Gern hätten sie die Schweiz gesehen: die Hauptstadt Bern, die malerische Genferseeregion. Daraus wird nun nichts. Der Reisetraum der chinesischen Familie Zhuo zerschlug sich in Frankfurt mit dem Bescheid des Schweizer Konsulats: Man stelle keine Reisevisa für die Schweiz aus, die müssten im Heimatland beantragt werden.

Dabei heisst es auf der Internetseite der schweizerischen Vertretungen in Deutschland ausdrücklich - und vermeintlich kundenfreundlich -: «Ausnahmsweise kann ein Visumgesuch bei einer konsularischen Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland gestellt werden.» Zhuos gehören nicht zu diesen Ausnahmen. Als solche gelten, so das Konsulat, Geschäftsleute oder Personen, die etwa von einem Todesfall betroffen seien. «Visa müssen grundsätzlich im Heimatland beantragt werden», erklärt Konsulin Judith Singenberger.

Die eigenen Bemühungen torpediert

Priorität den Geschäftsleuten, Touristen bleiben aussen vor: Die Praxis mutet angesichts der Aussagen von Touristikfachleuten merkwürdig an. «China ist ein Markt mit einem enormen Potenzial. Ein chinesischer Tourist gibt im Schnitt täglich rund 450 Franken aus, ein Schweizer 120», sagt Daniela Bär, Medienverantwortliche bei Schweiz Tourismus. Gäste aus China reisen meist in zehn Tagen durch Europa; entsprechend hart ist der Kampf um Logiernächte. «Schweiz Tourismus möchte möglichst viele chinesische Touristen ins Land holen. Je schneller und unkonventioneller Visa erteilt werden, desto besser», so Bär.

Schweiz Tourismus ist die nationale Marketing- und Verkaufsorganisation und wird zu zwei Dritteln von der öffentlichen Hand finanziert. 46 Millionen Franken liess sich der Bund letztes Jahr sein Engagement kosten. Zumindest im Fall der Familie Zhuo hat er seine eigenen Bemühungen torpediert. «Wir sind enttäuscht», sagt Tochter Ma Zhuo.

Quelle: Bert Bostelmann
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