Kinderlärm Nur immer mit der Ruhe!

Lärmbelästigung durch Nachbars Kinder
Es gibt kein Recht auf ruhiges Wohnen. Bei Mehrfamilienhäuser mit Kindern ist daher gegenseitige Rücksicht bedingt.

Leicht kommt es zu Konflikten zwischen lärmenden Kindern und ruhebedürftigen Nachbarn. Mit etwas gutem Willen von beiden Seiten bleibt der Frieden gewahrt.

aktualisiert am 15. Mär 2016 16:02

Steilpass – Dribbling – Tor! Jubel hallt durchs Quartier. Doch längst nicht jeder Schuss der kleinen Fussballstars ist auch ein Treffer – und die Frühlingsfreude des Nachbarn nimmt ein jähes Ende, wenn sein schöner Gartensitzplatz zum Strafraum wird. Verständlich, dass da manchem Nachbarn der Geduldsfaden reisst, böse Worte fallen und Fussbälle kurzerhand beschlagnahmt werden. Probleme werden damit allerdings nicht gelöst.

Allgemeingültige Regeln für die Nutzung der Grünflächen in Wohnquartieren gibt es nicht. Jeder Eigentümer hat seine eigenen Vorstellungen, was erlaubt ist und was nicht. Grundlage bildet in Mietshäusern auf jeden Fall die jeweilige Hausordnung – doch leider fehlen oft auch darin klare Regeln. Zwar werden Ruhezeiten angegeben, in der Regel die Stunden über Mittag und nach 22 Uhr. Danach müssen sich alle Hausbewohner richten. «Ganz strikt lässt sich mit Kindern aber weder die Mittags- noch die Nachtruhe einhalten», so der Mieterverband. «Babys und Kleinkinder können auch einmal morgens um vier nach Leibeskräften schreien. Damit müssen sich Vermieterschaft und Nachbarn abfinden.»

Guider – der digitale Berater des Beobachters

Mehr zu Lärmbelastung in der Nachbarschaft bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Lärm in der Nachbarschaft, verursacht durch Kindergeschrei, feiernde Partygäste oder Baumaschinen, führt sehr häufig zu Konflikten. Auf Guider erfahren Mitglieder, was ihre Rechte sind und wie sie sich wehren können.

Partylärm und Kindergeschrei
Baulärm
Einsprache gegen Bauvorhaben
Kirchenglocken
Kuhglocken und krähende Hähne
Gewerbelärm in Wohnzonen

Es gibt kein «Recht auf ruhiges Wohnen»

Dass das Wohnen in einem Mehrfamilienhaus gegenseitige Rücksicht bedingt, schreibt auch das Mietrecht vor. Demnach gibt es kein Recht auf absolut ruhiges Wohnen. Lärmgeplagte Mieter können beim Vermieter zwar übermässigen, stundenlangen Kinderlärm als Mangel geltend machen und auf Mietzinsreduktion pochen. Aber wo Rücksicht verlangt wird, besteht auch ein Anspruch auf Toleranz – beides Ansprüche, die sehr unterschiedlich interpretiert werden können.

Fehlplanungen begünstigen das Entstehen von Konflikten zusätzlich. Werden Spielplätze auf die ganze Überbauung verteilt, verteilt sich auch der Lärm. Zudem sollte die Verwaltung auf eine gesunde Durchmischung der Mieterschaft achten. Wer ein ruhebedürftiges Ehepaar in unmittelbarer Nähe zur Fussballwiese einquartiert, darf sich nicht wundern, wenn es zu Problemen kommt.

Selbstverständlich hat der Mieter der Gartenwohnung ein Recht auf ungetrübtes Wohnvergnügen. Er kann vom Vermieter sogar verlangen, dass er den Gartensitzplatz «störungsfrei» geniessen kann. Eine ständige Bedrohung durch tieffliegende Fussbälle braucht er sich also nicht gefallen zu lassen.

Ebenso klar ist aber: Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung das freie Spiel in der Gruppe, und das geht nun mal nicht ohne Lärm – eine Ansicht, die auch die meisten Gerichte vertreten. Daher ist es schwer, mit juristischen Mitteln gegen Kinderlärm vorzugehen: Recht und Gesetz helfen bei Krach zwischen spielenden Kindern und ruhebedürftigen Nachbarn nur selten weiter.

Auch böse Worte oder das Aufbieten Dritter führt kaum je zum gewünschten Erfolg. Betroffene Mieter sollten vielmehr das Gespräch mit den Kindern beziehungsweise deren Eltern suchen: Am besten erarbeitet man gemeinsam klare Spielregeln.

Das können Sie bei Kinderlärm tun

  • Suchen Sie direkt das Gespräch mit den Kindern beziehungsweise mit deren Eltern – sagen Sie der Familie aber nicht gleich Schimpf und Schande, sondern legen Sie Ihre Bedürfnisse möglichst sachlich dar und bitten Sie um Rücksichtnahme.

  • Sagen Sie konkret, was Sie wann stört – wenn Sie sich allgemein und zu jeder Zeit über den Lärm von Kindern aufregen, kann das Problem nicht gelöst werden. Erklären Sie, worauf Sie Wert legen und treffen Sie verbindliche Abmachungen, etwa über die Ruhezeiten.

  • Wenn Sie sich weiterhin in unzumutbarem Ausmass gestört fühlen, setzen Sie die Familie darüber in Kenntnis und geben Sie ihr damit Gelegenheit, den Ernst der Lage zu erkennen, bevor Sie zum Beispiel die Verwaltung einschalten.

Das können Sie bei Stress mit Nachbarn tun

  • Zeigen Sie Verständnis und machen Sie deutlich, dass Sie die Anliegen des Nachbarn ernst nehmen – häufig hilft das bereits, die Situation zu entschärfen. Wenn der Nachbar merkt, dass Ihnen seine Bedürfnisse nicht einfach gleichgültig sind, kann er auch eher Verständnis für Ihre Bedürfnisse beziehungsweise jene der Kinder aufbringen.

  • Versuchen Sie gemeinsam mit dem Nachbarn, Regeln aufzustellen, etwa dass die Ruhezeiten strikt eingehalten werden oder beim Gartensitzplatz des Nachbarn Ballspiele tabu sind.

  • Schärfen Sie Ihren Kindern ein, dass sie sich an die gemeinsam vereinbarten Regeln wirklich zu halten haben.

  • Kommt es doch einmal zu einem Regelverstoss, entschuldigen Sie sich beim Nachbarn: Machen Sie deutlich, dass Sie bemüht sind, Rücksicht zu nehmen – das gibt wiederum dem Nachbarn Gelegenheit, sich auch mal grosszügig zu zeigen und über eine Störung hinwegzusehen.


Und warum nicht spielerisch einen Schlussstrich unter «Nachbarschaftskrieg» ziehen? Ein feierlich besiegelter «Friedensvertrag» wirkt oft Wunder.

Mediation bei Nachbarschaftsstreit

Wenn Sie ohne professionelle Hilfe nicht weiterkommen, ziehen Sie eine Mediation in Betracht: Mediation ist nicht nur bei Streit unter Ehegatten eine bewährte Alternative zur herkömmlichen Streiterledigung durch Anwälte und Gerichte, sondern auch unter Nachbarn.

Bei einer Mediation wird unter Leitung einer neutralen Drittperson eine für beide Parteien befriedigende Lösung ausgehandelt. Voraussetzung ist jedoch, dass die Konfliktparteien wünschen, ihren Streit einvernehmlich zu lösen.

Weitere Informationen über Mediation sowie eine Datenbank mit Mediatorinnen und Mediatoren nach Kantonen und Fachbereichen finden Sie beim Schweizerischen Dachverband für Mediation: www.infomediation.ch

Mietshäuser: Kündigung wegen Kinderlärm?

Familien mit Kindern dürfen nicht auf uneingeschränktes Verständnis ihrer Nachbarn zählen. Will der Vermieter einer Familie wegen des Lärms der Kinder die Wohnung kündigen, muss er den Eltern allerdings nachweisen können, dass sie ihre Pflicht auf Rücksichtnahme verletzt haben und sie zunächst schriftlich abmahnen. Falls sich die Situation nicht bessert, ist eine Kündigung mit einer Frist von 30 Tagen auf Monatsende theoretisch möglich.

Die Familie wiederum könnte diese sogenannt ausserordentliche Kündigung innerhalb von 30 Tagen bei der Mietschlichtungsbehörde anfechten und eine Mieterstreckung verlangen. Ein langwieriges Hickhack ist die kaum zu vermeidende Folge, wobei sich die Stimmung im Haus nicht gerade bessern dürfte.

Zudem ist es bei Kinderlärm sehr schwierig, eine Pflichtverletzung nachzuweisen: Kinder machen nun mal bis zu einem gewissen Grad «unkontrollierbaren» Lärm. Nachbarn, die sich damit nicht abfinden können, sollten sich vielleicht besser überlegen, in eine kinderlose Umgebung umzuziehen.

Aber Achtung: Ein Freibrief für Eltern und Kinder ist das nicht! Deutlich über den üblichen Kinderlärm hinausgehende Störungen – insbesondere zu Ruhezeiten – müssen die Nachbarn tatsächlich nicht hinnehmen.

Autor:
  • Marc Caprez
  •  und Beobachter Beratungsteam
Bild:
  • Thinkstock Kollektion