Endlich steigt die Raumtemperatur auf über 35 Grad, und die Luft ist wegen der 80 Prozent Feuchtigkeit zum Abbeissen. Es ist enger als in einer voll gestopften Seilbahnkabine und lauter als an der Street-Parade. Und schliesslich kommen in regelmässigen Zeitabständen halb volle Bierbecher geflogen. Wenn Sie nur unter solchen Verhältnissen zufrieden ein Fussballspiel verfolgen können, suchen Sie sich für Ihre WM-Bar am besten eine leer stehende Fabrikhalle in der Industriezone. Wollen Sie aber in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus zusammen mit Freunden die WM verfolgen, sollten Sie vorgängig über die folgenden zehn Gebote nachdenken:

1. Bewilligungen



Entscheiden Sie sich, ob Sie die Gäste persönlich einladen wollen oder ob Ihre WM-Bar für alle Fans zugänglich sein soll. Ist Letzteres der Fall, brauchen Sie wahrscheinlich eine Bewilligung - zum Beispiel eine Veranstaltungs- oder eine Festwirtschaftsbewilligung. Heikel wird es bereits, wenn Sie in der Firma mit Plakaten für Ihre Bar werben und jedermann kommen darf. Gleiches gilt, wenn Sie Eintritt verlangen oder Essen und Getränke verkaufen. Am besten erkundigen Sie sich nach den Bedingungen direkt bei der zuständigen Gewerbepolizei, der Stadt- oder der Gemeindeverwaltung.

2. TV-Übertragungsrechte



Klar ist, dass Sie den privaten TV-Empfang bei der Billag AG angemeldet haben müssen. Übertragen Sie die Spiele live in einem öffentlichen Lokal - etwa in einem Restaurant -, sind zusätzlich Urheberrechtsgebühren fällig; sie können diese ebenfalls an die Billag entrichten. Ist die Leinwand in der Diagonale grösser als drei Meter, müssen Sie öffentliche Vorführungen der Suisa melden. Immerhin ist keine Bewilligung (Fifa, Schweizer Fernsehen) nötig, wenn Sie weder Eintrittsgeld verlangen noch einen Sponsor einsetzen. Ansonsten müssen Sie bei der Firma Infront Sports & Media AG die TV-Rechte erwerben (Adressen unter «Weitere Infos»).

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3. Brandschutz



Ist Ihre WM-Bar privat, werden Sie kaum eine Bewilligung der Feuerpolizei einholen müssen - je nach Anzahl Gäste können aber auch für private Anlässe Brandschutzauflagen gelten. Kontaktieren Sie im Zweifelsfall die zuständige Feuerpolizei, schliesslich geht es um die Sicherheit Ihrer Gäste. Auf jeden Fall sollte für Notfälle ein Feuerlöscher bereitstehen.

4. Lärm



Die meisten Fussballfans können einen Match nicht ohne Anfeuerungsrufe beziehungsweise Auspfeifen verfolgen. Denken Sie deshalb an den Lärmschutz: Informieren Sie frühzeitig Ihre Nachbarn und beachten Sie die Ruhezeiten. Das Aufstellen von Lautsprechern im Freien bedarf - je nach Gemeinde - einer Bewilligung.

5. Toiletten



Zuschauen macht durstig. Deshalb sollten Sie sich auch Gedanken darüber machen, wo Ihre Gäste das getrunkene Bier wieder «entsorgen» können. Nachbars Garten ist auf jeden Fall eine schlechte Alternative.

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6. Wetten



Auf den Ausgang der WM oder eines einzelnen Spiels tippen erhöht die Spannung. Solange Sie solche Spiele im Familien- und Bekanntenkreis durchführen, sind sie legal. Bieten Sie die Wetten öffentlich und gewerbsmässig an, verstossen Sie gegen das Lotteriegesetz (siehe auch die Titelgeschichte im aktuellen Beobachter).

7. Zielgruppe



Entscheiden Sie sich von vornherein, ob Sie nur Fussballprofis oder auch Amateure einladen wollen. Falls Sie sich für ein gemischtes Publikum entscheiden, dürfen Sie sich später nicht über unfachmännisches Geschwafel nerven.

8. Fairness



Der Entscheid eines Schiedsrichters ist immer gegen eine der beiden Mannschaften - und Fussballanhänger denken nicht rational. Lassen Sie die Fans Fans sein und ihre Emotionen ausleben, aber greifen Sie ein, wenn das Mitfiebern mit der «eigenen» Mannschaft nichts mehr mit gesundem Sportgeist zu tun hat.

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9. Pausenunterhaltung



Fussball braucht kein Rahmenprogramm. Das Spiel und seine Analyse sind selber Unterhaltung genug. Wenn Sie Leute zur WM-Party einladen, sollten Sie Aktivitäten, die nichts mit dem runden Leder zu tun haben, auf die Zeit nach der Weltmeisterschaft verschieben - beispielsweise um dann die «Nachwehen» zu lindern.

10. Gastfreundschaft



Abgesehen von einer guten Sicht auf den Bildschirm, haben Ihre Gäste sicher keine allzu grossen Erwartungen. Gleichwohl sollten Sie dafür sorgen, dass der Nachschub für die wichtigsten Grundbedürfnisse gewährleistet ist. Überlegen Sie sich auch, wie Sie auf Pannen (Stromausfall, Defekte) reagieren würden. Und sorgen Sie schon vor dem Anpfiff für die korrekte Sendereinstellung: Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man ein Jahrhunderttor in der ersten Minute verpasst oder auf dem Bildschirm kurz vor dem entscheidenden Penalty nur noch Streifen zu sehen sind. Im Übrigen sind Sie wie der Schiedsrichter auf dem Rasen in Ihrer Bar der Chef. Einem Zuschauer, der sich danebenbenimmt, zeigen Sie lieber früh genug die gelbe Karte, als dass Sie am Ende allein vor dem Fernseher sitzen.


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Weitere Infos






Radiotipp



Mehr zum Thema WM-Bars: Beobachter-Ratgeber auf DRS 3, Mittwoch, 24. Mai 2006, 10.10 Uhr

Quelle: Magnum Photos
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