«Das Urteil ist endlich da!», schreit Viola in den Hörer. Am Abend zuvor, sechs Stunden Schlaf dazwischen, hat sie einen Anruf ihres Anwalts erhalten: «Wir haben gewonnen», hatte er gesagt. Sie wechselten wenige Worte, Viola ballte die Faust. «Da werden einige staunen, wenn sie hören, dass eine Sexarbeiterin vor Gericht recht bekommen hat.»

Vor fast einem Jahr hatte die Schweizerin – sie nennt sich Gräfin Viola – Klage gegen die Betreiberin eines Sadomaso-Studios in Schlieren ZH eingereicht. Gegen den «Cirque Bizarre», in dem sie elf Monate gearbeitet hatte. Der Streitpunkt: die Form des Arbeitsverhältnisses und eine Kündigung .

Alles hatte mit einem Autounfall im Juli 2018 begonnen. Viola füllte noch im Rettungswagen, mit leichtem Schleudertrauma, das Unfallformular aus. Ihre Unfallversicherung wies den Fall ab, weil sie nicht selbständig erwerbstätig sei. Viola begann, sich zu informieren, zu recherchieren, und realisierte: Ihr arbeitsrechtliches Verhältnis Freie Mitarbeiter Gelte ich als selbständig oder angestellt? war nicht geklärt.

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Chefin verweigert Lohn

Zwei Wochen später wurde Gräfin Viola per SMS fristlos entlassen Kündigung Einfach so vor die Tür gesetzt? – weil sie krankgeschrieben Arbeitsrecht Krankgeschrieben – was heisst das? war. Sie forderte die Betreiberin des Sexstudios auf, ihr den Lohn im Rahmen der gesetzlichen Kündigungsfrist fortzuzahlen. Darauf ging ihre Chefin nicht ein. Sie behauptete, Viola sei selbständig und habe bloss eine Raummiete bezahlt.

Doch die Sozialversicherungsanstalt Zürich teilte mit, dass die Studiobetreiberin die Versicherung abschliessen und Sozialabgaben hätte bezahlen müssen – und dass Viola angestellt war.

Diese Einschätzung teilt jetzt auch das Arbeitsgericht Dietikon ZH. Es sei davon auszugehen, dass ein Arbeitsverhältnis bestanden habe, weil wesentliche Merkmale eines Arbeitsvertrags Arbeitsvertrag Erst lesen, dann unterschreiben! erfüllt waren, wenn auch nur mündlich abgeschlossen Obligationenrecht Hoppla, ist das jetzt ein Vertrag? .

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Viola konnte die Räume im «Cirque Bizarre» nutzen und folgte einem klaren Arbeitsplan. Das Studio übernahm Werbung und Werbekosten. Nur ihre Stammgäste kontaktierten die Domina persönlich. Auch dass sie 40 Prozent ihrer Einnahmen abgab, spreche dafür, dass ein Arbeitsverhältnis bestanden habe. Genau wie die fixe Preisliste, die im Eingangsbereich des Studios hängt.

Wenn die Betreiberin des Sexstudios keine Berufung einlegt, wird das Urteil Ende April rechtskräftig, und die Domina erhält den geforderten Lohn und eine Entschädigung von 6300 Franken.

Behörden haben Mühe

«Das ist ein bedeutsames Urteil. Denn es stärkt den Arbeitnehmendenschutz im Sexgewerbe», sagt Jacqueline Suter, Vorstandsmitglied von Prokore, einem Netzwerk zur Verteidigung der Rechte von Personen in der Erotikbranche. Es gebe zwar ein Urteil des Bundesgerichts von 2011, das die Frage nach der Arbeitsform zu klären versuchte. Und die Schweiz akzeptiert Sexarbeit Sex in der Corona-Krise Prostituierte arbeiten trotz Verbot weiter seit 1973 als gewerbliche Tätigkeit und unterstellt sie dem Schutz der Wirtschaftsfreiheit. Doch Behörden tun sich bis heute schwer, einen rechtlichen Rahmen zu setzen, um die Arbeitsform von Sexarbeitenden zu definieren.

Das zeigt sich auch im Entscheid aus Dietikon. Das Gericht hatte sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob ein Arbeitsvertrag mit einer Domina überhaupt zulässig ist. Rechtlich gesehen muss die Arbeit im Erotikgewerbe auf Freiwilligkeit beruhen, um nicht als illegal und als Zuhälterei zu gelten. Das zu überprüfen, sei jedoch schwierig.

«Aber man muss dafür sorgen, dass die Sexarbeitenden – wie Leute in jedem anderen Gewerbe – eine Wahlfreiheit haben und selbst entscheiden können, ob sie selbständig oder unselbständig erwerbstätig sein wollen», sagt Jacqueline Suter. Die verschiedenen Ämter handhabten den Bestimmungsrahmen dieser Arbeitsform widersprüchlich. «Dabei würde eine klare Handhabung mehr arbeitsrechtliche Sicherheit für die Sexarbeitenden bedeuten.»

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Quelle: Beobachter Edition

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Martin Vetterli, stv. Chefredaktor

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