Bevölkerungswachstum: Bald sind es 9 Millionen

 

«Keine Angst, die Schweizer werden so bald nicht aussterben!», schrieb der Sonntagsblick im August 1986. Wegen der Antibabypille war in den 80er-Jahren die Befürchtung laut geworden, dass die Schweiz schrumpfen würde. Der Geburtenrückgang war damals viel mehr Thema als das Bevölkerungswachstum.

 

Das ist heute anders: Ende 2015 wohnten rund 8'327'000 Menschen in der Schweiz, was seit 1986 einem Anstieg von 27,5 Prozent entspricht. Rund drei Viertel davon haben den Schweizer Pass. Geht das Wachstum weiter wie in den letzten Jahren, dann dürfte schon 2023 die Schwelle von 9 Millionen Bewohnern überschritten sein. Innerhalb von 100 Jahren hätte sich die Bevölkerung damit fast verdreifacht. 39 Jahre ist es inzwischen her, dass letztmals mehr Menschen ausgewandert als eingewandert sind.

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Lebenserwartung: Heute Geborene leben fast 90 Jahre

 

Die steigende Lebenserwartung ist durch medizinischen Fortschritt und einer massiv gesunkenen Kindersterblichkeit zu erklären. Noch vor 100 Jahren lag die Lebenserwartung für Neugeborene zwischen 54,4 (Jungs) und 57,5 Jahren (Mädchen). Für Kinder, die im Jahr 2015 auf die Welt kamen, liegt dieser Wert bei 80,7 Jahren (Jungs) bzw. 84,9 Jahren (Mädchen).

 

Wenn man den Prognosen glauben darf, wird die Lebenserwartung noch weiter ansteigen – allerdings flacht die Steigung ab. Es ist also nicht zu erwarten, dass die Lebenserwartung bald bei 100 Jahren liegt. Das wäre auch nicht im Sinne der AHV, die schon jetzt einer dringenden Reform bedarf – unter anderem, weil die Menschen immer älter werden.

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Einkommen: Höhere Mieten, höheres Einkommen

 

Das durchschnittlich verfügbare Einkommen eines Schweizer Haushalts ist in den letzten 30 Jahren von 2503 auf 4900 Franken gestiegen. Gemeint ist jener Teil des Einkommens, der einem Haushalt hauptsächlich für den privaten Konsum zur Verfügung steht nach Berücksichtigung aller Abzüge.

 

Doch nicht nur das verfügbare Einkommen ist gestiegen, sondern auch die Mietpreise haben angezogen. Setzt man die Wohnungskosten in einen Vergleich zum Einkommen, dann ist dieser Anstieg allerdings gering: 1986 ging rund 29 Prozent des verfügbaren Betrags für die Wohnungsmiete drauf, heute sind es knapp 32 Prozent. Gemäss Bundesamt für Statistik sind diese Zahlen seit 2008 sogar leicht rückläufig.

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Bildung: Boom-Jahre für Hochschulen

 

Die älteste Universität der Schweiz ist jene in Basel: Diese existiert seit dem Jahr 1460. Die beiden jüngsten der 10 Schweizer Universitäten sind die Università della Svizzera italiana im Tessin (1996) sowie die Universität Luzern (2000). Dazu kommen sieben staatlich unterstützte Fachhochschulen sowie Dutzende weitere Hochschulen und höhere Fachschulen.

 

Kaum ein Bildungssystem ist so durchlässig wie jenes in der Schweiz: Durch den dualen Bildungsweg findet fast jeder Jugendliche eine Ausbildung, die seinen Begabungen angemessen ist. Trotzdem bildet die Schweiz immer mehr Akademiker aus: Zu den 145'000 Studenten an Universitäten kommen aktuell noch 92'000 Studierende an Fach- und pädagogischen Hochschulen. Gleichzeitig nimmt aber auch die Zahl jener, die eine Berufslehre absolvieren, weiter zu.

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Verkehr: Wir werden immer mobiler

 

Erinnern Sie sich? Bis 2005 gab es in den SBB-Zügen Raucherabteile. Scheint eine Ewigkeit her zu sein. Deren Abschaffung hat den Erfolg der Bundesbahnen trotz anfänglichen Protesten nicht gebremst, im Gegenteil: die Passagierzahlen nehmen jährlich zu. In den letzten 30 Jahren haben sich die Personenfahrten nahezu verdoppelt. Eine Personenfahrt entspricht der Reise eines Passagiers vom Ausgangs- zum Endpunkt.

 

Doch nicht nur der Personenverkehr auf der Schiene nimmt zu, sondern auch jener auf der Strasse: Heute sind 4,5 Millionen Personenwagen in der Schweiz registriert und damit fast doppelt so viele wie vor 30 Jahren. Das zeigt, wie wichtig die Mobilität inzwischen geworden ist: 70 Prozent der Arbeitnehmenden arbeiten ausserhalb ihrer Wohngemeinde und sind damit Pendler. Jeder zehnte nimmt einen Arbeitsweg von mehr als einer Stunde auf sich. Der durchschnittliche Hinweg dauert indes 27 Minuten.

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Ernährung: Erst Fast-Food, dann Bio-Hype

 

1976 eröffnete die erste Schweizer McDonald's-Filiale in Genf, weitere Restaurants folgten landesweit. McDonald's sei ein «kulinarischer Affront gegenüber jedem halbwegs kultivierten Mitteleuropäer», enervierte sich der damalige SP-Gemeinderat und spätere Bundesrat Moritz Leuenberger. 1982 gab es sogar einen Brandanschlag auf eine Zürcher McDonald's-Filiale.

 

Inzwischen steht die Expansion von McDonald's sinnbildlich für die veränderten Essgewohnheiten: «Fast Food» ist heute sogar gesund – und unterwegs zu essen, ist zur Normalität geworden.

 

Etwas später startete der Bio-Hype: Die Anzahl an Schweizer Bio-Betrieben stieg zwischen 1990 und 2015 von 368 auf 6031. Die «Knospe» gehört heute ebenfalls zum Alltag des Schweizers wie McDonald's und Co.

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Mediennutzung: Selbst Print bleibt stabil

 

Der durchschnittliche Medienkonsum eines Schweizers beträgt heute etwas mehr als 5 Stunden pro Tag. Er hat sich damit in den letzten 30 Jahren leicht verringert. Beliebteste Medien bleiben Audio und Video. Während die Radiosender an Hörern verloren, blieb das Fernsehen stabil. Live-TV macht mit 118 Minuten den mit Abstand grössten Anteil aus.

 

Die Text-Produkte, zu denen sowohl Newsportale im Internet wie auch Printausgaben und Bücher gezählt werden, haben leicht zugelegt. Dabei machen Onlinemedien im täglichen Konsum noch immer einen marginalen Anteil aus – die meisten Texte werden noch immer in Zeitungs-, Zeitschriften- oder Buchform gelesen.

 

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Digitalisierung: Generation Smartphone

 

Natürlich hat die Welt in den letzten 30 Jahren nichts so sehr verändert wie die Digitalisierung: Internet, iPhone, Tablets, 4G, Streaming et cetera gab es vor 30 Jahren noch nicht. Der erste verfügbare Wert bezüglich Handyabdeckung datiert aus dem Jahr 1990: Damals kamen auf 100 Einwohner gerade einmal 1,8 Anschlüsse, heute sind es 141. Zwei von fünf Menschen besitzen also sogar zwei Handyanschlüsse.

 

Gleichzeitig hat sich auch die Internetabdeckung und -geschwindigkeit in atemberaubendem Tempo verbessert. Bester Indikator dabei ist die verbreitete Internetnutzung: Nutzten 1997 (erster verfügbarer Wert) lediglich 6,8 Prozent der Bevölkerung das Internet mehrmals pro Woche, waren es 2006 schon deren 65 Prozent. Heute liegt dieser Wert bei knapp 90 Prozent.

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Kirche: Auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit

 

Die Kirchen haben in der Schweiz einen schweren Stand: Gegenüber 1980 hat der Anteil konfessionsloser Menschen von 214'000 auf 1'651'000 zugenommen. Fast jede vierte in der Schweiz wohnhafte Person über 15 Jahren gehört damit keiner Religion mehr an. Am meisten verloren hat die reformierte Kirche (– 20,4 Prozent), doch auch die Katholiken verlieren an Anhängern (– 8,9 Prozent).

 

Doch nicht alle, die aus der reformierten oder katholischen Kirche ausgetreten sind, haben der Religion als Ganzes den Rücken gekehrt: Rund 400'000 gehören einer «anderen christlichen Glaubensgemeinschaft» an. Verzehnfacht hat sich der Anteil an Personen muslimischen Glaubens: Von 34'000 im Jahr 1980 auf rund 350'000 im Jahr 2015.

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Kriminalität: Gibt es heute genau so wie vor 30 Jahren

Entgegen der landläufigen Meinung nehmen die Straftaten in der Schweiz keineswegs zu. Von Jahr zu Jahr schwanken diese Zahlen zwar, aber sie bleiben stabil. Als Beispiel dient hier die Anzahl registrierter Diebstähle: Diese lagen in den letzten 30 Jahren stets zwischen 160'000 und 240'000 pro Jahr. Mit 161'660 verzeichneten Diebstählen wurde 2015 der tiefste Wert seit Beginn der zugänglichen Statistiken im Jahr 1981 erreicht.

Die Polizeistellen verzeichneten im Jahr 2015 insgesamt 487'611 Zuwiderhandlungen gegen das Strafgesetzbuch, was einer leichten Abnahme gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zugenommen haben einzig die Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz (+ 6,3 Prozent) und gegen das Ausländergesetz (+ 6,7 Prozent).

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