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Schuldensanierung

Kletterhilfen im Finanzloch

Text:
  • Ann Schwarz
Ausgabe:
1/04

In diesen harten Zeiten stehen viele Private vor dem finanziellen Ruin. Im Umgang mit Schulden brauchts Fachleute – je früher, desto besser.

Endlich Luft holen – das wünschen sich alle, die vergeblich gegen einen bedrohlich wachsenden Schuldenberg ankämpfen. Es sind nicht wenige: Allein von Januar bis Ende Oktober 2003 haben laut dem Schweizerischen Verband Creditreform fast 4300 Personen Privatkonkurs angemeldet.

Das Schuldbetreibungs- und Konkursrecht ist kompliziert. Umso nötiger ist fachliche Hilfe. Vorsicht bei privaten Sanierungsbüros: Viele verlangen hohe Vorschüsse und horrende Honorare – ohne Garantie für einen Sanierungserfolg.

Sicher aufgehoben ist man beim Dachverband Schuldenberatung, dem gemeinnützige Stellen aus allen Landesteilen angeschlossen sind. Hier stehen aussergerichtliche Lösungen – also einvernehmliche Schuldentilgungen in Absprache mit den Gläubigern – im Vordergrund.

Für Schuldenfreiheit einiges ertragen


Die Sanierung sollte innert weniger Jahre abgeschlossen werden können. Doch: «Eine Schuldensanierung ist eine harte Sache. Nicht jedermann hält es aus, sich während drei bis vier Jahren aufs Existenzminimum zu beschränken und den Rest des Einkommens den Gläubigern zu überlassen», betont Gerda Haber von der Zürcher Fachstelle für Schuldenfragen. Wer aber gewillt ist, für das Ziel der Schuldenfreiheit einiges auf sich zu nehmen, findet dort nicht nur Beratung und fachliche Hilfe, sondern unter Umständen auch finanzielle Überbrückungshilfe aus gemeinnützigen Fonds.

Erstes Ziel ist der so genannte Dividendenvergleich, auch aussergerichtlicher Nachlass oder Teilerlass genannt. Den Gläubigern wird ein bestimmter Prozentsatz der Forderung zur Ablösung der Gesamtschulden vorgeschlagen. Das Angebot muss für alle Gläubiger im Verhältnis gleich hoch sein. Da Gläubiger bei diesem Verfahren auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten müssen, stimmen sie einer solchen Lösung erfahrungsgemäss nur dann zu, wenn mindestens 30 bis 60 Prozent der offenen Forderungen bezahlt werden.

Eine Alternative ist das stufenweise Abstottern der Schulden mit Zustimmung der Gläubiger, der so genannte Ratenvergleich. Dabei werden mit den Gläubigern monatliche Raten zur Tilgung der Schuld vereinbart. Machen nicht alle Gläubiger bei einer einvernehmlichen Regelung mit, so kann eventuell ein gerichtlicher Nachlassvertrag abgeschlossen werden. Für diesen ist nämlich nur die Zustimmung derjenigen Gläubiger nötig, die zusammen zwei Drittel der Gesamtsumme fordern. Allerdings ist dieses Sanierungsverfahren mit Kosten verbunden.

Die letzte Möglichkeit, der Privatkonkurs, bringt zwar nur eine Verschnaufpause; dennoch hat dieser Weg seine Vorteile: Pfändungen, auch Lohnpfändungen, und Zinsenlauf werden gestoppt. Die Einleitung des Verfahrens ist allerdings kostspielig: Der Vorschuss beträgt je nach Gericht zwischen 1800 und 5000 Franken, während sich die gesamten Konkurskosten auf rund 4000 bis 5000 Franken belaufen (siehe Übersicht «Privatkonkurs», oben).

Die Schulden bestehen 20 Jahre lang


«Der Privatkonkurs ist kein Allheilmittel», warnt Mario Roncoroni, Leiter des Vereins Schuldensanierung Bern. Die finanziellen Verbindlichkeiten bestehen nämlich in Form von Verlustscheinen weiter und können während 20 Jahren jederzeit mittels Betreibung eingefordert werden. Kann oder will der Schuldner nicht zahlen, dann prüft der Richter, ob «neues Vermögen» gebildet werden konnte. Der Betriebene muss dann bis ins Detail seine finanziellen Verhältnisse offen legen.

Generell gilt: Ein Privatkonkurs ist nur dann sinnvoll, wenn jemand genug verdient, um den Lebensunterhalt zu decken, aber doch zu wenig, um gleichzeitig den Schuldenberg abzutragen. Die ideale Lösung besteht darin, dass ein Schuldner sich nach dem Konkurs einschränkt und die Verlustscheine so schnell wie möglich von den Gläubigern zurückkauft.

Nicht zu empfehlen ist der Privatkonkurs bei niedrigen Einkommen. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass sich die Schuldenspirale auch nach dem Konkurs weiterdreht, weil das Geld einfach nicht reicht. Nach kurzer Zeit käme es erneut zu Pfändungen, und die hohen Kosten für den Privatkonkurs wären zum Fenster hinausgeworfenes Geld.

Mitarbeit: Felix Frey

© Beobachter Ausgabe 1 vom 08. Jan 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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