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Firmenwerbung: Teure Gratisreportagen

Text:
  • Martin Müller
Ausgabe:
25/00

Mit einem faulen Trick legen deutsche Fachverlage kleine und mittlere Schweizer Unternehmen herein: Angeblich kostenlose Firmenropoertagen entpuppen sich als teure Flops.

Exakt 9552 Mark und 49 Pfennig soll die Zementwarenfabrik Sulser im sankt-gallischen Trübbach nach Deutschland überweisen. Bloss: In Trübbach weiss man nicht so genau, weshalb. Sicher ist: Die Internationale Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft mbH in Mülheim an der Ruhr meints ernst. Sie hat eine Schweizer Rechtsanwältin engagiert, um ihre Forderung einzutreiben.

Was ist passiert? Der von dem deutschen Verlag herausgegebene «Regionaleuropäische Wirtschafts-Spiegel» stelle in «detaillierten Reportagen» Unternehmen und deren Manager im deutschsprachigen Raum Europas und in den wichtigsten Wachstumsregionen Osteuropas vor, warb Chefredaktorin Claudia Küppers in einem Schreiben. In einem «Sonderteil Schweiz» wolle die Redaktion auch einen Bericht über die Zementwarenfabrik Sulser veröffentlichen. Ein Journalist werde demnächst für ein Interview mit einem Geschäftsleitungsmitglied anreisen, «damit eine sachgerechte Darstellung gewährleistet wird».

Fotos kosten – «eventuell»

Vor dem geistigen Auge sah der damals zuständige Sulser-Mitarbeiter bereits die werbewirksame Reportage, liess den Reporter kommen und drückte ihm Fotos aus dem Betrieb in die Hand. Dabei übersah er die Passage im folgenden Abschnitt des Briefs: Der Text sei gratis, nur «eventuell veröffentlichtes Bildmaterial» werde je nach Grösse in Rechnung gestellt. «Wir haben nie über Kosten gesprochen und haben auch nie einen Auftrag oder eine Auftragsbestätigung unterschrieben», sagt Sulser-Betriebsleiter Ernst Rutz.

Das juristische Verfahren ist noch hängig, doch gibt es einige Merkwürdigkeiten. In der Medienbranche ist der «Regionaleuropäische Wirtschafts-Spiegel» ein unbekanntes Blatt. Kein Wunder: Bei der IVW, die für alle deutschen Medien die Auflagezahlen kontrolliert, ist das Magazin zwar verzeichnet, doch die Zahlen sind wenig schmeichelhaft. Gedruckt werden zweimonatlich 10130 Exemplare, davon wird aber der allergrösste Teil gratis verteilt. Bloss 1451 Exemplare werden verkauft – vermutlich an die inserierenden Firmen, denn die Zahl der Abonnenten beträgt offiziell null.

Gern hätte der Beobachter von der Internationalen Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft gewusst, wie deren Zeitschrift aussieht und wer zur Leserschaft zählt. Doch der Verlag hat auf Anfragen nicht geantwortet, und die Zementwarenfabrik Sulser erhielt nie ein Belegexemplar mit ihrer Firmenreportage.

Verdächtig ähnliche Köderbriefe

Die Internationale Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft ist nicht die einzige Firma, die in diesem einträglichen Teich fischt. Opfer sind kleine und mittlere Betriebe, die sich international einen Namen schaffen wollen. Interessant dabei: Nicht nur die Köderbriefe ähneln sich, auch die Namen der dahinter stehenden Verlage sind ähnlich.

So gibt zum Beispiel die Europäische Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft mbH im deutschen Steinfurt die Zeitschrift «Econo» heraus – und fand in Rolf Gross, Mitinhaber der Firma OMD Productions AG in Diessenhofen TG, ein Schweizer Opfer. Gross wusste zwar um die Kosten, als er eine Reportage über seine High-Tech-Firma in Auftrag gab. «Aber der Erfolg ist bescheiden», bilanziert er. Wen wunderts: In «Econo» finden sich auf 74 Seiten 64 Firmen- und Produktporträts – vom Drechslerwerkzeug über Software bis hin zur Speditionslogistik. Ein solches Sammelsurium ist für die anvisierte Zielgruppe, die Manager, doch eher uninteressant.

Dasselbe Muster findet sich beim «Euromarkt» und beim «Business Magazine» aus dem International Business Verlag im deutschen Rheine. Das Basler Reisebüro African Safari Club (ASC) hat für eine doppelseitige Reportage mit fünf Farbbildern rund 10000 Franken bezahlt. Von den 15000 gedruckten Exemplaren des Hefts wird aber weniger als ein Drittel tatsächlich verkauft. Abonniert sind gemäss offizieller Statistik gerade mal 182 Exemplare. ASC-Direktor Hanspeter Rüdin: «Das passiert mir nicht noch einmal.»

© Beobachter Ausgabe 25 vom 08. Dez 2000 - Alle Rechte vorbehalten


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