Fabienne Reuteler sitzt daheim und büffelt. Die Snowboardweltmeisterin 2002 bereitet sich auf die Zwischenprüfungen an der deutschen Fernuniversität Hagen vor. Dort studiert sie im achten Semester Wirtschaft. «Ich will am Ende meiner Sportkarriere nicht ohne Ausbildung dastehen», sagt die Zürcherin.

Der Besuch einer herkömmlichen Universität kam für die 23-Jährige aus Zeitgründen nicht in Frage. Das Fernstudium hingegen ermöglicht es ihr, sich im Winter ganz auf die Wettkämpfe zu konzentrieren. Im Sommer brütet die Profisportlerin dann über der Wirtschaftsmaterie. Das fällt ihr nicht immer leicht: «Es braucht enorm viel Selbstdisziplin.» Über Probleme diskutiert sie im Internet in Newsgroups und per E-Mail mit Professoren.

Flexible Zeiteinteilung

Um an der Uni Hagen ein Fernstudium absolvieren zu können, muss man eine Matura haben. Angeboten werden Diplom-, Bachelor- und Masterstudiengänge in den Fächern Mathematik, Elektrotechnik, Wirtschaft, Informatik, Kultur- und Sozialwissenschaften. Der Abschluss ist in der ganzen EU und dank Bildungsabkommen auch in der Schweiz anerkannt.

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Doch auch Leute, die nie das Gymnasium besucht haben, müssen nicht auf ein Studium verzichten. Die britische Open University zum Beispiel steht allen Fernstudierwilligen offen. Allerdings sind für die Mehrheit der Fächer sehr gute Englischkenntnisse Voraussetzung. Christine Winstanley studiert an der Open University englische Linguistik. Für die 35-Jährige ist klar: «Hätte ich vor zehn Jahren von diesem Angebot gewusst, hätte ich meine Ausbildung zur Sekundarlehrerin nicht an der Uni Bern gemacht.»

Die Mutter eines dreijährigen Kindes arbeitet Teilzeit als Englischlehrerin und schätzt es, ihre Zeit flexibel einteilen zu können. Zudem entfällt der Anfahrtsweg. «Aber man muss von Beginn an genügend Zeit einkalkulieren», warnt Winstanley. An der Open University wird von Februar bis Oktober studiert, in den übrigen Monaten können die Studierenden Vorbereitungskurse für das nächste Jahr belegen. Sommerferien liegen meist nicht drin.

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Auch Beat Stemmler hat im Moment sehr wenig Freizeit. Er arbeitet zu 90 Prozent und studiert nebenbei Wirtschaftsinformatik an der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS). Zusätzlich zum Fernunterricht treffen sich die FFHS-Studenten an zwei Samstagen pro Monat in einem der Regionalzentren.

Die Studiengebühren an der FFHS belaufen sich auf 1500 Franken pro Semester, inklusive Material. Zum Vergleich: An der Fernuni Hagen sind es 400 bis 600 Franken pro Semester, an der Open University muss man für ein Bachelorstudium mit total 14000 bis 16500 Franken rechnen. Private Anbieter von Fernstudien sind meist teurer und nicht immer sind deren Abschlüsse staatlich anerkannt.

Beat Stemmler schätzt die tiefen Gebühren, hat sich aber in erster Linie für die FFHS entschieden, weil er so weiterhin seinem Beruf als Betriebswirtschafter nachgehen kann. «Bei der jetzigen Wirtschaftslage überlegt man sich zweimal, den Job für ein Studium zu kündigen», sagt der 32-Jährige. Stemmler rät, sich ein Fernstudium gut zu überlegen: «Wenn man jeden Abend drei Stunden lang lernt, reduziert sich der Freundeskreis rasch. Und es braucht einen verständnisvollen Partner.»

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www.fuh.ch (Fernuni Hagen)

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