Zivilgesetzbuch ist urteilsfähig, wer in der Lage ist, seinen Verstand zu gebrauchen und entsprechend vernünftig zu handeln. Die Urteilsfähigkeit setzt aber nicht voraus, dass jemand auch mündig ist. Ob ein Unmündiger als urteilsfähig gelten kann, hängt einzig von seinem Alter, seiner Reife und von der konkreten Situation ab.

Der 16-jährige Kollege Ihres Sohnes wusste sehr genau, dass er durch eine Manipulation des Feuermelders Alarm auslösen und die Feuerwehr auf den Plan beordern würde. Er verfügte beim Aushecken seines Scherzes zweifelsfrei über genügend Einsicht in die Konsequenzen seiner Handlung und ist dementsprechend vollständig urteilsfähig.

Nicht ständig überwachen


Die Urteilsfähigkeit des Sohnes bedeutet aber noch lange nicht, dass der Vater die in Rechnung gestellte Umtriebsentschädigung bezahlen muss. Eltern haften für die Missetaten ihrer Kinder nämlich nur dann, wenn sie ihre Sorgfaltspflicht verletzen, indem sie ihre Sprösslinge mangelhaft beaufsichtigen. Vom Vater eines 16-jährigen Hilfsleiters kann jedoch nicht erwartet werden, dass er seinen Sohn ins Jungwachtlager begleitet und ihn dort auf Schritt und Tritt überwacht, um ihn vor solchem Blödsinn zu bewahren.

Für den Schaden muss der jugendliche Verursacher selber aufkommen. Dass er noch nicht mündig ist, hilft ihm nichts: Das Gesetz sagt nicht, dass erst Erwachsene schadenersatzpflichtig werden können. Wenn der Bursche die Rechnung nicht aus dem eigenen Vermögen bezahlen kann, sollte er seine Eltern um einen Vorschuss bitten. Denn: Auch um betrieben zu werden, muss ein Schuldner nicht mündig sein.

Ihr Sohn als Lagerleiter könnte höchstens dann zur Verantwortung gezogen werden, wenn er seine Aufsichtspflichten verletzt hätte und daraus ein Schaden entstanden wäre. Das ist aber nicht der Fall: Ähnlich wie der Vater muss auch der Lagerleiter seinen 16-jährigen Hilfsleiter nicht auf Schritt und Tritt kontrollieren und überwachen.

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