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AutokaufGut fährt, wer in Euro zahlt

Der günstige Wechselkurs machts möglich: Wer sein Auto im grenznahen Ausland kauft, spart Tausende Franken – ohne grossen Mehraufwand.

Zum Autokauf über die deutsche Grenzen und wieder zurück. Aber Vorsicht: Die Überführungsnummer muss mit!
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Autohändler Thomas Bitz ist bester Laune. «In den letzten Monaten hat sich unser Fahrzeugabsatz in die Schweiz verdoppelt. Wir verkaufen inzwischen jedes zehnte Fahrzeug über die Grenze», sagt der Geschäftsführer von Gohm und Graf Hardenberg. Das Unternehmen ist mit sieben Garagenbetrieben ein Schwergewicht in der Bodenseeregion.

Grund für den Boom im grenzüberschreitenden Verkauf ist der harte Franken. Noch nie bekam man für seinen Franken so viel Euro – und so viel Auto. Eine Beobachter-Stichprobe bei den zehn in der Schweiz meistverkauften Modellen zeigt: Bei den deutschen Nachbarn zahlt man bis zu einem Fünftel weniger.

4300 Franken unmittelbarer Preisvorteil liegen etwa bei einem VW Golf drin, rund 10'000 bei einem Audi A4 oder einem BMW der Dreier-Serie (siehe nachfolgende Tabelle). Mehr als 20'000 Franken sparen kann, wer ein Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse kauft, etwa einen Mercedes der E-Klasse.

Die Schweizer Autoimporteure rechtfertigen die teils happigen Preisunterschiede mit der unterschiedlichen Ausstattung der Modelle oder mit sogenannten Mehrwertpaketen. «Wir bieten laufend attraktive Zusatzausstattungen zu einem subventionierten Paketpreis an», sagt Amag-Vizedirektor Dino Graf. Peugeot Schweiz bietet als Herbstaktion pauschal 3000 Franken Rabatt, BMW Schweiz offeriert das BMW-Service-Plus-Paket (3 Jahre Werksgarantie, 10 Jahre oder bis 100'000 Kilometer Gratisservice).

Deutsche Händler helfen beim Übertritt

Trotzdem: Die Preisdifferenzen sind enorm – und entgegen einem weitverbreiteten Vorurteil verursacht der Kauf eines Autos in einer grenznahen Garage in Deutschland nur einen geringen Mehraufwand. Spätere Garantieansprüche können auch in der Schweiz geltend gemacht werden, der Schweizer Garagist muss sie erfüllen. Rechnen Sie mit mindestens zwei halben Tagen: den ersten für den Kauf, den zweiten für das Vorführen beim Strassenverkehrsamt. Sowohl der Kauf als auch das Vorführen muss während der Woche erfolgen, weil weder die Zollstelle noch das Strassenverkehrsamt am Wochenende geöffnet sind.

Die deutschen Autohändler an der Grenze besorgen bei einem grenzüberschreitenden Verkauf die Ausfuhr des Fahrzeugs. Die Einfuhr am Zoll ist dann Sache des Kunden. Manche Firmen wie etwa der BMW-Händler Gottstein mit Standorten in Bad Säckingen oder Waldshut-Tiengen bieten Schweizer Kunden sogar eine Komplettabwicklung an: Das Fahrzeug wird vorgeführt, abgasgewartet und vor die Haustür geliefert – ohne Aufpreis.

Formalitäten, an die Sie denken müssen

Führen Sie das Auto selber ein, müssen Sie es am Zoll deklarieren. Dazu braucht man nur die Ausfuhrerklärung, das sogenannte EUR.-1-Dokument (ermöglicht die zollfreie Einfuhr von Fahrzeugen aus dem EU- und EFTA-Raum), die Rechnung, den Fahrzeugausweis und die Einfuhrdeklaration. Diese können Sie beim Schweizer Zoll verlangen, die übrigen vier Dokumente bringt in der Regel der Händler mit. Wichtig für die Übernahme am Zoll: genügend Bargeld mitnehmen. Bei der Einfuhr müssen direkt am Zollschalter die Verkehrssteuer in der Höhe von 4 Prozent des deutschen Kaufpreises abzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer sowie die Schweizer Mehrwertsteuer von 7,6 Prozent bezahlt werden. EC-Karten werden nicht akzeptiert.

Man sollte darauf achten, dass das Fahrzeug vom deutschen Garagisten mit einer sogenannten Überführungsnummer ausgestattet wird. Mit dieser kann das Fahrzeug 20 Tage in der Schweiz legal bewegt werden, in Zürich erhält man damit auch eine provisorische Parkkarte. Nach der Einfuhr sollte man dem Strassenverkehrsamt des Wohnkantons möglichst bald die ausländischen Fahrzeugpapiere, den Prüfbericht des Zollamts und das EUR.-1-Dokument zuschicken. Für die Immatrikulation des Fahrzeugs wird auch ein Versicherungsnachweis benötigt. Die Versicherungsgesellschaften übermitteln diesen in der Regel elektronisch an das zuständige Strassenverkehrsamt, sobald eine gültige Haftpflichtversicherung für das Fahrzeug abgeschlossen worden ist.

Nach Sichtung der Dokumente setzt das Strassenverkehrsamt einen Vorführtermin fest. Es ist von einem Zeitbedarf von gut einer Stunde auszugehen. Da es sich um ein fabrikneues Fahrzeug handelt, wird die Prüfung reibungslos vonstatten gehen. Wenn der Beamte Ihnen dann den Schlüssel hinstreckt und «Gute Fahrt» wünscht, dürfen Sie einsteigen – mit der Gewissheit, ein gutes Geschäft gemacht zu haben.

Modell Listenpreis in Deutschland in Euro Kaufpreis in Deutschland in CHF* Listenpreis in der Schweiz in CHF Ersparnis in CHF (in %)
1. Golf Trendline 1.2 TSI 77 kW 18'675 22'830 27'100 4270 (15,8)
2. Skoda Octavia 1.8 TSI 160 PS 22'940 28'043 31'890 3847 (12,0)
3. Polo GTI 1.4 TSI 180 PS 22'500 27'506 32'500 4994 (15,4)
4. Audi A4 2.0 TFSI Quattro 42'195 51'583 62'530 10'947 (17,6)
5. Ford Fiesta Trend 82 PS 13'050 15'953 19'050 3097 (16,3)
6. Opel Astra 1.6 115 PS 20'200 24'694 27'450 2'756 (10,2)
7. BMW 320 d Touring 35'790 43'753 53'600 9847 (18,4)
8. Audi A3 1.6 TDI 24'310 29'718 35'400 5682 (16,0)
9. Peugeot 207 1.4 75 PS 5-türig 12'950 15'831 18'650 2819 (15,1)
10. Seat Ibiza 1.6 TDI CR 105 PS 18'850 23'044 25'950 2906 (11,2)


* Kaufpreis in Franken = Listenpreis Deutschland : 1,19 (deutsche MwSt.) X 1,3 (Wechselkurs) X 1,04 (Verkehrssteuer) X 1,076 (Schweizer MwSt.)

Veröffentlicht am 24. September 2010

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16 Kommentare

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Sonja B.
Richtig, die einzigen die hier in der Schweiz richtig absahnen sind die offiziellen Generalimporteure. Die lachen sich ja ins Fäustchen. Der Garagist macht hier keine Gewinne mehr. Deshalb Direktimport aus Süddeutschland. Ist buzzi-einfach
Roberto
Ich ja gerne bereit, einen Mehrpreis für ein Auto in der Schweiz zu bezahlen, aber die Autos haben keinen Mehrwert in der Schweiz. Man spricht immer von Zusatzausrüstung, von Sicherung von Arbeitsplätzen, von Swissness. Aber leider sind es die Importeure, die entscheiden, was - nicht nur im Automobilsektor - den Konsumenten "zum Frass" bzw. Konsum vorgelegt werden. So hatte ich grösste Mühe, einen Qashai mit 1,6 lt-Motor zu kaufen. Es war nicht mal ein Probefahr-Fzg. im Raume Zürich zur Verfügung. Und mit 4x4 gibt es den 1600Hunderter auch nicht. Unsere Vertriebssysteme sind einfach überholt und wenig konsumentenfreundlich, wir werden ausgebeutet wie im Mittelalter, zahlen überall zu viel und erhalten trotzdem nur mittelmässige Ware.
Mechaniker
Da hat doch der alte Wilhelm Busch wieder recht, der schon vor vielen Jahren schrieb:Und ist der Handel noch so klein,so bringt er mehr als Arbeit ein.
Schorsch
@Pesche Ich habe mir ebenfalls überlegt, was das für Konsumenten sind, die freiwillig so viel mehr zu zahlen bereit sind. Ich würde die beiden nicht als Laveris bezeichnen. Ich vermute eher, dass sie ein bestimmtest Interesse daran haben, dass sich an dieser unvorteilhaften Situation für Autokäufer in der Schweiz nichts ändert. ;-)