Suchen Sie eine neue Wohnung? Dann lassen Sie sich von den negativen Medienberichten nicht abschrecken. Der Leerwohnungsbestand hat sich im letzten Jahr zwar tatsächlich verkleinert, aber wirklich prekäre Verhältnisse herrschen nur in den Städten Genf, Zürich und Zug. «In weiten Teilen der Schweiz ist das Angebot gut, und es dürfte sehr wohl möglich sein, die gewünschte Wohnung zu finden», sagt ein Mitarbeiter des Beratungsunternehmens Wüest & Partner AG in Zürich.

Allerdings entsprechen viele der angebotenen Wohnungen nicht mehr den Bedürfnissen der Mieter. Schwer haben es vor allem Familien, denn gerade grosse Wohnungen sind Mangelware. «Wir sind schon seit über einem Jahr am Suchen», sagt Andrea Kager aus Zürich. «Mittlerweile ist es fast zum Nebenjob geworden. Eine passende Wohnung haben wir aber trotz beinahe hundert Bewerbungen immer noch nicht gefunden.» Die Erfahrung zeigt: Die besten Wohnungen werden unter der Hand vergeben. Lassen Sie deshalb Ihr Beziehungsnetz spielen.

Schauen Sie auch im Internet

Schwieriger wird es, wenn Sie an einen neuen Ort ziehen und niemanden kennen. Dann bleiben Ihnen nur die traditionellen Informationsquellen. Dabei gehört das morgendliche Studium der Zeitungsinserate zur absoluten Pflicht.

Nutzen Sie auch die Angebote im Internet. Experten schätzen, dass bereits bis zu 50 Prozent der Wohnungen über das Netz einen neuen Mieter finden. Bei den meisten Anbietern können Sie ein konkretes Profil Lage, Wohnungsgrösse, Mietzins und anderes angeben und werden benachrichtigt, sobald eine passende Wohnung im Angebot ist.

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Besorgen Sie sich auch die Adressen der grösseren Liegenschaftenverwaltungen und erkundigen Sie sich, ob eine Warteliste geführt wird. «Bei begehrten Wohnungen finden wir viele Mieter direkt über unsere Liste», sagt Anita Lustenberger, Immobilienbewirtschafterin bei der Serimo AG in Zürich. Die Vorteile liegen auf der Hand: «Wir verfügen bereits über die nötigen Informationen, und der Kunde wird von uns direkt informiert, wenn ein passendes Objekt frei wird.» Wunder darf man aber auch davon nicht erwarten. «Es kann trotzdem bis zu einem Jahr dauern, bis man sein Wunschobjekt beziehen kann», bestätigt Anita Lustenberger.

Besichtigen Sie den Ort bei Tag

Vorsicht ist bei den professionellen Wohnungsvermittlern geboten. Faule Tricks gibt es oft. Vor allem teure 0900er-Nummern bringen häufig nichts ausser Spesen. Klären Sie ab, was Sie für Ihr Geld erhalten, bevor Sie eine Einschreibegebühr bezahlen. Verlassen Sie sich eher auf alteingesessene Unternehmen und verlangen Sie im Zweifelsfall Referenzen.

Beim Besichtigungstermin heisst es Augen und Ohren offen halten. Häufig wird die Wohnung nur ein einziges Mal besichtigt. Bereiten Sie sich daher auf den Termin gründlich vor und erstellen Sie eine Checkliste.

Oft finden Wohnungsbesichtigungen zu Randzeiten statt. Das bedeutet nicht selten schlechte Lichtverhältnisse. Nehmen Sie das Objekt daher vorgängig und bei Tageslicht in Augenschein. Nichts ist ärgerlicher, als im Nachhinein festzustellen, dass man ein dunkles Loch gemietet hat. Schenken Sie auch der näheren Umgebung genügend Beachtung. Halten Sie Ausschau nach allfälligen Lärmquellen. Prüfen Sie die Verkehrssituation. Frauen und ältere Leute sollten sich auch Gedanken über die Sicherheit bei einer nächtlichen Heimkehr machen.

Wichtigstes Kriterium überhaupt ist der Mietzins. Gemäss den Erfahrungen der Budgetberatungsstellen sollte er nicht mehr als 30 Prozent des Bruttoeinkommens beanspruchen. Kalkulieren Sie nicht knapp. Der Mietzins ist meist an die Hypothekarzinsen gekoppelt. Steigen sie, kann sich die Wohnung rasch verteuern.

Geben Sie nicht zu viel preis

Im Anschluss an die Wohnungsbesichtigung wird Interessenten regelmässig ein Anmeldeformular in die Hand gedrückt. Gemäss den Empfehlungen des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten darf der Vermieter nur Angaben verlangen, die zur Auswahl des geeignetsten Mieters nötig sind. Unzulässig sind Fragen zur Konfession, zur Dauer des Arbeitsverhältnisses und zu Krankheiten. Den Lohn muss man nur auf 10000 Franken genau angeben. Verstösst eine Frage gegen die Empfehlungen des Datenschutzbeauftragten, hat man ein Recht auf Notlüge und kann getrost falsche Angaben machen.

Bevor der Mietvertrag unterschrieben wird, muss er auf seine Vollständigkeit und Richtigkeit geprüft werden. Vor allem dem Mietzins und den Kündigungsmöglichkeiten muss grösste Beachtung geschenkt werden. Ist der Mietvertrag nämlich einmal unterschrieben, ist ein Rücktritt nur unter grossem Aufwand und unverhältnismässigen Kosten möglich. Wer mit seinem Lebenspartner oder mit Freunden zusammenzieht, muss sich bewusst sein, dass er bei gemeinsamer Unterschrift in aller Regel solidarisch haftet. Konkret: Der Vermieter kann notfalls den zahlungskräftigsten Mitmieter für den vollen Mietzins zur Kasse bitten. Auch kündigen können die solidarisch haftenden Mieter nur gemeinsam.

Zum Mietvertrag gehören die allgemeinen Vertragsbedingungen und die Hausordnung. Dort werden die Details geregelt. Sprechen Sie den Vermieter auf Ungereimtheiten an und verlangen Sie allenfalls Anpassungen. Die Hausordnung zeigt Ihnen, welches Klima im Haus herrscht: Ist sie ausufernd und pingelig, ist Vorsicht geboten. Sind Sie trotz sorgfältiger Abklärung immer noch unschlüssig, ob Sie unterschreiben sollen, dann verlangen Sie vom Vermieter einen Tag Bedenkzeit.