15_00_rg_faxkombi.jpgEine kleine Büroecke ist heute in vielen Haushalten Standard. Tiefe Preise für Computer, Drucker und Faxgeräte machen es möglich. Doch die Geräte brauchen viel Platz und verstellen bald den ganzen Schreibtisch.

Seit einiger Zeit machen Multifunktionsgeräte der Platznot ein Ende. Die Apparate drucken, faxen, scannen und kopieren in Farbe oder schwarzweiss. Bis zu vier Funktionen sind in einem einzigen Gehäuse zusammengefasst. Die Einsatzmöglichkeiten, das kompakte Format und die attraktiven Preise ab 600 Franken überzeugen auch die Konsumentinnen und Konsumenten. «Ein boomendes Geschäft», sagt Urs Humm, Produktemanager bei Hewlett Packard. Seine Firma konnte innerhalb eines Jahres den Absatz von Alleskönnern annähernd verdoppeln.

Als Käuferschaft angepeilt wird der so genannte SoHo-Bereich. Das Kürzel steht für Small Office (Kleinbüro) und Home Office (Heimbüro). Dieser Konsumentenschicht steht ein laufend grösser werdendes Angebot zur Verfügung. Fast jeder Bürogerätehersteller hat mehrere Multifunktionsgeräte im Sortiment. Das macht die Auswahl nicht einfach. Der Beobachter hat sich auf dem Markt umgesehen; er zeigt, was die Kombigeräte können und wo ihre Schwächen liegen.

Tintenstrahl- oder Lasertechnik

Die multifunktionalen Modelle lassen sich wie die Drucker in zwei Hauptgruppen einteilen: Geräte mit Tintenstrahltechnologie, die farbige Ausdrucke ermöglichen, und Apparate mit Lasertechnik, die schwarzweiss drucken.

Innerhalb der zwei Hauptgruppen sind diverse Kombinationen erhältlich. Ein Teil der Geräte verzichtet etwa auf ein Faxmodul. Andere Modelle bieten anstelle eines Scanners mit Einzug einen Flachbettscanner mit Glasplatte und Deckel. Damit können auch Seiten aus Büchern oder Zeitschriften bequem eingelesen werden.

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Alle Geräte können an einen Computer angeschlossen werden denn erst so lassen sich sämtliche Funktionen richtig nutzen. Aber: Nur die Nutzer von Computern mit Windows-Betriebssystem können derzeit die Multifunktionsgeräte als Drucker oder als Scanner verwenden. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind die Alleskönner bisher noch nicht für den Anschluss an einen Macintosh-PC geeignet.

Dies wird sich aber ändern: Die neuen Mac-Modelle sind mit dem USB-Anschluss (Universal Serial Bus) ausgerüstet, wie er auch bei Windows-Computern verwendet wird. Somit fehlt nur noch die geeignete Treibersoftware, die bald auf den Markt kommen soll.

Viel Inhalt für wenig Geld

Doch einen PC braucht es nicht unbedingt: Die Geräte mit Flachbettscanner und Farbtintenstrahldrucker lassen sich ohne Ansteuerung durch den PC relativ einfach als Farbkopiergerät nutzen inklusive der Möglichkeit, die Vorlagen zu verkleinern oder zu vergrössern.

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Ebenfalls ohne Verbindung mit einem PC funktioniert das Faxmodul: Dokument einlegen, Nummer wählen, und ab geht die elektronische Post theoretisch sogar in Farbe. Denn die neusten mit Farbtintenstrahldrucker ausgestatteten Geräte, wie sie etwa Canon anbietet, übermitteln auch farbige Faxe. Eine Funktion, die aber vorderhand wenig bringt: Wenn der Empfänger keinen Farbfax besitzt, kommt das Dokument schwarzweiss an.

825 Franken kostet ein solches Farbfax-Kombigerät. Das ist wenig, verglichen mit den Preisen eines Farbscanners oder eines Farbdruckers. «Die Kombigeräte sind in den meisten Fällen billiger als der Kauf vergleichbarer Einzelgeräte», bestätigt Rene Kamber, Produktemanager beim Büromaterial-Discounter Office World. Grund: Jede der Komponenten übernimmt mehrere Aufgaben und muss nicht mit jedem Einzelgerät neu zugekauft werden.

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Abstriche bei der Qualität

Die Preise, der geringe Platzbedarf sowie die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten zählen zu den Vorteilen der Multifunktionsgeräte. Doch es gibt auch Nachteile: «Ist ein Teil defekt, muss gleich das ganze Gerät in die Reparatur gegeben werden», sagt Office-World-Mann Kamber. Deshalb sollten sich die Konsumentinnen und Konsumenten vor dem Kauf gut überlegen, ob sie bei einer allfälligen Reparatur auf alle im Gerät enthaltenen Komponenten verzichten können.

Dieses Argument wiegt beim privaten Gebrauch nicht allzu schwer. Für das Büro einer kleinen Firma kann dieser Punkt aber schon fast zur Existenzfrage werden. Hier lohnt es sich bereits beim Kauf abzuklären, ob während einer Reparaturzeit ein Ersatzgerät zur Verfügung gestellt wird.

Im Vergleich zu den Einzelgeräten haben die Alleskönner noch einen weiteren Schwachpunkt: Die multifunktionalen Modelle kommen nicht in allen Bereichen an die Leistung von einzeln gekauften Profiscannern oder -druckern heran. Konkret: Wer Hunderte von Seiten pro Tag drucken oder faxen muss und Bilder in höchster Auflösung einscannen möchte, sollte mit Vorteil auf die leistungsfähigeren Einzelgeräte zurückgreifen.

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Doch für die angepeilte Käuferschaft der SoHo-Gruppe ist die begrenzte Leistung der Alleskönner kein Nachteil. «Die Geräte bieten alles, was diese Käufergruppe braucht», verspricht Office-World-Manager Kamber. Ein Blick auf die Kennwerte verschiedener Modelle bestätigt diese Aussage und zeigt, dass der Benutzer zu Hause oder im Kleinbetrieb die Grenzen seines Multifunktionsgeräts wohl nur selten ausloten wird.

Trotzdem sollte man sich nicht irgendein beliebiges Gerät kaufen, sondern Vergleiche anstellen. Die beste Messlatte ist dabei das geplante Hauptanwendungsgebiet. Wer häufig schwarzweiss ausdruckt, aber nur selten etwas einscannt, wählt ein Gerät mit schnellem Laserdrucker und Einzugsscanner. Wer hingegen gern seine Ferienfotos vergrössert und kopiert, sollte sich ein Modell mit Flachbettscanner und Farbdrucker kaufen.

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Kennwerte wie Druckgeschwindigkeit, Auflösung oder Ubertragungsrate geben Auskunft, welches Modell der gewünschten Nutzung am ehesten entspricht. Die entsprechenden Angaben finden sich auf den Homepages der Hersteller im Internet.

Gerade bei der Leistung der Druckermodule lohnt sich ein Vergleich: Tintenstrahldrucker sind meist langsamer als Lasergeräte. Dafür bieten sie die Möglichkeit, farbige Ausdrucke zu erstellen. Für die in den Multifunktionsmodellen integrierten Tintenstrahldrucker gilt das Gleiche wie für normale Drucker: Sie sind zwar im Ankauf günstiger als ein Lasergerät, doch der Preis pro gedruckte Seite liegt um einiges höher. Denn die Hersteller bessern ihre schmale Marge mit dem Verkauf von teuren Tintenpatronen kräftig auf. Eine Tatsache, die gerade bei häufigem Ausdrucken ins Geld geht.

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Abnabelung vom PC

In naher Zukunft wird das Spektrum der Multifunktionsgeräte zusätzlich erweitert. Bereits in der Pipeline sind etwa Modelle, die auch E-Mails empfangen und ausdrucken können. Und im Sommer will HP ein besonders günstiges Gerät mit Farbdrucker und Scanner auf den Markt bringen, bei dem gleich noch eine kleine Digitalkamera mitgeliefert wird. Schnappschüsse können so ohne Umweg über den Computer farbig ausgedruckt werden. Die zwei Beispiele zeigen, wohin die Entwicklung geht: Die Multifunktionsgeräte nabeln sich vom Computer ab und werden zu einfach bedienbaren, selbstständigen Einheiten. Damit werden sie schon bald auch für jene Käuferinnen und Käufer interessant, die sich nicht mit einem Computer herumschlagen wollen.

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