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PartnerschaftWenn Alltagsstress zum Beziehungskiller wird

In einer Partnerschaft genügen oft kleine Dinge, um sich aneinander zu reiben. Damit daraus keine ernsthafte Krise wird, sollte man Ärger nicht unterdrücken, sondern darüber sprechen. Testen Sie Ihren Kommunikationsstil.

Wenn ein Mann abends mit Blumen nach Hause kommt und seine Frau denkt: «Aha, er hat ein schlechtes Gewissen», ist es um die Beziehung wahrscheinlich nicht mehr allzu gut bestellt.
von aktualisiert am 01. Februar 2018

Einer der Hauptgründe für Trennungen und Scheidungen ist Beziehungsstress. Schweizer Studien zeigen, dass sich die Kommunikation von Paaren unter Stress im Schnitt um 40 Prozent verschlechtert. Wenn nämlich unsere Nerven gespannt sind, reagieren wir schneller gereizt oder unüberlegt.

Wenn Partnerschaften unglücklich verlaufen, heisst das nicht unbedingt, dass die Partner nicht zusammenpassen. Einen grossen Einfluss auf den Verlauf der Partnerschaft haben externe Stressfaktoren. Es sind die kleinen Alltagswidrigkeiten, die sich summieren und viele Paare schleichend in die Krise treiben.

Wie bei Hugo und Monika M. Als er abends nach Hause kommt, hat ihm seine Frau etwas Besonderes gekocht. Doch er nimmt es schlicht nicht zur Kenntnis. Gereizt zieht er sich vor den Fernseher zurück. Monika ist verletzt und stellt, nun ihrerseits aufgebracht, ihren Mann zur Rede. Statt die Ursache für seine Verstimmung zu erklären, faucht Hugo seine Frau bloss an, sie solle nicht immer an ihm herumnörgeln. Der Ehekrach nimmt seinen Lauf…

Erhöhtes Scheidungsrisiko, wenn man zu wenig Zeit hat

Die Forschung macht das Funktionieren einer Beziehung von zwei Dingen abhängig: erstens von der psychischen Stabilität der beiden Partner, zweitens von den Kompetenzen des Paares. Ein erhöhtes Scheidungsrisiko besteht dann, wenn die Partner zu wenig Zeit für sich selbst und füreinander haben, wenn sie mit Stress schlecht umgehen und die Aufgaben des gemeinsamen Alltags nicht bewältigen können.

Auch die Art der Kommunikation wirkt sich direkt auf die Zufriedenheit des Paares aus. Wobei Kommunikation auch Gesten, Mimik, Blicke, Gerüche, Kleidung, Lautstärke und Sprechtempo umfasst – also einfach alles, was zwischen zwei und mehreren Menschen gesendet und empfangen wird.

Schweigen ist nicht immer Gold

Partner, die unter Stress stehen, kommunizieren mehr negativ als positiv. Man macht einander Vorwürfe und wendet sich ab. Zudem verhält man sich in Stresssituationen egozentrisch und interessiert sich kaum für das Gegenüber. 

Nur wenn der eine Partner dem andern kundtut, weshalb er sich genervt hat und warum ihm die Situation auch emotional so stark zusetzt, kann er Verständnis und Unterstützung erwarten – Schweigen wäre in solchen Situationen nicht Gold, sondern Gift.

Berufs- und Freizeitstress reduzieren die gemeinsame Zeit oft so stark, dass man sich kaum mehr etwas zu sagen hat.

Stress ist vor allem deshalb ein Beziehungskiller, weil Paare immer weniger Zeit füreinander haben: Berufs- und Freizeitstress reduzieren die gemeinsame Zeit oft so stark, dass man sich kaum mehr etwas zu sagen hat. Dieser schleichende Prozess lässt sich mit einem rostenden Eisenrohr vergleichen: Lange Zeit sehen die Partner den Rost nicht, weil er im Innern ist. Doch plötzlich bricht das Eisen – und dann ist es in aller Regel zu spät.

Wenn ein Mann abends mit Blumen nach Hause kommt und seine Frau denkt: «Aha, er hat ein schlechtes Gewissen», ist es um die Beziehung wahrscheinlich nicht mehr allzu gut bestellt. In diesem Fall, sobald also in einer Partnerschaft etwas grundsätzlich Positives negativ beurteilt wird, ist es höchste Zeit für professionelle Hilfe in Form einer Eheberatung.

Männer sind genauso mitfühlend wie Frauen

Obwohl Männer als schlechtere Kommunikatoren gelten, sind sie in Wirklichkeit genauso mitfühlend wie Frauen. Frauen sprechen zwar schneller über ihre oberflächlichen Gefühle und setzen ihre Körpersprache häufiger ein. Doch wenn es um tiefer Liegendes wie Trauer oder Ängste geht, sind sie genauso hilflos wie Männer.

Hingegen fällt es Männern schwerer als Frauen, die Körpersprache des Gegenübers wahrzunehmen und richtig einzuschätzen. Auch unter Stress unterscheidet sich die Kommunikation der beiden Geschlechter: Frauen wollen ihren Stress mitteilen und über ihr Problem sprechen; im Vordergrund steht nicht die Lösung, sondern das Erörtern der Gefühle und Gedanken. Männer hingegen ziehen sich erst einmal zurück und wollen ihre Ruhe haben, um möglichst zielstrebig nach einer Lösung des Problems zu suchen.

Der US-Psychologe John Gottmann hat während Jahren das Kommunikationsverhalten in Partnerschaften untersucht. Die besten Chancen für eine dauerhafte und hochwertige Beziehung haben demnach jene Paare, die sich einer der folgenden drei Kategorien zuordnen lassen:

 

  • Die «Leidenschaftlichen» diskutieren ihre Meinungsdifferenzen aus und versuchen, sich gegenseitig zu überzeugen.
     
  • Die «Wertschätzenden» treten vermittelnd auf, indem sie Verständnis für die Gefühle des anderen zeigen und Probleme gemeinsam lösen wollen.
     
  • Bei den «Vermeidern» wird wenig debattiert – und wenn, dann eher emotionsarm und kurzatmig.


Studien der Universität Freiburg konnten nachweisen, dass der Kommunikationsstil mit dem Alter des jeweiligen Paares zusammenhängt: Junge Paare wollen viel und ausgiebig aushandeln; da kann es schnell einmal zu hitzigen Wortgefechten kommen. Zu den «Vermeidern» zählen eher ältere Paare, die so gut aufeinander eingespielt sind, dass nur noch wenig Konflikte entstehen. Sie gehören zu jenen glücklichen 50 Prozent, die tatsächlich erst mit dem Tod geschieden werden.

Zehn Regeln für die Kommunikation

  • Lassen Sie den Partner oder die Partnerin an Ihrem Leben teilhaben – tauschen Sie sich darüber aus, was Ihnen wichtig ist.

  • Teilen Sie dem Partner oder der Partnerin auch Ihre tieferen Gefühle mit. Seien Sie interessiert am Innenleben Ihres Gegenübers.

  • Vermeiden Sie plakative und pauschale Formulierungen wie «Ich bin einfach gestresst», weil Ihr Gegenüber dadurch kaum etwas über Ihren wahren Zustand erfährt und somit auch kein Verständnis aufbringen kann. Erklären Sie, was Sie gestresst hat und warum.

  • Gehen Sie Konflikten nicht aus dem Weg; versuchen Sie, im Gespräch die Gefühle des andern zu verstehen. Dann wird vielleicht klar, weshalb jemand auf seinem Standpunkt besteht: Wenn Sie erklären, dass die Aussicht auf Ferien am Meer bei Ihnen ein traumatisches Erlebnis hochkommen lässt, versteht Ihre Frau besser, weshalb Sie lieber in die Berge fahren.

  • Verbringen Sie genügend Zeit miteinander, um zu reden und den Alltag gemeinsam zu bewältigen. Entspannen Sie sich regelmässig.

  • Geben Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin sowohl sachliche als auch emotionale Unterstützung in Form von Verständnis, Solidarität und Wertschätzung.

  • Auf jede Kritik oder andere negative Äusserung müssen mindestens fünf liebevolle und positive Aussagen folgen. Vermeiden Sie verbale Beschuldigungen oder andere negative Äusserungen.

  • Hören Sie aktiv zu. Das kann zum Beispiel eine kurze Zusammenfassung des Gehörten in Ihren eigenen Worten sein, damit klar wird, dass Sie Ihr Gegenüber richtig verstanden haben.

  • Vermeiden Sie es, über Ihren Partner oder Ihre Partnerin zu spekulieren. Unterstellen Sie keine Gefühle, Absichten, Meinungen oder Wünsche, die nicht geäussert wurden.

  • Achten Sie darauf, dass Ihre Körpersignale mit Ihren verbalen Äusserungen übereinstimmen.

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