Juchzen die Jodler in neuer Uniform oder schwingen die Schützen eine frische Fahne: Pfarrer Edgar Hasler segnet sie ein. Die Sportanlage in Lachen SZ erhält genauso ihren kirchlichen Segen wie das Feuerwehrauto. Auch an der Chilbi und an der Fasnacht ist die katholische Kirche stets irgendwie mittendrin.

Edgar Hasler, 64, mit gemütlichem Seehundschnauz und randloser Brille, sagt: «Man muss auf die Leute zugehen, das Wort Mission mit Leben füllen.»

Auch wenn es ums Spenden geht, lässt er sich etwas einfallen. Im Oktober verteilte Hasler am Erntedanktag den Kirchgängern Zwanzigernoten – mit der Auflage, sie zu vermehren. Nun, vier Monate später, zum Suppentag, zieht der umtriebige Pfarrer Bilanz über die «Aktion Mehr-Wert»: Aus 30 Banknoten sind 600 geworden. Oder 12'000 Franken, die nun Strassenkindern in Mumbai zugutekommen.

Die Idee war: Die Leute sollten die 20 Franken als Startkapital in eine Geschäftsidee investieren und so Geld einnehmen. «Gott will, dass wir unsere Begabungen einsetzen», erklärt der Pfarrer. Und erinnert an das Gleichnis von den Talenten im Matthäus-Evangelium, wo derjenige, der sein Geld versteckt und nicht damit arbeitet, als Taugenichts verstossen wird.

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Schuhe putzen und über Gott reden

So weit wollten es die Lachner nicht kommen lassen. Eine 91-jährige Dame kaufte für die 20 Franken Wolle, strickte Socken und verkaufte sie. Andere buken Muffins, Zöpfe, Kuchen oder veranstalteten einen Fondue-Abend, wobei für jedes versenkte Brotstück eine Spende fällig wurde. Eine Familie kaufte Putzzeug und wusch und polierte Autos. Jemand vermehrte sein Nötli um das Achtzigfache mit selber gemalten Trauer- und Weihnachtskarten. Ein Schlaumeier kaufte sich ein Los – und gewann.

Pastoralassistent Martin Weick investierte seine Zwanzigernote in eine Schuhputzkiste, Bürsten und Lappen. Die Schuhcreme stibitzte er seiner Frau. Weick setzte sich einen Samstag lang vor das Obersee-Center, baute sein Podest auf und bürstete, cremte und polierte Schuhe der Passanten. «Das Schöne dabei: Die können nicht weglaufen.» Der Kirchenmann führte während des Schuhreinigens gleichzeitig «seelsorgerische Gespräche», um Kirchenmitglieder zu werben. Der Erlös: 649 Franken.

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Das ist viel, zumal jeder Passant den Pastoralassistenten nach eigenem Ermessen entlöhnen durfte. Weick verrät das Geheimnis: immer erst vollständig den einen Schuh putzen – erst dann den zweiten in Angriff nehmen. Denn nur so bemerkt der Kunde so richtig den Unterschied zwischen sauber und schmutzig, zwischen vorher und nachher. «Man muss sich eben gut verkaufen», zwinkert Pfarrer Hasler.