Das Appenzellerland ist nicht aus Käse. Und in seinen Bächen fliessen weder Milch noch Honig. Dafür sprudelt jeden Sonntag auf 1663 Metern über Meer Schokolade aus einer Fontäne. Und der Weg dorthin ist erst noch weniger beschwerlich als derjenige ins Schlaraffenland: Statt sich durch den Griessbreiberg zu mampfen, reicht es, an der Talstation der Kronbergbahn in Jakobsbad AI ein Kombibillett für Bahnfahrt und Sonntagsbrunch im Bergrestaurant Kronberg zu kaufen. Alsdann in die gelbe Gondel steigen und mit ein wenig Glück während der Fahrt aus luftiger Höhe eine Rehfamilie beim morgendlichen Äsen beobachten.

Der erste Eindruck auf Gipfels Höh? Ein Bergrestaurant, wie sie in den siebziger Jahren auf unzähligen Bergspitzen gebaut wurden. «Eine Bahnhofshalle», wie Wirt Gerald Höhenberger sein Restaurant nennt. Doch der Blick aus dem Fenster lässt Architektur und Interieur leicht vergessen: Der Kronberg bietet im Norden freie Sicht weit über die Landesgrenzen und den Bodensee hinweg und südlich auf die Alpsteinbergkette mit Säntis, Schäfler und Ebenalp.

Dass sich früh aufstehen auch kulinarisch lohnt, zeigt ein Blick aufs Buffet: luftige Züpfe und andere Brotwaren, Fleisch, Käse, die ganze Flockenparade, Rührei und Speck. Früchte und Säfte. Gerstensuppe und Appenzeller Käsfladen. Und für grosse und kleine Naschkatzen Vanillecreme und den eingangs erwähnten Schoggibrunnen. Das Publikum ist gemischt. Am Nebentisch jasst ein älteres Ehepaar nach dem Schlemmen und vor dem Wandern erst mal eine Runde. «Meist sind wir ausgebucht. Dann haben wir bis vormittags um zehn bereits 120 Gäste bedient», sagt Yvonne Hauser, Gastgeberin und Höhenbergers Partnerin.

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Quelle: Daniel Ammann

So gestärkt – im einen oder andern Fall dürfte wohl das Wort «überfressen» angebracht sein –, lässt sich der Weg zurück ins Tal gut in Angriff nehmen. Die Aussicht ist berauschend. Je nach Route führt der Weg vorbei an der Jakobsquelle, deren Wasser Heilkraft zugesprochen wird. Mindestens Unterhaltungskraft hat das Schatzsuchset für Familien. Es enthält Kompass, Spiegel sowie Karten, mit denen sich an den einzelnen Stationen codierte Botschaften entschlüsseln lassen. Das Ganze ist nicht ganz einfach, kleinere Kinder brauchen auf jeden Fall Hilfe. Wers schafft, gewinnt einen Preis – der hier natürlich nicht verraten sein soll. Der Schatz lässt sich übrigens auch bergwärts erwandern.

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Spätaufsteher kommen kulinarisch mindestens so auf ihre Kosten wie die «early birds»: Gerald Höhenberger ist ein von Gault Millau ausgezeichneter Haubenkoch, der schon in etlichen Lokalen im In- und Ausland für Spitzengastronomie gesorgt hat. «Natürlich kann ich hier auf dem Berg keine Haute Cuisine anbieten, an schönen Tagen kommen immerhin gegen 2000 Besucher zu uns», sagt er. «Aber ich versuche, mit naturbelassenen Produkten gepflegte, währschafte Küche anzubieten.» Anfangs habe er die Vertreter von Hügli und Co. wegschicken müssen – Beutelware kommt ihm nicht in den Topf. Auch die Menage mit Aromat und Maggi-Würze sucht man vergeblich. «Bei uns gibts Salz und Pfeffer, das muss reichen.»

Naturbelassene Produkte für die währschafte Küche: Yvonne Hauser und Gerald Höhen­berger

Quelle: Daniel Ammann
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Mit einer Internetannonce fing es an

Und auf welchen verschlungenen Pfaden hat es den Haubenkoch aus Oberösterreich ins Appenzellerland verschlagen? Vor gut einem Jahr besuchte Höhenberger seine Partnerin Yvonne Hauser, die in St. Gallen lebte. Als Freizeitprogramm hatten sie sich einen Ausflug auf den Kronberg ausgedacht. «Als wir im Internet die Abfahrtszeiten der Bahn nachschauten, stach uns ein Eintrag ins Auge. ‹Wirtepaar gesucht›, hiess es da», erzählen die beiden, die sich 2003 in Guatemala kennengelernt hatten. «Wir wollten schon lange gemeinsam etwas auf die Beine stellen», sagt Yvonne Hauser. «Ich komme aber aus dem KV-Bereich. Ein Restaurant führen war für mich nicht erste Wahl.» Trotzdem entschieden sie sich, das Wagnis einzugehen, zumal Höhenberger auch schon in Appenzell gearbeitet hatte und den hiesigen Dialekt besser als mancher Schweizer versteht. «Innert zweier Wochen unterschrieben wir.»

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Gut für die Gäste. Statt Dosensuppe gibts Hausgemachtes. Etwa Hackbraten wie vom Grosi, nur besser. Der Kalbsbraten ist so zart, wie Kalbsbraten nur sein kann. Und wenn am Nebentisch dem Bauern im Sonntagsstaat ein Bananensplit aufgetragen wird, fallen ihm fast die Augen aus dem Kopf. Er staunt über die Physalisfrucht, die – ortsfremd – den Berg von einem Dessert ziert. Er weiss kaum, wo anfangen, macht sich dann bedächtig daran, das Massiv aus Schlagrahm, Obst und Eis abzutragen. Sie hätten Bedenken gehabt, ob die eigenbrötlerischen Innerrhödler sie akzeptieren würden, erzählt Hauser. «Ich kriegte sie dann aber mit meinem österreichischen Schmäh rum», sagt Höhenberger und grinst.

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Quelle: Daniel Ammann
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(Schatz-)Wanderung nach Jakobsbad (2,5 Stunden, 800 Höhenmeter)

Es gibt ­verschiedene Wege nach Jakobsbad, der hier eingezeichnete entspricht in etwa der Schatzsuche. Mehr sei hier nicht verraten. Das Schatzsuchset gibt es an der Talstation für 15 Franken zu mieten. Ein Tipp: Die Route übers Löchli ist nichts für Wanderer mit Knieproblemen, sie ist sehr steil.

Seilpark

Bei der Talstation wartet ein Seilpark auf die, die noch Kraft haben. Nach ­einer kurzen Instruktion gehts los in luftige Höhen. Sehr anstrengend, aber spannend. Mindestgrösse: 140 Zentimeter, Mindestalter: acht Jahre, Höchstgewicht: 120 Kilogramm. Jugendliche bis 14 nur in Begleitung.

Quelle: Daniel Ammann
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Bobbahn

Am Fuss des Kronbergs bei der ­Talstation gibt es eine Bobbahn. Rasante Fahr­ten sind garantiert, man kann aber ­selber bremsen und so die Geschwindigkeit steuern. Sollte der eine oder andere Hut ­verlorengehen: Die Betreiber gehen regelmässig die Strecke ab und sammeln Kappen ein. Beim Start können die Fundstücke ­wieder in Empfang genommen werden.

Quelle: Daniel Ammann

Appenzeller Brotsuppe

Rezept für 4 Personen

40 Gramm Butter erhitzen, 1 fein ­geschnittene Zwiebel dazugeben und darin andünsten. 150 Gramm hartes Brot kleinschneiden und dazugeben, danach mit 1,2 Liter Bouillon auffüllen. Mit Kümmel nach Belieben würzen. ­Etwa 35 Minuten köcheln ­lassen, mixen und durch ein Sieb ­passieren. Mit einem halben Deziliter Rahm ­verfeinern und mit Salz und Pfeffer ­abschmecken. Mit Schnittlauchröllchen garnieren.

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