Die Preisunterschiede sind riesig. Ein Kilo Bio-Spaghetti kostet bei Coop Fr. 5.90, bei der Migros Fr. 3.40 und bei Aldi und Lidl nur Fr. 2.70. Die günstigsten Bio-Spaghetti von Coop sind also mehr als doppelt so teuer wie jene von Aldi und Lidl. Und 74 Prozent teurer als jene der Migros. Das zeigt der Preisvergleich des Beobachters, der den jeweils günstigsten Preis pro Produktkategorie erhoben hat (siehe Tabellen). 

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Das Spaghetti-Beispiel ist kein Einzelfall. Eine importierte Bio-Gurke kostet bei Migros und Coop rund ein Drittel mehr als bei den Discountern Aldi und Lidl. Schweizer Bio-Äpfel kosten bei den Grossverteilern 13 Prozent mehr als bei den Discountern, obwohl sie von denselben Obstbauern stammen können. Im Durchschnitt sind Bio-Lebensmittel bei Coop 20 Prozent teurer als beim günstigsten Anbieter Lidl. Verglichen wurden die Preise von Butter, Past-Vollmilch, Nature-Joghurt 3,5%, Schweizer Freilandeiern, Schweizer Äpfeln, Spaghetti, Pelati, Gurken, Bananen und Orangensaft. 

Bei Aldi sind die Bio-Gurken und die Nichtbio-Gurken sogar gleich teuer. Beide kosten 99 Rappen. Bio ist also null Prozent teurer. Wie geht das? Aldi sagt, die Bio-Gurken seien etwas kleiner als die konventionellen Gurken, deshalb sei das möglich. 

Auffällig ist jedenfalls: Bei Nichtbio-Lebensmitteln gibt es offenbar einen harten Preiskampf. Preisunterschiede gibt es zwar, aber sie sind kleiner als bei Bio-Lebensmitteln. Insgesamt kostet der Warenkorb mit den zehn Nichtbio-Lebensmitteln ungefähr gleich viel bei allen vier Detailhändlern. 

Wenn man den Preis des Bio-Warenkorbs mit jenem des Nichtbio-Warenkorbs vergleicht, zeigt sich Erstaunliches: Beim Bio-Aufpreis gibt es massive Unterschiede. Beim Discounter Aldi kosten die Bio-Produkte im Schnitt 60 Prozent mehr als die gleichen konventionellen Produkte. Bei Coop sind es hingegen 88 Prozent mehr.

Wie kann das sein? Schliesslich sagen alle vier Detailhändler, sie würden Preissenkungen an die Kundschaft weitergeben, sich für attraktive Preise einsetzen und auf Bio-Produkte keine höheren Margen (in Prozent) verlangen als auf konventionelle Produkte.

Zum einen verwenden Coop und Migros das Knospe-Logo des Labels Bio Suisse. Und dafür müssen sie Lizenzgebühren bezahlen. Laut einer Vorabklärung des Preisüberwachers verteuert das die Waren um 2 bis 5 Prozent. 

Keine Knospe-Gebühren für Aldi und Lidl

Aldi und Lidl verwenden das Knospe-Logo nicht und müssen deshalb keine Gebühren zahlen. Sie beziehen ihre Bio-Produkte aber teilweise von denselben Schweizer Bio-Bauern. Aldi hat mit dem Label «Retour aux sources» ein eigenes Label geschaffen, das strenger ist als das Bio-Suisse-Label. Allerdings wird dieses Label nur für Produkte aus dem Inland verwendet, während das Knospe-Logo auch für Importwaren verwendet wird – ohne den Zusatz «Suisse». 

Bei Produkten aus dem Ausland wie etwa Orangensaft gibt es tatsächlich unterschiedliche Bio-Vorgaben an die Produzenten. Coop setzt bei Bio-Importprodukten ebenfalls auf das Bio-Knospe-Label. Und das sei strenger als die Mindeststandards, die die EU vorgebe, sagt Coop. «Unsere Knospe-Produkte erfüllen somit den höchsten Bio-Standard hinsichtlich Anbau und Verarbeitung», schreibt Coop. Die höheren Preise seien also den strengeren Bio-Qualitätsvorgaben geschuldet. Migros setzt mit Alnatura-Produkten nicht auf den Knospe-Standard, Aldi und Lidl ebenfalls nicht. 

Coop: «Produkte nicht vergleichbar»

Coop erklärt deshalb, dass Preisvergleiche bei importierten Bio-Produkten schwierig seien. Zum enormen Preisunterschied bei Bio-Spaghetti heisst es bei Coop etwa: «Die Produkte sind nicht miteinander vergleichbar.» – «Unsere Bio-Hartweizenteigwaren sind mit hochwertigem Hartweizen aus Gragnano hergestellt und entsprechend deklariert. Zudem werden unsere Spaghetti nach den strengen Knospe-Richtlinien produziert.»

Allerdings stellt sich die Frage, warum Coop bei einem Massenprodukt wie Spaghetti keine günstigere Bio-Variante anbietet. Das Bio-Lebensmittel, das nicht vergleichbar sein soll, ist schlicht das günstigste Bio-Spaghettiprodukt, das es bei Coop gibt. Deshalb landete es im Beobachter-Preisvergleich. Zudem sind Coop und Migros nicht nur bei importierten Bio-Lebensmitteln teurer. Auch die fünf Schweizer Bio-Produkte im Warenkorb (Butter, Milch Joghurt, Äpfel, Eier) kosten mehr. 

«Bio muss kein Luxus sein»

Aldi verfolgt eine gänzlich andere Strategie. «Bio muss kein Luxus sein», schreibt Aldi. Und verweist auf das erwähnte Label «Retour aux sources», das gemeinsam mit dem Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau entwickelt worden ist. «Unsere Bio-Produkte sind nicht nur günstig, sondern erfüllen oft auch höhere Anforderungen als diejenigen unserer Mitbewerber», sagt die Aldi-Sprecherin. Was die Inlandprodukte betreffe, biete Aldis Bio-Eigenmarke «Retour aux sources» den aktuell höchsten Bio-Standard.

Und wo ist der Einkauf am günstigsten? Der Preisvergleich zeigt, dass über alle 20 Produkte gerechnet Lidl am günstigsten ist. Ganz knapp dahinter folgt Aldi.