Er fuhr noch selber zum Spital, parkierte das Kurierauto vor der Notfallstation. Seine Arme bluteten, er schrie. Es war kein Unfall, kein Überfall. Das Spital lag auch nicht im Kriegsgebiet in Syrien, sondern mitten in Zürich. Der junge Mann hatte sich die Arme selber aufgeschnitten. Die Ärzte schalteten den psychiatrischen Notfalldienst ein. «Ich kümmerte mich um den jungen Mann und wollte mehr von ihm wissen», erzählt die aufgebotene Ärztin. «Er sagte, dass er Kurde sei und seine beiden Brüder in Syrien gegen Dschihadisten kämpfen.»

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Das war im Oktober. Das türkische Militär war gerade im Nordosten Syriens einmarschiert, islamistische Milizen aus Syrien unterstützen die Invasion. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nennt sie «Operation Friedensquell». Hunderttausende sind seither auf der Flucht. «Die Angst um die Brüder und die Mutter, zu denen er keinen Kontakt mehr hatte, hielt der Zürcher Kurier nicht mehr aus», sagt die Ärztin. Anspannung, Angst, dann die Schnitte, der Schmerz, die Endorphine, Erlösung. Es war seelische Not im Schatten lauter Proteste.