Beobachter: Nach welchen Kriterien wird entschieden, wer ein neues Herz bekommt ?

Kiowski: Wir können nur 40 bis 50 Spenderherzen pro Jahr transplantieren. Die Organzuteilung ist ein sehr heikles Problem. Im Prinzip ist es möglich zu sagen: Man soll denjenigen die Herzen geben, bei denen es den grössten Nutzen hat. Wie man den Nutzen definiert, das ist eine andere Frage.

Beobachter: Gibt es überhaupt Kriterien, die über alle Zweifel erhaben sind?

Kiowski: Zurzeit hat niemand eine Lösung. Es ist die Aufgabe des Gesetzgebers, bei der Ausarbeitung des Transplantationsgesetzes Richtlinien für eine gerechte Verteilung zu schaffen. Eine gewisse Ungerechtigkeit wird, so fürchte ich, noch lang bestehenbleiben bis man andere Lösungen wie Xenotransplantation oder künstliche Herzen hat.

Beobachter: Die Swisstransplant organisiert die Zuteilung an die Transplantationszentren. Wer entscheidet danach, welcher Patient das Herz erhält?

Kiowski: Bis jetzt entscheiden wir. Und wir haben häufig ein ungutes Gefühl dabei. Hausärzte und Spezialisten treffen eine Vorauswahl. Aufgrund der medizinischen Kriterien und des Alters machen wir eine Zweitauswahl und sagen älteren Patienten ehrlich, dass die Chance, ein Herz zu bekommen, für sie nicht so gross ist wie für 30- oder 40jährige.

Beobachter: Jüngere erhalten also den Vorzug?

Kiowski: Wenn nur ein Organ zur Verfügung steht, gilt: «Der Jüngere zuerst.» Das sind schwierige Entscheide. Und wir alle sind uns bewusst, dass wir nie ganz gerecht sein können.