Obwohl Kathrin Fessler längst aus der schmucken Einzimmerwohnung ausgezogen war, flatterten weiter Stromrechnungen des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) ins Haus. Es folgten Telefonmarathon und Papierkrieg. Die Kundin war nicht bereit, für eine Dienstleistung zu bezahlen, die sie nicht bezogen hatte.

Sie ist kein Einzelfall. Ihr Vormieter war noch mit Fakturen eingedeckt worden, als Fessler bereits Rechnungen erhielt.

EWZ-Sprecher Harry Graf bestätigt die Konfusion. «Wir haben seit rund eineinhalb Jahren ein neues Verrechnungssystem.» Anfängliche Systemprobleme hätten zu den Schwierigkeiten geführt.

Schuld seien auch die Strombezüger, gibt Graf den Ball zurück. Es sei «Sache jedes Mieters, sich beim EWZ innert zehn Tagen an- oder abzumelden». Bloss: Auf diese Pflicht wird im Amtsblatt der Stadt Zürich nur sporadisch hingewiesen und das Kleingedruckte auf der Rückseite der Rechnungen sehen die wenigsten Kunden.

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«Wird nicht bezahlt, folgt eine zweite Rechnung, dann wird gemahnt, zuletzt folgen rechtliche Schritte», rekapituliert Graf die EWZ-Philosophie. Dies seien «Ausnahmen», sähen es doch «viele Kunden nicht als Problem, wenn sie die Abmeldung vergessen haben und einige Franken zu viel bezahlen müssen».