Mutterschaftsvertretungen, Saisonverträge, Praktika Berufseinstieg Was bringt ein Praktikum? , Anstellungen für ein Projekt - Gründe für befristete Arbeitsverhältnisse gibt es viele. Auf Arbeitgeberseite spielen häufig wirtschaftliche Überlegungen mit: Ein schlanker Mitarbeiterstamm, von Fall zu Fall ergänzt durch auf Zeit angestelltes Personal, entlastet das Salärbudget.

Befristete Verträge sind zudem typisch für bestimmte Berufe. So ist in der Schweiz etwa die Hälfte aller angestellten Kulturschaffenden mit befristeten Verträgen tätig, siebenmal häufiger als andere Arbeitnehmer.

Werden Arbeitsverträge für eine bestimmte Zeit fest abgeschlossen, sind sie während ihrer Dauer nicht ordentlich kündbar. Der Grundsatz ist zwar einfach, doch wie so oft steckt der Teufel auch hier im Detail. Im Nachfolgenden finden Sie einen Überblick über häufig gestellte Fragen aus der Beratungspraxis des Beobachters.

Unklare Dauer

Rolf Kramer (alle Namen geändert) wird von einer Firma eingestellt, die gerade ungewöhnlich viele Aufträge zu bewältigen hat. Der Geschäftsführer stellt klar, dass es nicht um eine dauerhafte Beschäftigung gehe; Kramer könne nur so lange bleiben, wie es genügend Arbeit gibt. Vier Monate später ist es so weit: Rolf Kramer brauche nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen, erklärt ihm der Chef.

Damit befindet er sich allerdings auf dem Holzweg. Ein Vertrag, dessen Dauer so ungenau definiert wurde, gilt als unbefristet und muss daher normal gekündigt werden - also im ersten Dienstjahr mit einmonatiger Frist.

Keine Probezeit

Peter Meier lässt sich für die Wintersaison bei einer Bergbahn anstellen. «Von Weihnachten bis Ostern», heisst es im Vertrag. Am 10. Januar kündigt ihm der Arbeitgeber wegen Schneemangels und meint: «Sie sind ja noch in der Probezeit Vertragsänderung Wann verlängert sich die Probezeit?

Ein Blick in den Vertrag zeigt jedoch, dass keine Probezeit vereinbart wurde. Somit läuft der befristete Vertrag ohne Kündigungsmöglichkeit bis Ostern. Meier hat bis zu diesem Zeitpunkt Anspruch auf den vereinbarten Lohn, selbst wenn man ihn nicht beschäftigen kann. Er ist allerdings verpflichtet, nach einer zumutbaren Ersatzarbeit zu suchen, um den zahlungspflichtigen Arbeitgeber zu entlasten.

Mehr zum Arbeitsvertrag bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Einen Arbeitsvertrag unterschreiben sollte man nur, wenn vorher alle Unklarheiten beseitigt sind. Guider zeigt seinen Mitgliedern mithilfe einer Vertragsvorlage auf, welche Punkte unbedingt im Arbeitsvertrag enthalten sein sollten und welches Recht im Zweifel gilt, wenn nichts festgehalten ist.

Vorzeitiger Ausstieg

Die frischgebackene Germanistin Sarah Frei unterschreibt einen einjährigen Praktikumsvertrag, da es ihr nicht gelungen ist, eine Festanstellung zu finden. Wenige Wochen nach Stellenantritt erhält sie doch noch ein attraktives Jobangebot. Jetzt fragt sie sich: «Wie kann ich vorzeitig aus diesem Praktikum aussteigen?»

Sarah Frei bleibt nichts anderes übrig, als mit dem Arbeitgeber über eine einvernehmliche Auflösung des Vertrags zu verhandeln. Eine ordentliche Kündigungsmöglichkeit Den Job kündigen So machen Sie es richtig hat sie nicht. Verlässt sie die Stelle gegen den Willen des Arbeitgebers vorzeitig, kann er von ihr den Viertel eines Monatslohns als Entschädigung verlangen. Ausserdem hat er Anspruch auf weiteren Schadenersatz, sofern er den Schaden beweisen kann.

Verlängerung auf Zusehen

Der Vertrag von Petra Hauser wurde bis 31. März abgeschlossen. Doch Ende März gibt es viel Arbeit, und da die Buchhalterin noch keine neue Stelle gefunden hat, ist der Chef froh, dass Petra Hauser «bis auf Weiteres» in der Firma bleibt. Am 3. Mai erklärt er dann das Arbeitsverhältnis für beendet: Die Pendenzen sind aufgearbeitet - Petra Hauser wird in der Firma nicht mehr benötigt.

Das muss sie nicht akzeptieren. Da Petra Hauser nach Ablauf der festen Vertragsdauer ohne spezielle Abmachung weiter arbeitete, wurde der befristete in einen unbefristeten Arbeitsvertrag umgewandelt. Der Arbeitgeber muss Hauser ordentlich kündigen.

Unsichere Verlängerung

Marco Schmid ist seit vier Jahren in derselben Firma tätig. Allerdings erhält er nur Einjahresverträge und erfährt jeweils im November, ob seine Anstellung wieder um ein Jahr verlängert wird. Schmid macht diese Unsicherheit zu schaffen: «Ist das überhaupt zulässig?»

Solche Kettenverträge sind nicht grundsätzlich verboten. Unzulässig sind sie jedoch dann, wenn es keinen sachlichen Grund dafür gibt und wenn dadurch gesetzliche Ansprüche des Arbeitnehmers sabotiert werden sollen (zum Beispiel Kündigungsschutz). Ein sachlicher Grund ist beispielsweise, wenn die Finanzierung der Stelle alljährlich neu gesichert werden muss. Auf jeden Fall gilt: Werden mehrere befristete Verträge aneinandergereiht, entsteht nicht jedes Mal ein neues Arbeitsverhältnis. Die Gesamtdauer der Verträge ist zu berücksichtigen, wenn es um die Ansprüche des Arbeitnehmers geht, die von den Dienstjahren abhängen, so etwa die Lohnfortzahlung bei Krankheit Lohnfortzahlung bei Krankheit Habe ich einen Anspruch? .

Wann gilt ein Vertrag als befristet?

  • Unmissverständlich ist eine klare schriftliche Regelung im Sinne von: «Das Arbeitsverhältnis dauert vom 1. Juli 20xx bis 31. März 20xx.»
     
  • Die Dauer eines befristeten Vertrags kann aber auch durch den Eintritt eines Ereignisses oder den Abschluss eines konkreten Projekts definiert sein. Steht der Endtermin des Arbeitsverhältnisses nicht von vornherein fest, muss er für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber aufgrund objektiver Kriterien erkennbar sein.
     
  • Hängt die Dauer des Vertrags von einem künftigen Ereignis ab, muss es ausserhalb des Einflussbereichs beider Parteien liegen. Etwa wenn bei der Anstellung an einem Skilift «bis zur Schneeschmelze» in den Vertrag geschrieben wird. Unzulässig wäre, wenn einer der Beteiligten allein beeinflussen könnte, wann dieses Ereignis eintritt, wie im folgenden Fall: Ein Angestellter gab dem Chef ein Darlehen. Vereinbart wurde, dass er «mindestens bis zur vollständigen Tilgung des Darlehens» im Betrieb des Arbeitgebers beschäftigt würde. Laut Arbeitsgericht Zürich war dies eine unzulässige Befristung, da es der Arbeitgeber jederzeit in der Hand hatte, das Arbeitsverhältnis durch Rückzahlung des Darlehens zu beenden.

Befristete Verträge: Das ist zu beachten

  • Ein befristetes Arbeitsverhältnis endet automatisch, ohne Kündigung.
     
  • Eine vorzeitige Vertragsauflösung ist nur im gegenseitigen Einvernehmen möglich. Ausnahme ist die fristlose Kündigung aus wichtigen Gründen. Allerdings braucht es dazu einen schwerwiegenden Vertragsbruch der Gegenseite (Betrug, Tätlichkeiten).
     
  • Da nicht gekündigt wird, gibt es bei befristeten Verträgen auch keinen Kündigungsschutz. Das Arbeitsverhältnis endet auch dann, wenn die Arbeitnehmerin schwanger oder der Mitarbeiter erkrankt ist.
     
  • Befristete Verträge beginnen nur dann mit einer Probezeit, wenn dies vereinbart wurde. Während der Probezeit kann mit einer Frist von sieben Tagen gekündigt werden. Danach läuft das Arbeitsverhältnis unkündbar bis zum Endtermin.
     
  • Die Befristung eines Vertrags muss für beide Parteien gelten. Nicht zulässig ist, dass sich nur einer bindet, der andere aber jederzeit kündigen kann.
     
  • Mitunter werden auch in befristeten Arbeitsverträgen Kündigungsfristen vereinbart. Das ist erlaubt. Allerdings handelt es sich dann nicht mehr um einen befristeten, sondern um einen herkömmlichen Vertrag «mit Maximaldauer».