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Der Entscheid«Magische Momente in der Jury»

Ständerätin Pascale Bruderer (SP/AG, rechts) präsidiert die Prix-Courage-Jury seit 2012; «Joiz»-Moderatorin Gülsha Adilji ist dieses Jahr erstmals in der Jury. Bild: Philip Leutert

Wie entscheidet man, wer den Preis für besonderen Mut bekommt? Prix-Courage-Jurypräsidentin Pascale Bruderer und Jurymitglied Gülsha Adilji geben Auskunft.

von Martin Müller

Beobachter: Sind die 16-Jährigen Arina Binz und Fitore Kastrati würdige Gewinnerinnen des neuen Next-Generation-Preises?
Gülsha Adilji: Absolut. Die beiden waren meine Favoritinnen. Sie haben eine stille Form von Mut gezeigt, sich um eine gemobbte Kollegin gekümmert. Und sie mussten damit rechnen, dass sie sich vielleicht trotzdem das Leben nimmt – das beschäftigt sie vermutlich weiterhin.
Pascale Bruderer: Ich bin glücklich, dass der Prix Courage immer wieder auch Geschichten in den Vordergrund rückt und Taten wertschätzt, die sonst kaum für gros­se Schlagzeilen sorgen.

Beobachter: Wie kann sich die Jury in die jeweilige Situation der Kandidaten hineinversetzen?
Gülsha Adilji: Bevor ich als Jurymitglied anfing, habe ich gezweifelt, dass man entscheiden kann, ob eine Tat mutiger ist als die andere. Nach der ersten Jury­sitzung weiss ich, dass man das kann. Jedes Mitglied kommt mit einer ersten Einschätzung, dann werden die Argumente gegeneinander abgewogen. Am Schluss ist klar, wem man die Stimme gibt, um mit dem Prix Courage ein Zeichen zu setzen.
Pascale Bruderer: Klar hat jedes Jurymitglied seine eigene Meinung. Oft gibt es aber im Verlauf der Diskussion «magische Momente», in denen wir spüren: Nun ­haben wir einen gemeinsamen Nenner, der alle überzeugt, und einen Entscheid, der für alle stimmt – auch wenn nicht alle ihre Favoriten «durchbringen».

Beobachter: Hat die Jury heuer anders diskutiert als früher?
Pascale Bruderer: Nicht wesentlich anders, denn der «alte» wie der neue Preis soll dieselbe doppelte Strahlkraft entwickeln: Der Prix Courage ist eine Belohnung für die ausgezeichneten Personen – und andererseits eine Ermutigung für alle anderen.

Beobachter: Stellen Sie an die Next-Generation-Kandidaten andere Anforderungen als an die Erwachsenen?
Pascale Bruderer: Nein, auch hier soll die ganze Vielfalt von Zivilcourage zum Zug kommen. Diesmal war es uns wichtig, ein Zeichen für mutige Mitmenschlichkeit zu setzen. Sich nicht von Oberflächlichkeiten oder Hektik des Alltags ablenken lassen, sondern hinschauen, mit offenem Herzen auf andere zugehen und die Hand reichen, wenn jemand Unterstützung braucht – auch das verdient Respekt.

Beobachter: Welche Art von Kandidaten wünschen Sie sich für nächstes Jahr?
Gülsha Adilji: Viele sind in sehr unterschiedlichen Situationen couragiert. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Leute, die von solchen Taten wissen, dem Beobachter davon berichten.
Pascale Bruderer: Gerade die junge Generation sieht sich oft mit dem Vor­urteil konfrontiert, sie sei auf sich bezogen und eher gleichgültig. Zu Unrecht. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass ganz viele junge Menschen gern bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – für sich und die Gesellschaft.

Veröffentlicht am 2014 M11 11