Das Schulzimmer sieht aus wie ein Bild von Albert Anker, aus dem die Figuren entlaufen sind: enge Pultreihen mit schmalen, harten Bänken, ehrfürchtig auf Tafel und Lehrerpult ausgerichtet, wo des Meisters Insignien liegen: Kreide, Stock und Schwamm. Und vor der Fensterbank steht drohend der gefürchtete Filzhut mit den Eselsohren.

Doch die Szenerie ist jüngeren Datums: Das Schulmuseum Bern zeigt, wie Schweizer Klassenzimmer um 1940 aussahen. Die Dauerausstellung ist im Haberhuus des Schlosses Köniz untergebracht. Der Audioguide-Rundgang durch das historische Schulzimmer dauert 30 Minuten.

Gruppen können auch Schullektionen buchen, zum Beispiel «Lehren und lernen in früheren Zeiten», «Lesen und schreiben wie zu Urgrossmutters Zeiten» oder «Rechnen wie im Mittelalter nach Adam Ries». Dabei erlebt die Generation der Digital ­Natives, wie sich Schule anfühlte, als noch mit Federhalter, Tintenfässchen und Zählrahmen gearbeitet wurde.

Wer daran Gefallen findet und zu Hause weiter üben will, kann sich im Museums­shop mit entsprechenden Utensilien und Unterlagen eindecken.

Interessierte können sogar ein vollständig ausgestattetes Retro-Schulzimmer mieten, zum Beispiel als Deko für eine Schul-Jubiläumsfeier, oder einzelne Gegenstände als Theaterrequisiten. Das Schulzimmer im Museum selbst kam schon im Kino zu Ehren: als Kulisse für den Film «Eine wen iig» über das Berner Stadtoriginal Dällebach Kari von Oscar-Preisträger Xavier Koller.

Für Lehrpersonen gibt es zudem verschiedene «Museumskisten», alte Schulwandbilder und andere Lehrmittel aus früheren Zeiten. Damit wird der Schulalltag selbst zum Unterrichtsgegenstand, die alten Lehrmittel zu Quellentexten.

In der aktuellen Sonderausstellung «Daheim im Schloss» thematisiert das Schulmuseum zudem die Geschichte des Schlosses Köniz als Erziehungsstätte. Denn die Gebäude, in denen heute auch das ­Museum untergebracht ist, dienten ab 1837 unter anderem als «Staatserziehungs­anstalt für Knaben», «Mädchenrettungs­anstalt», «Blindenanstalt» und «Arbeitsheim für schwachsinnige Mädchen».

Quelle: Schulmuseum
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Anreise: Bus Nr. 10 ab Bahnhof Bern bis Schloss Köniz (13 Minuten). Es gibt einen öffentlichen Parkplatz. Das Schulmuseum befindet sich im ersten Stock im Haberhuus.

Öffnungszeiten: mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr; sonntags von 13 bis 16 Uhr (während der Schulsommerferien und über die Feiertage geschlossen)

Weitere Informationen: schulmuseumbern.ch

Eintritt: Kinder bis 16 Jahre gratis, Erwachsene 5 Franken. Das Museum ist nicht rollstuhlgängig.

Verpflegung: Das Restaurant Zum Schloss im Erdgeschoss des Haberhuus bietet saisonale Küche mit heimischen Zutaten. www.zum-schloss.ch