Aus dem Angebot der erlaubten Werkstoffe ist Asbest seit 1995 verbannt – aus Schweizer Wohnungen hingegen noch lange nicht. Dies belegen aktuelle Untersuchungen in aller Deutlichkeit.

«Im letzten Jahr war die Hälfte der uns von Privatpersonen eingeschickten Proben aus Bodenbelägen und Isolationsmaterialien positiv», stellt beispielsweise der Berner Kantonschemiker Urs Müller fest. Für ihn sind diese Ergebnisse beunruhigend: «Asbest stufe ich ganz klar als gefährlichen Werkstoff ein.» (Siehe auch «Darauf können Sie Gift nehmen».)

Was tun, wenn sich der Verdacht erhärtet, dass sich im Boden der neu bezogenen Altbauwohnung Giftstoffe verbergen? «Auf keinen Fall versuchen, das Problem selber zu lösen», warnt Kantonschemiker Müller. Solange ein asbesthaltiger Bodenbelag fest verlegt ist, geht keine unmittelbare Gefahr von ihm aus. Doch eine unsachgemässe Entfernung desselben stellt ein grosses Gesundheitsrisiko dar. Denn sobald die Fasern brechen, gelangen sie an die Luft und können eingeatmet werden.

Entsorgung nur durch Spezialisten


Verdächtig sind vor allem Beläge, die vor 1979 hergestellt wurden und die eine kartonartige, fasrige, weisse bis graue Rückenbeschichtung aufweisen. Für eine genaue Abklärung und eine fachgerechte Entsorgung ist betroffenen Bewohnern zu empfehlen, sich an die zuständige kantonale Stelle zu wenden (siehe «Weitere Infos»). Eine Entsorgung sollte im Rahmen einer ohnehin anstehenden Sanierung durchgeführt werden; die Kosten liegen bei etwa 200 bis 400 Franken pro Quadratmeter. Handelt es sich um eine Mietwohnung, gilt eine Belastung mit Wohngiften als Mangel an der Mietsache, dessen Behebung Sache des Hauseigentümers ist.

Welche unsichtbaren Risiken in den eigenen vier Wänden lauern, veranschaulicht auch das Beispiel Radon: Das im Erdreich entstehende und über undichte Stellen in Wohnräume eindringende Gas ist für jährlich 300 Erkrankungen an Lungenkrebs verantwortlich. Welche Regionen und Gemeinden durch Radon belastet sind, geht aus den kantonalen Radon-
katastern hervor.

Wirkung vieler Stoffe noch unbekannt


Abgesehen von Asbest oder Radon treffen die untersuchenden Laboratorien in Wohnräumen noch unzählige andere gesundheitsgefährdende Stoffe an. Markus Niederer vom Kantonalen Labor Basel-Stadt erzählt aus der Praxis: «Kürzlich wurden wir von einer Bewohnerin gerufen, die über Unwohlsein, Kopfschmerzen und sogar Gefühlsstörungen an den Händen klagte.» Ursache war eine massiv zu hohe Konzentration von Lösemitteln in der Raumluft: Der Parkettboden war mit einem Terpentin-Ersatz gereinigt worden. Laut Niederer sollte bei Lösemitteln eine Konzentration von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschritten werden. Doch im vorliegenden Fall konnte er selbst zwei Wochen nach der Reinigung des Parketts noch eine Konzentration nachweisen, die diesen Wert um das Zehnfache überstieg.

Der Vorfall weist auf ein grundsätzliches Problem hin: Im Handel sind Zehntausende von chemischen Stoffen erhältlich, und jedes Jahr kommen neue Lacke, Materialien und Baustoffe in unterschiedlichen Zusammensetzungen dazu. Für Kantonschemiker Müller stösst damit auch die Analyse an klare Grenzen: «Über die gesundheitlichen Aspekte ist meist wenig bekannt.»

Die Wirkungen sind aber oft kompliziert. Lässt sich das verursachende Wohngift nicht ermitteln, bleibt oft nur die Bekämpfung der Krankheitssymptome.

Anlaufstellen


Labors, die eingesandte Materialproben auf Asbest untersuchen (Kosten zwischen 50 und 150 Franken):

  • Empa, Abteilung 135, Überlandstrasse 129, 8600 Dübendorf
  • Institut universitaire romand de Santé au Travail, Rue du Bugnon 19, 1005 Lausanne


Abklärungen über Sanierungs- und Entsorgungsmöglichkeiten:

  • Umweltschutzamt des jeweiligen Kantons



Merkblätter

  • Broschüre «Asbest im Haus» als Download im Internet unter www.asbestinfo.ch
  • Informationen der Suva zur fachgerechten Asbestsanierung: Suva, Fachbereich Asbest, 6002 Luzern
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