Sonnenbedingte Krankheiten

Die Haut vergisst nie

Text:
  • Walter Aeschiman
Bild:
  • Jupiterimages
Ausgabe:
7/08

Kein Organ ist häufiger von Krebs betroffen als die Haut. Massgeblicher Mitverursacher von Hautkrebs ist die UV-Strahlung der Sonne. Durch regelmässige Selbstkontrolle wird er frühzeitig erkannt – und kann dann auch meist geheilt werden.

Um es ganz deutlich zu sagen: Ihre Haut vergisst nichts. Schon gar nicht einen Sonnenbrand. Oberflächlich betrachtet sieht es zwar aus, als hätte sich die Haut nach einem ausgeheilten Sonnenbrand erholt. Aber tief im Innern zeigt sich, dass der Schaden, den die Sonne angerichtet hat, unwiderruflich ist. Wiederholen sich die Sonnenbrände, kumulieren und festigen sich die Schäden in den Hautzellen. Die Folge ist im «besten» Fall vorzeitige Hautalterung – im schlimmsten Fall jedoch Hautkrebs. Vor allem Sonnenbrände in den ersten 20 Lebensjahren erhöhen das Hautkrebsrisiko markant.

Hautkrebs ist ein Oberbegriff für sämtliche bösartigen Tumore der Haut. In der Umgangssprache wird er oft gleichgesetzt mit dem schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom. In den letzten Jahren hat die Anzahl bösartiger Hautveränderungen zugenommen. Diese Entwicklung sollte umso mehr alarmieren, als das Hauptrisiko, an dieser Krebsart zu erkranken, oft vermieden werden könnte: übermässige Sonnenbestrahlung.

Durch die Aufnahme von UVB-Strahlen wird das Erbgut in den Zellkernen der Haut erheblich beschädigt. Entweder sterben die betroffenen Zellen ab, oder sie werden durch den zelleigenen Reparaturdienst instandgesetzt. Kommt die Haut mit der Heilung nicht mehr nach, können sich die angegriffenen Zellen zu Krebs verändern. Die Entstehung geht von den Pigmentzellen der Oberhaut aus. Sie entarten und wuchern unkontrolliert.

Hautkrebs ist in den meisten Fällen ein sich verändernder, fleckenförmiger oder knotiger Herd, der sich an der Hautoberfläche entwickelt. Mehrheitlich handelt es sich um das Basalzellkarzinom (Basaliom oder weisser Hautkrebs) oder das Stachelzellkarzinom (Spinaliom). Diese Arten von Hautkrebs bilden selten Ableger (Metastasen) und sind gut heilbar. Der schwarze Hautkrebs, das Melanom, ist seltener, aber der gefährlichste Hautkrebs. Die Schweiz weist im internationalen Vergleich eine der höchsten Raten von Hautkrebs-Neuerkrankungen auf: Jährlich erkranken rund 15'000 Menschen an Hautkrebs, davon über 1700 an einem Melanom. Rund 250 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen dieser Krebserkrankung.

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Der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) ist der bösartigste Hauttumor und eine der gefährlichsten Krebsarten überhaupt. Im Vergleich zu anderen Hauttumoren bildet er relativ früh in anderen Organen Metastasen. Der schwarze Hautkrebs kommt bei Frauen etwas häufiger vor als bei Männern. Strahlungsempfindliche Menschen haben ein dreifach höheres Risiko, ein Melanom zu entwickeln, als Menschen der dunklen Hauttypen III bis VI (siehe unten «Checkliste Sonnenschutz»). Es entsteht jedoch nicht nur an Stellen, die der Sonne ausgesetzt waren, in seltenen Fällen entwickelt es sich auch an versteckten Körperstellen wie zum Beispiel unterhalb des Nagels, in Hautfalten oder auch an Schleimhäuten.

Im Gegensatz zu anderen Hauttumoren ist nicht allein lang andauernde Sonnenbestrahlung die Hauptursache, sondern ausgeprägte und häufige Sonnenbrandreaktion in der Kindheit und Jugend.

Bei einer Früherkennung ist die Heilungschance zwar gross. Bei einem später entdeckten Tumor sinkt sie allerdings rapide. Tumore werden operativ oder mit Hilfe einer Chemo- oder einer Immuntherapie entfernt. Vor allem der Nachbehandlung kommt eine grosse Bedeutung zu, um eventuelle neue Metastasen möglichst frühzeitig zu entdecken und zu behandeln.

Das Basalzellkarzinom (Basaliom oder weisser Hautkrebs) wird zu den bösartigen Hauttumoren gezählt und ist die häufigste Hautkrebsart in Mitteleuropa. Das Besondere am Basaliom ist, dass es ohne Rücksicht auf Organgrenzen immer weiter wächst, wenn es nicht behandelt wird. Es bildet aber sehr selten Ableger. Deshalb wird das Basaliom auch als semimaligner Tumor bezeichnet, was so viel wie «halbbösartig» bedeutet.

Seinen Namen hat das Basaliom von den Basalzellen der Oberhaut, weil es dort entsteht. Diese Krebsart findet man meist im Gesicht, aber auch auf der Kopfhaut, auf Schultern oder Rücken.

Das Stachelzellkarzinom (Spinaliom) ist ein bösartiger Hautkrebs, von dem bisher fast nur hellhäutige, über 50-jährige Menschen betroffen sind. Durch die abnehmende Ozonschicht, gleichzeitig zunehmende UVB-Strahlung und ungenügenden Sonnenschutz erkranken jedoch auch immer mehr jüngere Menschen. Das Stachelzellkarzinom kann sich aus einer aktinischen Keratose (Verhornung der Haut durch ständige Sonneneinwirkung) entwickeln. Männer sind häufiger davon betroffen als Frauen, ebenso Menschen, die sich berufsbedingt viel im Freien aufhalten.

Beim hellen Hautkrebs bestehen gute Hei¬lungschancen, vor allem wenn der Tumor bereits erkannt wird, bevor er in die Tiefe gewachsen ist. Die operative Entfernung des Tumors ist die erfolgversprechendste Behandlungsmöglichkeit.

Die aktinische Keratose ist eine durch chronische Lichtschädigung verursachte Veränderung der verhornten Oberhaut. Sie kann entarten und zu Hautkrebs führen. Sie tritt häufig bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte an Stellen auf, die dem Sonnenlicht ungeschützt ausgesetzt waren: Gesicht, Handrücken, Stirn, Glatze, Nase, Ohr. Am häufigsten sind die hellen Hauttypen betroffen, Männer noch etwas mehr als Frauen.

Diese Hautveränderung kann in örtlicher Betäubung operativ entfernt oder oberflächlich mit flüssigem Stickstoff behandelt werden.

«Sonnenallergie»: Quälender Juckreiz oder Bläschenbildung wird im Volksmund unter dem Begriff Sonnenallergie zusammengefasst. Medizinisch betrachtet ist es eine Lichtempfindlichkeit, eine Hautreaktion, die nicht immer allergische Ursachen hat. In 90 Prozent der Fälle ist die sogenannte polymorphe Lichtdermatose (PLD) Ursache. Meist tritt sie im Frühling, bei der ersten Sonnenbestrahlung oder im Urlaub mit intensiver Sonneneinwirkung an exponierten Hautpartien auf, die noch nicht an die Sonne gewöhnt sind (Ausschnitt, Schultern, Nacken, Arme).

Typische Symptome sind juckende Flecken oder Bläschen. Am häufigsten sind junge, hellhäutige Frauen betroffen. Verantwortlich für diese Hautreaktion ist vor allem die UVA-Strahlung, durch die in der Haut reaktive Sauerstoffverbindungen (Radikale) entstehen, die viele Zellverbindungen der Haut schädigen. Die gesunde Haut enthält eine Vielzahl von Schutzmechanismen, um diese Verbindungen zu neutralisieren. Bei Menschen, die an PLD leiden, scheinen diese Mechanismen zu versagen. Es kommt zu einer verstärkten Immunreaktion und zu den unangenehmen Bläschen.

Zur Vorbeugung und zur medikamentösen Behandlung existiert eine Anzahl von Produkten. Über deren Anwendung sollten Sie sich aber unbedingt von Ihrem Hausarzt oder in der Apotheke beraten lassen.

Selbstuntersuchung

Durch die regelmässige Selbstuntersuchung der Haut können verdächtige Hautveränderungen frühzeitig erkannt werden. Fachleute empfehlen, alle drei bis vier Monate die Pigmentmale am ganzen Körper mit Hilfe der ABCD-Regel zu untersuchen. Im Zweifelsfall sollte umgehend ein Hautarzt aufgesucht werden.

ABCD-REGEL

A = Asymmetrie
harmloses Pigmentmal: regelmässige, symmetrische Form
verdächtiges Pigmentmal: nicht symmetrische Form

B = Begrenzung
harmloses Pigmentmal: regelmässige, klare Ränder
verdächtiges Pigmentmal: unregelmässige, unscharfe Ränder

C = Color (Farbe)
harmloses Pigmentmal: einheitliche Färbung
verdächtiges Pigmentmal: verschiedenfarbig, fleckig

D = Dynamik
harmloses Pigmentmal: verändert sich nicht
verdächtiges Pigmentmal: verändert sich in Grösse, Farbe, Dicke und Form

TESTEN SIE IHR RISIKO
Eine einfache Formel zeigt, ob Sie ein erhöhtes Risiko für Hauttumore haben:
R = Rotblonde Haare, helle/blaue Augen
I  = In der Familie Melanome bekannt
S = Sonnenbrände in der Kindheit
I  = Immer nur Rötung auf der Haut
K = Keine Bräunung in der Sonne
O = Obacht bei mehr als 50 Muttermalen

 

© Beobachter Ausgabe 7 vom 02. Apr 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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    «Fühlen Sie sich
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