Ausländerrecht Heiraten ohne Grenzen

Ausländische Ehepartner
Eine gültige Ehe begründet noch kein automatisches Aufenthaltsrecht des ausländischen Ehegatten.

Jede dritte Ehe hierzulande wird heute zwischen Schweizern und Ausländern geschlossen. Dazu müssen sich die Verliebten auf einen langen Papierkrieg mit den Ämtern einlassen.

aktualisiert am 06. Jan 2016 17:36

Die Zeiten, als ein ausländischer Partner im Freundeskreis für Aufsehen sorgte, sind längst passé. Immer mehr Schweizer Bürger suchen ihr Liebesglück ausserhalb der Grenzen: 2011 wurden in der Schweiz 14'940 Ehen zwischen einem schweizerischen und einem ausländischen Partner geschlossen – damit ist mittlerweile jede dritte Ehe binational. Dieser Anteil hat sich seit 1970 mehr als verdoppelt.

Binationale Heiratswillige müssen sich allerdings durch einen sehr dichten administrativen Dschungel schlagen – besonders wenn der ausländische Partner aus einem sogenannten Drittstaat kommt, also von ausserhalb der EU. Nachfolgend eine Übersicht, wer woran zu denken hat, um am Ende glücklich in den Hafen der Ehe einlaufen zu können.

Ehevorbereitung

Damit in der Schweiz eine Ehe geschlossen werden kann, müssen die Verliebten «ehefähig» sein. Das heisst: urteilsfähig und mündig, und es dürfen keine «Ehehindernisse» vorliegen wie eine bestehende Ehe oder eine zu ­nahe Verwandtschaft. Ver­beiständete Personen dürfen nur mit Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters heiraten.

Ausserdem muss der oder die auslän­dische Verlobte spätestens zum Zeitpunkt der Trauung einen legalen Aufenthalts­status in der Schweiz nachweisen können. Und natürlich darf keine Scheinehe an­gestrebt werden.

Sodann müssen die angehenden Ehepartner auf dem Zivilstandsamt und – wenn der Partner im Ausland lebt – auf der entsprechenden Schweizer Vertretung persönlich erklären und mit Unterlagen be­legen, dass sie sämtliche Ehevoraussetzungen erfüllen. So ist etwa das Scheidungs­urteil vorzulegen, um zu dokumentieren, dass eine frühere Ehe tatsächlich geschieden wurde. Gilt das Paar als «ehefähig», muss es das formelle Ehegesuch ein­reichen. Ausländische Personen, die nicht in der Schweiz wohnen, benötigen dazu eine Bewilligung der kantonalen Aufsichtsbehörde im Zivilstandswesen.

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Nicht nur der Name kann sich ändern, wenn Paare entscheiden, den Bund der Ehe einzugehen. Guider erläutert seinen Mitglieder unter anderem, welcher Güterstand sich anbietet, zeigt anhand von konkreten Fallbeispielen, wie das eheliche Vermögen aufgeteilt wird und liefert eine Vorlage für einen Ehevertrag.

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Eheschutz bei Problemen

Erforderliche Papiere

Ist der ausländische Partner im Schweizerischen Personenstandsregister (Infostar) registriert, weil er bereits in der Schweiz wohnhaft ist, muss er keine Dokumente beibringen, die über Geburt, Geschlecht, Namen, Abstammung, Zivilstand und Staatsangehörigkeit Auskunft geben. Lebt er aber im Ausland, sind dem Zivilstandsamt oder der ansässigen Schweizer Botschaft folgende Dokumente vorzulegen:

  • Geburtsurkunde mit Angaben der Eltern
  • Ledigkeitsbescheinigung
  • Wohnsitznachweis
  • gültiger Pass oder gültige Identitätskarte
  • Eheanerkennungserklärung des Heimat- oder Wohnsitzstaates oder ein Ehefähigkeitszeugnis


Die eingereichten Dokumente bleiben in den Archiven der Schweizer Behörden. Gewisse Dokumente sollten deshalb als Duplikate eingereicht werden – die aber nicht älter als sechs Monate sein dürfen; Duplikate sind keine Kopien, sondern Abschriften des Originals. Sie müssen meist notariell beglaubigt und – sofern sie nicht bereits in ­einer Schweizer Amtssprache abgefasst sind – übersetzt sein.

Je nach Herkunftsland können zusätz­liche Dokumente eingefordert werden. Die zuständige Schweizer Vertretung informiert darüber im Detail.

Bei gemeinsamen Kindern muss eine Geburtsurkunde eingereicht werden. Zusätzlich muss bewiesen werden, dass ein Kindesverhältnis zum Vater besteht – das kann mittels einer Kindesanerkennungs­urkunde, eines Vaterschafts- oder Adoptionsentscheids geschehen.

Heirat während eines Kurzaufenthalts

Ist der ausländische Partner als Tourist in die Schweiz eingereist und beschliesst das Paar, noch während des Ferienaufenthalts zu heiraten, ist Eile geboten: Nach drei Monaten muss der Gast wieder ausreisen.

Um dem Zwang zur Ausreise vorzubeugen, kann der ausländische Partner spä­testens 14 Tage vor Ablauf des Touristen­visums beim Migrationsamt ein Gesuch um eine Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Heirat stellen. Diese Bewilligung wird jedoch nur erteilt, wenn die Ehevorbereitungen bereits so weit fort­geschritten sind, dass innerhalb einer vernünftigen Frist mit einer Heirat zu rechnen ist. Andernfalls wird das Gesuch verweigert, und der Partner muss ausreisen. In diesem Fall muss das Brautpaar unbedingt darauf achten, dass die Ausreisefrist ein­gehalten wird, andernfalls droht eine ­Sperre bei der Wiedereinreise.

Aufenthalt zur Heiratsvorbereitung

Ist bereits vor der Einreise des auslän­dischen Partners klar, dass eine Hochzeit in der Schweiz stattfinden soll, empfehlen die Migrationsämter, statt eines Touristenvisums direkt eine Kurzaufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der Heirat zu be­antragen. Zur Erteilung einer solchen darf die einrei­sende Person noch nie negativ in Erscheinung getreten sein. Zudem müssen die ­Voraussetzungen des Familiennachzugs erfüllt sein.

Einreise und Heirat

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, erteilt das Migrationsamt eine befristete Kurzaufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der Heirat. Innerhalb dieser Frist muss die Hochzeit nun erfolgen. Bei einem Gespräch im Zivilstandsamt wird geschaut, ob keine offensichtliche Scheinehe vorliegt. Bei einem klaren Missbrauch können die Ehe verweigert und die Gesuchsteller verzeigt werden. Andernfalls erteilt das Amt die Trauungsermächtigung. Die Heirat muss spätestens drei Monate nach der Ermächtigung erfolgen.

Ort der Trauung

Eine Trauungsermächtigung braucht es auch, wenn das Brautpaar nicht am Wohnsitz des Schweizer Bürgers heiraten möchte, sondern etwa in einer Bergkapelle. Dieses Dokument erstellt das Zivilstandsamt am Wohnsitz des Schweizer Gatten gegen eine Gebühr.

Familiennachzug und Bleiberecht

Eine gültige Ehe begründet noch kein auto­matisches Aufenthaltsrecht des ausländischen Ehegatten. Der Schweizer Partner muss beim Migra­tionsamt nach der Heirat oder – je nach Kanton – schon bei Einreichung des Gesuchs um einen befristeten Aufenthalt zur Vorbereitung der Heirat ein Gesuch auf Familiennachzug stellen.

Bei der Heirat zwischen Schweizern und ausländischen Staatsangehörigen eines Drittstaats besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Familiennachzug, sofern die Ehe tatsächlich gelebt wird und das Paar zusammen wohnt.

Dann endlich ist es so weit: Der aus­ländische Ehegatte bekommt die B-Aufenthaltsbewilligung «zwecks Verbleibs beim Ehegatten». Somit steht dem Eheglück nichts mehr entgegen – zumindest nicht aus administrativer Sicht.

Weitere Infos

Weitere Informationen, Adressen und Merkblätter finden Sie:

  • auf der Website des Eidgenössischen Amts für das Zivilstandswesen: www.bj.admin.ch
  • beim Verbund der Beratungsstellen für binationale und interkulturelle Paare und Familien: www.binational.ch


Adressen der Migrationsämter: www.bfm.admin.ch

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Autor:
  • Jürg Keim
Bild:
  • Thinkstock Kollektion