Flugverspätung «Kann ich eine Entschädigung verlangen?»

Die Heimreise vom Badeurlaub in Tunesien war mühsam: Geschlagene drei Stunden mussten wir warten, bis irgendein Defekt behoben war und das Flugzeug abheben konnte. Können wir vom Reisebüro Entschädigung fordern? Alex S.

So unangenehm eine solche Warterei ist – eine Entschädigung dafür können Sie nicht fordern, solche Verspätungen müssen akzeptiert werden. Nach gän-giger Praxis gibt es allerdings eine Grenze: Wenn die Verspätung länger als vier Stunden dauert, haben Reisende eine Entschädigung zugut. So handhabt es zum Beispiel Nicolas Oetterli, der Ombudsmann der Schweizer Reisebranche. Er stützt sich bei der Berechnung der Entschädigung auf die so genannte Frankfurter Tabelle. Die besagt bei Verspätungen: Ab der fünften Stunde kann man für jede weitere Stunde fünf Prozent des Tagesreisepreises zurückfordern. Maximal gibts 20 Prozent des Reisepreises zurück. Diese Praxis gilt dann, wenn der Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht wurde.

Anders sieht es aus, wenn Reisende lediglich den Flug gekauft haben. Dann regeln internationale Abkommen die Entschädigung im Falle von Flugverspätungen: das Warschauer Abkommen, das neue Montrealer Übereinkommen und auch eine neue EU-Verordnung.

Allerdings hat die Schweiz die beiden neuen Regelwerke noch nicht ratifiziert respektive noch nicht übernommen. Das heisst: Je nach Reiseroute ist die eine oder andere Regelung massgebend, und andere Entschädigungslimiten kommen zur Anwendung.

Für viele aktuelle Flugverspätungen lässt sich allgemein immerhin feststellen: Wenn die Fluggesellschaft die Verspätung verschuldet, haftet sie gegenüber ihren Passagieren für daraus entstehenden Schaden. Diesen Schaden müssen die Passagiere jedoch detailliert nachweisen. Und für Ärger und Stress können sie keine Abgeltung verlangen.

Wenn die Fluggesellschaft kein Verschulden trifft, weil zum Beispiel der Luftraum überlastet oder das Wetter schlecht ist, schuldet sie keinen Schadenersatz. Viele Airlines sind allerdings kulant und stellen ihren Passagieren Verpflegung und nötigenfalls auch eine Hotelübernachtung zur Verfügung.

Mitarbeit:
  • Doris Huber
Bild:
  • Bildagentur Keystone
08. Juli 2004, Beobachter 14/2004