Caros Schulnoten sind im Keller. Die Eltern sind besorgt und nerven sie täglich. «Ich sehe dich nie lernen – du hängst immer auf Facebook», lamentiert die Mutter. «So kannst du später höchstens als Putzfrau arbeiten!», hält ihr der Vater vor Augen.

Und Caro? Die ist gerade 14 geworden und hat alles andere im Sinn als Lernen, Schule und Zukunft. Ihr Berufswunsch schwankt zwar zwischen Tierärztin und Kunstmalerin. Doch momentan will sie abhängen, ihre BFF (Best Friends Forever) treffen, sich cool anziehen, Tabak, Cannabis und Alkohol ausprobieren.

Auch wenn man weiss, dass solche Dinge im Jugendalter normal sind, erfüllt es einen mit Sorge, wenn das eigene Kind unter Schulmüdigkeit leidet. Zu Recht, denn in den letzten beiden Schuljahren werden die Weichen gestellt. Findet das Kind eine Lehrstelle? Oder ist ein Zwischen­jahr besser? Grund genug, das Problem zu thematisieren. Trotzdem bringt steter Druck der Eltern meist wenig. Das erzeugt Gegendruck – und der ist im Jugendalter oft massiv. Was also können Eltern tun, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen und das Kind wieder zum Lernen zu bringen?

Bereiten Sie sich auf ein Gespräch mit Ihrem Kind vor. Klären Sie Pflichten und Rechte: Ihr Kind muss ab sofort seine Hausaufgaben vollständig erledigen und eine gemeinsam vereinbarte Zeit fürs Lernen auf Tests aufwenden.

Klappt das nicht, nennen Sie bereits jetzt die Konsequenzen: Ausgangs-, Handy- oder PC-Verbot. Tut das dem Teenager weh? Gut so, sonst bringt es nämlich nichts. Genauso wenig wie ständiges Nörgeln und Schimpfen Ihrerseits. Die Verantwortung liegt nun beim Jugendlichen, er muss zeigen, dass er es kann. Falls es nicht klappt, greifen oben genannte Folgen.

Eine Nörgelpause kann Wunder wirken

Kommen Sie dafür Ihrem Kind entgegen, indem Sie sich für mindestens einen Monat jeden negativen Kommentar zum Lernverhalten verkneifen. Auch Unterstützung durch Nachhilfeunterricht kommt erst in Frage, wenn Ihr Kind zum Ausdruck gibt, dass es die Schule wieder ernst nimmt. Spielen Sie lieber Tischtennis oder «Eile mit Weile» mit ihm – das bringt Leichtigkeit in die Beziehung und trainiert das Konzentrationsvermögen.

Bevor Sie sich zu einer Nörgelpause entschliessen, sollten Sie allerdings eines nicht vergessen: Manche Teenager fühlen sich zwar durch die elterliche Ermahnung zum Lernen genervt, sind zugleich aber froh, dass sie überhaupt jemand an ihre Pflichten erinnert.

Es kann aber auch tiefer liegende Gründe geben, warum Teenager sich nicht um ihre schulischen Aufgaben kümmern. Die Identitätsfindung im Jugendalter bringt viele Irritationen mit sich. Gemäss Studien leiden sechs bis elf Prozent unter psychischen Störungen wie Depressionen und Ängsten. Bei solchen Problemen ist eine fachliche Unterstützung sinnvoll.

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Caro und ihre Eltern haben nun das beiderseitige neue Verhalten festgelegt. Egal, ob sie eine Lehre macht oder vielleicht doch noch ans Gymnasium geht – die Eltern nehmen ihr Bedürfnis nach Selbstbestimmung ernst und helfen ihr gleichzeitig, die beruflichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.