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TeilzeitarbeitKeine Angestellten zweiter Klasse

Oftmals wissen die Teilzeitarbeitenden zu wenig über ihre Rechte. Hier erfahren Sie, worauf zu achten ist.

Wer regelmässig Teilzeitarbeit leistet, sollte auf einem Monatslohn beharren. Dieser garantiert ein regelmässiges Einkommen, unabhängig von Feiertagen und Kurzabsenzen.
von aktualisiert am 05. März 2018

Arbeiten «nach Mass» zu 40, 50 oder 80 Prozent ist für Angestellte attraktiv. Sowohl bei Männern wie bei Frauen nimmt die Zahl der Teilzeitbeschäftigten seit Jahren stetig zu behandeln viele Arbeitgeber Arbeitnehmende, die kein volles Pensum leisten, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zweiter Klasse und nutzen sie als billige Arbeitsreserve aus.

Grundsätzlich gilt jedoch: Teilzeitbeschäftigte haben die gleichen Rechte wie das Vollzeitpersonal. Ob sie tage- oder stundenweise, regelmässig oder unregelmässig zum Einsatz kommen, spielt dabei nur eine geringe Rolle. Achten Sie auf:

Arbeitsvertrag

Schriftliche Arbeitsverträge verlangt das Gesetz nicht. Gerade Teilzeitbeschäftigte müssen sich besonders häufig mit mündlichen Zusagen zufriedengeben. Diese sind zwar verbindlich, aber nur schwer zu beweisen. Beharren Sie deshalb auf schriftlichen Vereinbarungen: Mindestens Lohn, Arbeitszeit, Lohnzahlung im Krankheitsfall und Tätigkeitsbereich sollten darin festgehalten werden.

Verweigert der Arbeitgeber einen schriftlichen Vertrag, bleibt die Selbsthilfe: Bestätigen Sie in diesem Fall dem neuen Chef die mündlichen Abmachungen in einem eingeschriebenen Brief. Doch selbst wenn nichts Schriftliches vorliegt, ist nicht alles verloren. Die Schutzbestimmungen des Obligationenrechts gelten auch für Teilzeiter.

Arbeitszeit

Wer vertraglich eine feste Arbeitszeit oder wenigstens ein Mindestpensum vereinbart, hat die besseren Karten. Nur so lassen sich allfällige Überstunden nachweisen, und man riskiert nicht, bei Betriebsflaute ohne Lohn nach Hause geschickt zu werden. Wichtig: Bieten Sie in derartigen Fällen Ihre Arbeitskraft im vertraglichen Ausmass ausdrücklich an. Der Arbeitgeber bleibt dann zur Lohnzahlung verpflichtet, selbst wenn er Ihnen nicht genügend Arbeit zuweist.

Vorsicht bei Verträgen auf Abruf. Sie bieten keinerlei finanzielle Sicherheit und eignen sich deshalb nur für Personen, die nicht auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen sind.

Überstunden

Überstunden leistet, wer über die vereinbarte Zeit hinaus tätig wird. Die Teilzeitsekretärin mit einem Pensum von 20 Stunden macht also von der 21. Stunde an Überstunden. Diese Mehrzeit muss laut Gesetz durch Freizeit kompensiert oder mit 25 Prozent Lohnzuschlag entschädigt werden. Doch aufgepasst: Im schriftlichen Arbeitsvertrag lässt sich etwas anderes vereinbaren - zum Beispiel, dass Überstunden gratis zu leisten sind.

Lohn

Wer regelmässig Teilzeitarbeit leistet, sollte auf einem Monatslohn beharren. Dieser garantiert ein regelmässiges Einkommen, unabhängig von Feiertagen und Kurzabsenzen. Stundenlöhnern gehen an Feiertagen nämlich leer aus. Ausnahme ist der 1. August, der auch im Stundenlohn bezahlt ist, sofern er auf einen Arbeitstag fällt.

Ferien

Auch Teilzeitbeschäftigte haben – unabhängig von Stunden- oder Monatslohn – Anspruch auf mindestens vier Wochen Ferien jährlich. Während der Ferien ist der gleiche Lohn geschuldet, als wenn gearbeitet worden wäre. Die Ferien werden meist in Tagen oder Stunden berechnet, deshalb haben Teilzeitbeschäftigte weniger Ferientage zugute und müssen für eine Woche Ferien auch weniger Ferientage in Anspruch nehmen.

Bei unregelmässiger Teilzeitarbeit ist es erlaubt, den Ferienlohn einfachheitshalber mit einem Zuschlag zum Stundenlohn auszubezahlen. Die Höhe des Feriengeldes muss schriftlich festgelegt werden und aus jeder Lohnabrechnung ersichtlich sein. Klauseln wie «Stundenlohn 22 Franken, inklusive Ferien» sind unkorrekt. Wer auf diese Weise abgespeist werden soll, kann das Feriengeld zusätzlich einfordern. Die Verjährungsfrist beträgt fünf Jahre. Für vier Wochen Ferien ist ein Lohnzuschlag von 8,33 Prozent geschuldet, für fünf Wochen 10,64 Prozent.

Krankheit und Unfall

Angestellte, die wegen Krankheit nicht arbeiten können, haben – unabhängig von ihrem Pensum – Anspruch auf Lohnfortzahlung, sofern das Arbeitsverhältnis mindestens drei Monate gedauert hat. Im ersten Dienstjahr sind allerdings nur gerade drei Wochen Krankenlohn geschuldet. Danach eine angemessen längere Zeit. Die genaue Dauer sollte im Arbeitsvertrag stehen. Andernfalls geben die Arbeitsgerichte Auskunft.

Bei Arbeitsunfähigkeit während der Schwangerschaft ist der Lohn im gleichen Umfang geschuldet. Nach der Geburt besteht während 14 Wochen Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung gemäss EO.

Wird jemand wegen eines Unfalls arbeitsunfähig, springt die obligatorische Unfallversicherung ein. Aber: Wer wöchentlich weniger als acht Stunden beim gleichen Arbeitgeber jobbt, ist nur gegen Berufsunfälle (inklusive Arbeitsweg) abgesichert. Den Lohnausfall bei Freizeitunfällen übernimmt dann der Arbeitgeber – allerdings nur für eine relativ kurze Zeit, gleich wie bei Krankheit. Die Heilungskosten (Arzt, Spital) trägt die Krankenkasse. Der Nachteil dabei: Im Gegensatz zur obligatorischen Unfallversicherung gehen hier Franchise und Selbstbehalt zu Lasten des Versicherten.

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Wer in einem besonderen Arbeitsverhältnis steht, hat meistens Sonderbestimmungen zu beachten. Guider erläutert seinen Mitgliedern, welche Rechtsfragen sich unter anderem bei einer Teilzeitarbeit, bei Arbeit auf Abruf, bei Mehrfachbeschäftigungen oder bei Anstellungen in Privathaushalten stellen können.

Gratifikation

Die Gratifikation ist eine freiwillig erbrachte Leistung und nur dann geschuldet, wenn sie vertraglich vereinbart worden ist oder vom Arbeitgeber jahrelang vorbehaltlos ausgerichtet wurde. Schriftliche Abmachungen bezüglich Höhe, Fälligkeit und Pro-rata-Auszahlung der Grati bei Austritt während des Jahres bewahren vor späterer Enttäuschung. Am vorteilhaftesten ist ein 13. Monatslohn. Dies ist ein fester Lohnbestandteil, der auch in schlechten Zeiten nicht gekürzt oder gestrichen werden kann. 

Pensionskasse

Nur wer jährlich mehr als 21'150 Franken verdient, kommt in den Genuss der obligatorischen betrieblichen Altersvorsorge. Angestellte mit kleinem Pensum haben also unter Umständen gar keine berufliche Altersvorsorge. Ein weiterer Nachteil für Teilzeitbeschäftigte ist der sog. Koordinationsabzug: Dieser Betrag, gegenwärtig 24'675 Franken, wird vom Jahreseinkommen abgezogen, um den versicherten Lohn zu ermitteln. Würden Sie also mit einer Teilzeitstelle 35'000 Franken im Jahr verdienen, wären Sie bei der PK für 10'325 Franken versichert (35'000 minus 24'675 Franken). Manche Vorsorgeeinrichtungen passen jedoch den Koordinationsabzug dem Teilzeitpensum an. Das Pensionskassenreglement gibt darüber Auskunft.

Wer bei verschiedenen Arbeitgebern tätig ist und insgesamt über 21'150 Franken verdient, kann sich freiwillig versichern – entweder in der Pensionskasse eines Arbeitgebers oder in der gesamtschweizerischen Auffangeinrichtung. Der jeweilige Arbeitgeber ist dann verpflichtet, die Hälfte der Prämien zu übernehmen. Lesen Sie dazu auch: Altersvorsorge bei Teilzeitarbeit.

Kündigung

Teilzeitbeschäftigte sind keine Manövriermasse. Sie können nicht beliebig geholt oder geschickt werden. Auch wenn kein schriftlicher Vertrag vorliegt, sind die gesetzlichen Kündigungsfristen von beiden Seiten einzuhalten. Wer sich nichts zuschulden kommen liess und von heute auf morgen entlassen wird, sollte auf Einhaltung der Kündigungsfrist pochen. Im ersten Dienstjahr ist dies ein Monat, vom zweiten bis zum neunten Dienstjahr sind es zwei, danach drei Monate.

Im schriftlichen Arbeitsvertrag dürfen andere Fristen vereinbart werden (mindestens aber ein Monat). Beachten Sie, dass es bei Krankheit, Militärdienst und Schwangerschaft einen speziellen Kündigungsschutz gibt, der uneingeschränkt auch für Teilzeiter gilt. Lassen Sie sich beraten.

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