Während Jahrtausenden lebte der Mensch mit der Natur, unter freiem Himmel und – bei Bedarf – geschützt von Büschen und Bäumen. Das mag der Grund dafür sein, dass Pflanzen bei uns auch heute noch Wohlbefinden auslösen, selbst wenn sie in Töpfen in der warmen Stube stehen.

Variantenreich wird die Natur deshalb auch in die Wohnung integriert. Geschickt platziert, dienen Birkenfeige, Zamioculcas und Co. als Raumteiler oder Sichtschutz, verdecken hässliche Steckdosen oder beleben düstere Ecken. Schön arrangiert, verzieren Orchideen, Alpenveilchen oder Geldbaum in Miniaturausgabe den Wohnzimmertisch. Und wer möchte, setzt seine Pflanzen gezielt mit künstlichem Licht in Szene und sorgt so für spannende Akzente.

Fleissige Helfer im Wohnzimmer

Aber nicht nur die Optik zählt. Pflanzen haben über die Luftqualität auch direkt Einfluss auf die Gesundheit. Anstriche, Möbel oder Böden können giftige Stoffe wie Formaldehyd in die Raumluft abgeben, und auch von aussen kann verunreinigte Luft, etwa von nahen Strassen, in die Wohnräume dringen. Pflanzen nehmen solche Schadstoffe über die Blätter auf und bauen sie teilweise über Enzyme ab oder transportieren sie in die Wurzeln, wo sie Mikroorganismen als Nahrung dienen. Bereits eine mittelgrosse Pflanze sorgt nachweislich für eine bessere Qualität der Raumluft. Roger Helg vom Blumenhaus Helg in Diessenhofen empfiehlt jedoch, in einem Wohnzimmer von 30 Quadratmetern Fläche drei bis sechs mittelgrosse Pflanzen zu platzieren. Besonders effektive Luftreiniger sind beispielsweise Grünlilie und Efeutute, aber auch die Arekapalme oder der Gummibaum. Andere Pflanzen wie die Echte Aloe wiederum sind besonders gute Sauerstofflieferanten. Wobei ein kurzes, kräftiges Durchlüften mehr Sauerstoff in einen Raum bringe als Wohnzimmerpflanzen, wie Roger Helg betont. Wahre Wunder bewirken Pflanzen für die Luftfeuchtigkeit. Besonders solche, die selbst viel Wasser benötigen wie etwa die Papyrusstaude. Sie lassen entsprechende Mengen über die Blätter verduns­ten und fungieren so als Luftbefeuchter.

Welche Zimmerpflanze passt zu mir?

«Nur gesunde Pflanzen können all diese Funk­tionen übernehmen», erklärt Roger Helg. Deshalb sei die richtige Auswahl wichtig. Und diese wiederum sei stark abhängig vom späteren Standort. So müssen Pflanzen, die viel Licht benötigen, etwa Kakteen oder die Yucca-Palme, möglichst nah am Fenster stehen. Sind sie bereits wenige Meter davon entfernt, erhalten sie auch in einem hellen Wohnzimmer zu wenig Licht. Als Grundsatz gilt: Pflanzen mit mehrfarbigen oder dicken Blättern benötigen viel Licht.

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Nebst dem Standort gilt es auch, sich selbst richtig einzuschätzen. Wer keinen «grünen Daumen» hat, verzichtet besser auf anspruchsvolle Pflanzen wie Orchideen oder Strelitzien. Und wer das Giessen regelmässig vergisst, dem seien Sukkulenten, Bogenhanf oder Elefantenfuss empfohlen. Allgemein benötigen Pflanzen mit ledrigen, festen oder fleischigen Blättern eher weniger Wasser. Je nach Nährstoffbedarf der Pflanze sollte ausserdem bei jedem zweiten Giessen etwas Flüssigdünger beigegeben werden. Wichtig ist, dass der Pflegeaufwand zur Person passt, denn nur so können Zimmerpflanzen noch eine weitere positive Aufgabe übernehmen: für ein Erfolgserlebnis sorgen. Das ist für Roger Helg fast die wichtigste Funk­tion: «Wenn man sich um eine Pflanze kümmert und sieht, wie sie wächst, vielleicht sogar blüht, tut dies auch der Seele gut.»

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Nicht jede Pflanze bewirkt Gutes

Wenn Kinder oder Tiere im Haushalt leben, sollte man vorsichtig sein mit giftigen Pflanzen wie Kaladie, Oleander oder Dieffenbachie. Am besten fragt man direkt beim Pflanzenkauf nach einer potenziellen Gefahr. Allergiker sollten ausserdem besonders bei Gräsern oder blühenden Pflanzen aufpassen. Häufige Allergieauslöser sind auch die Ficus-Arten Birken­feige (Ficus benjamina) und Gummibaum (Ficus ­elastica). Weniger sorgen muss man sich wegen «schimmliger» ­Erde. Einerseits ­würden Salzablagerungen oft fälschlicherweise als Schimmel eingeschätzt, erklärt Roger Helg, anderseits seien meist nur kleine Flächen betroffen, sodass kaum Auswirkungen auf die Raumluft zu befürchten seien. Jedoch sind Schimmel wie auch Schädlinge immer Hinweise auf Pflege­fehler – die Sorge gilt also vielmehr der Pflanze selbst.

Links

www.umweltberatung.at
www.toxi.ch (Liste mit giftigen Zimmerpflanzen, PDF)

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